https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-bayern-oeffnet-alle-impfzentren-wieder-17625262.html

Coronavirus in Deutschland : Bayern öffnet alle Impfzentren wieder

  • Aktualisiert am

Hier wird künftig wieder geimpft: Das Impfzentrum an der Münchner Messe (Archivfoto) Bild: dpa

Im Freistaat wird künftig wieder in den Impfzentren geimpft. Zudem warnt Ministerpräsident Söder angesichts der angespannten Lage in den Krankenhäusern. Derweil steigt die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland auf einen neuen Höchststand.

          5 Min.

          Angesichts steigender Infektionszahlen fährt Bayern alle seine Corona-Impfzentren wieder hoch. „Wir glauben fest daran, dass Boostern der beste Schutz ist“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München. Die Impfzentren sollten alle Menschen über 60 Jahren direkt anschreiben, es gebe aber keine Reihenfolge. „Wer kommt, wird geimpft – niemand wird zurückgewiesen“, sagte Söder.

          Der CSU-Chef kündigte auch schärfere Kontrollen der in Bayern seit Dienstag geltenden 2-G- und 3-G-Regelungen an. Die Polizei solle direkte Geldstrafen verhängen und bei wiederholten Verstößen auch vorübergehende Schließungen anordnen können.

          Da die Krankenhausampel inzwischen auf Rot sprang, gilt in Bayern die 3-G-Regel am Arbeitsplatz. Zu vielen Veranstaltungen haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt. In Gastronomie und für körpernahe Dienstleistungen gilt „3G plus“ – wer nicht geimpft oder genesen ist, muss einen PCR-Test vorlegen. In Schulen müssen außerdem wieder Masken getragen werden – diese Pflicht soll bis auf Weiteres verlängert werden.

          Söder zeigte sich angesichts der weiter „sehr, sehr ernsten“ Lage besorgt. Er warnte, dass aufgrund der Situation in den Krankenhäusern möglicherweise im Lauf der Woche „der K-Fall“ ausgerufen werden müsse. Das würde nur passieren, wenn die Verlegung von Patienten aus überfüllten in andere Krankenhäuser schwieriger würde. Es bedeute „nicht generell Katastrophe“, sondern in erster Linie, dass es mit klaren Anweisungen leichter würde zu verlegen, sagte Söder.

          Die Vorlage der potentiellen Ampelkoalitionäre im Bund vom Montag nannte er einen „Erste-Hilfe-Kasten“, aber kein umfassendes Konzept. Abermals forderte er eine Bund-Länder-Konferenz. Söder appellierte außerdem dringend an alle, die bisher noch unsicher seien, sich impfen zu lassen. Dies sei eine „solidarische“ Aufgabe. „Sie sehen hier an einigen: Es hat keine Schäden hinterlassen“, sagte Söder an Zweifler gewandt. Jeder, der sich jetzt noch impfen lassen wolle, sei herzlich willkommen.

          Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf neuen Höchststand

          Derweil ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen nach dem bisherigen Höchststand am Montag weiter gestiegen. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstagmorgen unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter mitteilte, erhöhte sich der Wert auf nunmehr 213,7, nachdem am Vortag mit 201,1 der bisher höchste Stand seit Beginn der Pandemie in Deutschland gemeldet worden war.

          Unter den Bundesländern verzeichnet Sachsen die höchste Inzidenz mit einem Wert von 483,7, danach folgen Thüringen (439,3) und Bayern (348,0). Die niedrigsten Inzidenzen gibt es in Schleswig-Holstein (77,0), Bremen (87,8) und Niedersachsen (103,1).

          Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen an. Der bis zum 7. November 2021 geltende Höchststand war am 22. Dezember 2020 mit 197,6 erreicht worden. Damals waren allerdings viel weniger Menschen in Deutschland geimpft.

          In den Monaten danach sank die Inzidenz wieder und fiel am 14. Mai 2021 unter hundert; am 23. Oktober lag der Wert dann erstmals wieder im dreistelligen Bereich und kletterte seither beständig nach oben. Den jüngsten Angaben des RKI zufolge wurden binnen 24 Stunden 21.832 Coronavirus-Neuinfektionen sowie 169 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus verzeichnet. Vor einer Woche waren es 10.813 Ansteckungen und 81 Todesfälle.

          Die Gesamtzahl der registrierten Infektionsfälle in Deutschland seit Beginn der Pandemie stieg damit auf 4.804.378, die Gesamtzahl der verzeichneten Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion auf 96.727.

          Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter – gab das RKI am Montag mit 3,93 an (Freitag: 3,91). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die vergangene Weihnachtszeit bei rund 15,5.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kräftiger Schritt: Die EZB hebt die Zinsen weiter an.

          Zinsentscheidung gefallen : EZB hebt Leitzins um 0,5 Prozentpunkte an

          Die Europäische Zentralbank geht einen größeren Zinsschritt als Amerikas Notenbank Fed: Bei mehr als 8 Prozent Inflation im Euroraum müssen die Währungshüter weiter handeln. Wie sind die Machtverhältnisse?
          Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Gießen

          Grünen-Landrat im Interview : „Wir schaffen das nicht“

          Jens Marco Scherf ist Landrat in Bayern und Mitglied der Grünen. In einem Brief an den Kanzler fordert er, dass die Migrationspolitik neu geordnet wird – um den Flüchtlingen wirklich helfen zu können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.