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Risikogruppen über Corona : „Ich weiß natürlich auch, dass ich alt bin“

Altenzentrum-Bewohnerin Anna Hardt in Heinsberg: Nordrhein-Westfalen hat ein weitgehendes Besuchsverbot erlassen. Bild: dpa

Normalerweise drückt sich die Solidarität zwischen den Generationen in einer Krise dadurch aus, dass man hinfährt und sagt: „Hier bin ich“. Genau das fällt nun wegen der Infektionsgefahr aus. Wie ist das für die Älteren?

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          Sie haben die Schweinepest, den Rinderwahnsinn und die Vogelgrippe überlebt, da werden sich die Damen doch von Corona nicht den Spaß verderben lassen. Donnerstag, später Nachmittag im Café des Deutschen Historischen Museums in Berlin: „Ich bin jetzt jenseits der 70, ich kann mir nicht bei jeder Kleinigkeit über meine Gesundheit Gedanken machen“, sagt die Jüngere. „Ich hab den Krieg erlebt, den Hauptangriff auf Hamburg“, sagt die Ältere. „Da ging es um Leben und Tod.“ Silberhaar, Feinstrickjäckchen und zufriedene Gesichter mit Falten. Zweieinhalb Stunden waren die Frauen in der Ausstellung über die Brüder von Humboldt. Anschließend gab es Kalten Hund und Erdbeerschnitte, die leeren Kaffeetassen haben sie ordentlich auf die Kuchenteller gestellt. Die Ältere, Jahrgang 1937, darf nicht mehr zur Diabetiker-Selbsthilfegruppe, weil das veranstaltende Seniorenwohnheim keine Gäste von außen mehr zulässt. Die Jüngere, Jahrgang 1946, wollte eigentlich zur schon in der Vorwoche abgesagten Tourismusmesse ITB. Abgesehen davon, sagen beide, habe das Virus ihr Leben nicht verändert. Sie sind mit der U-Bahn unterwegs.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Kampf gegen die Epidemie gibt es seit dieser Woche eine zweite Strategie. Während es das wichtigste Ziel bleibt, die Infektionsketten zu unterbrechen und so die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung insgesamt zu verlangsamen, raten Wissenschaftler ergänzend zum Schutz besonders gefährdeter Gruppen. Nacheinander haben Bundeskanzlerin Merkel, Gesundheitsminister Spahn und Bundespräsident Steinmeier zu Solidarität mit älteren Menschen und chronisch Kranken aufgefordert.

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