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Patienten-Transporte : „Die Leute können nicht mehr“

Besonders schwere Fälle können nicht mehr verlegt werden, weil der Transport aufwändig ist. Bild: dpa

Erst half Deutschland seinen Nachbarländern – nun ist das Gegenteil der Fall: Corona-Patienten müssen ins Ausland verlegt werden. Nicht nur Bayern will auf internationale Hilfe setzen.

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          Im vergangenen Jahr wurde Deutschland noch gefeiert, weil es Covid-Patienten aus seinen Nachbarländern aufnahm und oft auch heilte. Jetzt hat die Solidarität die umgekehrte Richtung eingeschlagen. Beispiel Italien: Südtirol hat in den vergangenen Tagen zwei Patienten aus dem Landkreis Erding aufgenommen, einen in Meran, einen anderen in Bozen. „Der Patient in Meran konnte das Krankenhaus wieder verlassen und ist nach Deutschland zurückgekehrt“, berichtete der oberste Covid-Einsatzleiter in Südtirol, Marc Kaufmann, der F.A.Z. Beim anderen, der in Bozen behandelt wurde, war die Lage am Wochenende noch kritischer.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Auch die Lombardei zeigt sich hilfsbereit. Die Region war von der Pandemie im vergangenen Jahr als erste in Europa schwer getroffen worden. Bilder von Toten, die mit Militärwagen aus Bergamo abtransportiert wurden, gingen um die Welt. Doch schon vor einigen Tagen hat die für Sozialfragen zuständige Regionalrätin der Lombardei, Letizia Moratti, auf Twitter mitgeteilt, dass sie die zuständige Generaldirektion eingeschaltet habe, „um Deutschland die Möglichkeit zu bieten, Covid-Patienten in unseren Krankenhäusern aufzunehmen – im Namen der internationalen Brüderlichkeit und Solidarität, die unserem Land im vergangenen Jahr geholfen hat“.

          Enorme Belastung

          Diese Auslandstransporte könnten bald konkret werden. Denn nach Bayern berichtete am Dienstag auch der Landesgesundheitsminister von Baden-Württemberg, Manfred Lucha, dass „wir uns vorbereitet haben, wenn es nötig würde, auch ins Ausland zu verlegen.“ Die Belastung des Krankenhauspersonals sei enorm hoch. „Die Leute können nicht mehr“, berichtete Lucha.

          Die Lage in Italien ist nicht so dramatisch wie in Deutschland, selbst wenn die Infektionszahlen auch südlich der Alpen steigen. Die italienische Regierung hat die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen schon vor Monaten erlassen und Mitte Oktober mit der 3-G-Nachweispflicht an allen Arbeitsplätzen angefangen. In den vergangenen 24 Stunden wurden in Italien rund 13.000 neue Ansteckungen und 89 Todesfälle gemeldet. Auf den Intensivstationen befanden sich im ganzen Land 638 Covid-Patienten.

          Zudem haben gerade die nördlichen Regionen in den Krankenhäusern aufgerüstet. „Am Anfang der Pandemie im vergangenen Jahr standen uns in Südtirol nur 35 Intensivbetten zur Verfügung“, berichtet Kaufmann, „jetzt haben wir deutlich mehr“. Der Gesundheitslandesrat Thomas Widmann sprach im Februar von 100 Betten, was in Ärztekreisen allerdings kritisiert wurde, denn es gäbe nicht genügend Personal für diese Zahl.

          Auch Einsatzleiter Kaufmann räumt ein, dass die Belegschaft knapp sei. „Einige hundert Pflegekräfte seien „nicht mehr im Boot“, weil sie aufgrund eines fehlenden 3-G-Nachweises vom Dienst suspendiert seien oder auf weniger sensible Stellen versetzt wurden.  Daher konnte Südtirol nicht der Bitte des Landkreises Erding nachkommen, Personal nach Deutschland zu schicken.

          Patienten bei sich aufnehmen will Italien dagegen gerne. Kaufmann erinnert daran, dass in Südtirol moderne Krankenhäuser zur Verfügung stünden und die Mortalitätsrate bei Covidfällen niedriger sei als im deutschen Durchschnitt. Allerdings sei zu bedenken, dass der Transport ein Risiko für die Patienten darstelle. Er sei technisch aufwändig und müsse von etlichen Fachkräften begleitet werden. Besonders schwere Fälle könnten daher gar nicht mehr verlegt werden.

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