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Los Angeles : Den Partys soll der Strom abgedreht werden

  • -Aktualisiert am

Party Mansion: In dieser Mietvilla in Hollywood ist ordentlich was los. Bild: AFP

Weil die Corona-Zahlen steigen, will Los Angeles mit drastischen Maßnahmen auf ausufernde Feiern reagieren. Die „Nachtclubs in den Hügeln“ erklärt der Bürgermeister zur Gefahr für die Öffentlichkeit.

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          Die Partyszene in Los Angeles will trotz Corona und Lockdown nicht auf Spaß verzichten. Youtube-Star Jake Paul, berühmt für anzügliche Videos und das abrupte Ende seiner Schauspielkarriere in der Serie „Bizaardvark“, lud vor einigen Wochen in seine Villa in Calabasas ein. Es gab Alkohol, Musik und Stunts an Baumaschinen. Versammlungsverbot, Maskenpflicht und Abstandsregeln wurden ignoriert. „Ich bin kein Typ, der herumsitzt und sein Leben nicht lebt“, schwadronierte der Dreiundzwanzigjährige später. Bürgermeisterin Alicia Weintraub nahm es angesichts von mehr als 200.000 Infizierten und etwa 5000 Covid-19-Toten im Bezirk Los Angeles weniger gelassen: „Viele benehmen sich, als würde es Corona nicht geben.“

          Am Wochenende darauf ging die Party dennoch ungebremst weiter. Dutzende Influencer versammelten sich im Hype House, um den Geburtstag von Tiktok-Star Larri „Larray“ Merritt zu feiern. Am Mulholland Drive folgte die nächste Großveranstaltung. In einer weißen Mietvilla, längst als „Party Mansion“ verschrien, versammelten sich vor wenigen Tagen mehr als 200 Los Angelenos in Feierlaune. Nach Lärmbeschwerden der Nachbarn wurde das Los Angeles Police Department (LAPD) zwar vorstellig, beließ es aber bei Strafzetteln für Autos im Parkverbot. Als zu fortgeschrittener Stunde Schüsse fielen und ein Partygast umkam, rückten die Beamten zum zweiten Mal an. Auf Verwarnungen wegen Verstößen gegen Corona-Auflagen verzichteten sie aber. „Es war eine private Feier. Sie wurde im geschlossenen Raum veranstaltet. Wir waren nicht zuständig“, sagte ein LAPD-Sprecher.

          Nicht nur in Los Angeles wird trotz Pandemie weiter gefeiert. In Südstaaten wie Texas, Alabama und Kentucky infizierten sich in den vergangenen Wochen Hunderte Jugendliche bei sogenannten Corona-Partys. Im noblen Greenwich nördlich von New York versammelten sich Schüler mehrerer High Schools, um ihren Abschluss zu feiern. Zwei Wochen darauf registrierte das Gesundheitsamt der etwa 60.000 Bewohner großen Enklave an Connecticuts Goldküste einen auffälligen Anstieg der Infektionszahlen.

          „Die Partys sind das Risiko nicht wert“

          Dennoch halten sich die Behörden häufig zurück. Wie in Los Angeles, wo die Beamten am Mulholland Drive von Bußgeldern absahen, setzen lokale Polizeibehörden die Infektionsschutz-Regeln von Bezirk oder Bundesstaat oft nicht durch. Für Los Angeles hat Mike Feuer, Justitiar in der Stadt, das Vorgehen dieser Tage so beschrieben: Nach einer Anzeige gegen Hausbesitzer oder Partyveranstalter würde die Stadt schon aktiv.

          Dass sich Partys durchaus unterbinden lassen, konnte man nun in Hollywood beobachten. Die Eigentümer des Sassafras Saloon ließen sich von einer zu erwartenden Geldstrafe umstimmen. Sie stornierten alle privaten Buchungen, nachdem der Club vor einigen Tagen durch eine ausgelassene Party aufgefallen war – angeblich zu Ehren von Ersthelfern der Corona-Pandemie.

          Feiert gern: Jake Paul
          Feiert gern: Jake Paul : Bild: AP

          Derweil steigen die Infektionszahlen in Los Angeles County besonders unter Jüngeren rasant an. Laut Gesundheitsbehörden ist schon mehr als jeder zweite Neuinfizierte zwischen 18 und 49 Jahre alt. Immer häufiger müssen jüngere Bewohner des bevölkerungsreichsten Bezirks der Vereinigten Staaten wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden. In fast jedem vierten Bett der Corona-Stationen liegt schon ein Patient im Alter von 30 bis 49 Jahren. Die Zahl der 18 bis 29 Jahre alten Infizierten, die in einer Klinik behandelt werden müssen, ist inzwischen ebenso hoch wie die von Patienten, die den 80. Geburtstag schon hinter sich haben. „Es ist ganz einfach: Gebt keine großen Feiern. Und geht nicht hin, wenn ihr eingeladen werdet“, mahnte Barbara Ferrer, Leiterin der Gesundheitsbehörden in Los Angeles. „Die Partys sind das Risiko nicht wert, besonders nicht, weil wir alle gemeinsam versuchen sollten, Corona hinter uns zu lassen.“

          Bürgermeister Eric Garcetti will es nicht bei Appellen belassen. Kurz vor dem Partymarathon am vergangenen Wochenende erklärte er die „Nachtclubs in den Hügeln“ zur Gefahr für die Öffentlichkeit. Falls das LAPD auf Veranstaltungen in Privathäusern aufmerksam wird und die Feier trotz Verwarnung weitergeht, dürfen die Energieversorger künftig Strom und Wasser abstellen. Sorge bereitet den Bewohnern der Pazifikmetropole aber Garcettis vage Formulierung „große Zusammenkünfte“. Schreitet das Department of Water & Power schon bei Partys mit einem Dutzend Gästen ein? Oder bezog sich der Bürgermeister auf Feiern mit Hunderten wie am Mulholland Drive? Genau festlegen wollte Garcetti sich nicht. Er überlässt die Entscheidung der Polizei.

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