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Corona-Ausbruch in Schlachthof : In welchen Produkten steckt Tönnies-Fleisch?

  • Aktualisiert am

Fröhlich dreinblickende Tiere strahlen als Leuchtreklame auf einem Gebäude des Fleischwerks Tönnies. Bild: dpa

Nach dem massiven Corona-Ausbruch bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb wollen viele Kunden wissen, ob Fleisch von Tönnies auf ihren Tellern landet.

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          Schwein, Kuh und Rind grinsen fröhlich – zumindest auf dem Logo von Deutschlands größtem Schlachtbetrieb. Doch nach Grinsen dürfte bei Tönnies derzeit niemandem mehr zumute sein, denn das Familienunternehmen in Rheda-Wiedenbrück ist mit mehr als 1500 nachgewiesenen Fällen zu einem Corona-Hotspot geworden. Tausende Menschen stehen unter Quarantäne. Ein Lockdown für den Landkreis wird immer wahrscheinlicher.

          Der Fall Tönnies löst aber auch grundsätzliche Zweifel am Agieren des Schlachtbetriebs aus. Vor allem die schlechten Arbeitsbedingungen der überwiegend über Werkverträge von Subunternehmen eingesetzten osteuropäischen Schlachthofmitarbeiter stehen in der Kritik. Inzwischen ist die Produktion für vorerst gestoppt. Grünen-Chefin Annalena Baerbock fordert grundlegende Änderungen in der Fleischproduktion: „Für das Billigfleisch zahlen Arbeiter, Bauern und Tiere einer ganzen Region einen extrem hohen Preis.“ Und viele Konsumenten fragen sich, ob bei ihnen auf den Tellern Tönnies-Fleisch landet und ob es ungefährlich ist.

          Wie erkenne ich Tönnies-Produkte?

          Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gibt auf ihrer Homepage Entwarnung. Derzeit gäbe es keinen nachgewiesenen Fall, in dem sich ein Mensch durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln mit dem Coronavirus infiziert hätte. Nach jetzigem Wissensstand sei es „unwahrscheinlich, dass Lebensmittel Quelle einer Infektion mit dem Virus sein könnten“, heißt es dort. Auch Ernährungswissenschaftlerin Sabine Klein, die bei der Verbraucherzentrale NRW für das Thema Fleisch zuständig ist, erklärt gegenüber der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“: „Nach jetzigem Kenntnisstand ist der Verzehr des Fleisches aus Tönnies-Betrieben in Rheda-Wiedenbrück unbedenklich.“

          Doch es gibt auch Stimmen, die das Risiko durch rohes Fleisch höher  einschätzen. So sagte der Epidemiologie-Professor Timo Ulrichs dem TV-Sender „RTL“: „Die Gefahr bei einer Kontamination von Oberflächen, also auch von den Oberflächen des hergestellten Fleisches, ist natürlich gegeben, weil man weiß, dass das Virus sich auf Oberflächen länger halten kann.”

          Aber wie können Kunden erkennen, welches Fleisch aus dem Schlachtbetrieb Tönnies stammt? Der Lebensmittelexperte Bernhard Burdick von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, Produkte tierischer Herkunft müssen innerhalb der EU mit einem Identifikationszeichen ausgezeichnet werden. Es zeigt an, wo das Fleisch zuletzt verarbeitet wurde. Es gibt laut der Verbraucherzentrale NRW drei Kennzeichen, die zum Tönnies-Konzern führen: NW 20202 EG, NW 20028 EG, NW 20045 EG, wie Klein der „WAZ“ mitteilte.

          Zudem vertreibt Tönnies unter dem Markennamen „Tillman’s“ weitere Fleisch-Produkte. Dazu gehören: Tillman’s Toasty, verpacktes Produkte wie Hackfleisch, Steaks oder Geschnetzeltes von Tillman's Qualitätsmetzgerei sowie Burgerfleisch, Spare Ribs, Schnitzel, Köttbullar oder Cordon Bleu von Tillman’s wie auch Tillman's Mettwurstspezialitäten. Und auch zahlreiche Wurstmarken enthalten Fleisch von Tönnies: Es wird in den Wurstprodukten der „Zur Mühlen Gruppe“ (ZMG) verarbeitet. Darunter fallen unter anderem folgende Marken: Böklunder, Könecke, Redlefsen, Schulte, Zerbster Original, Plumrose, Zimbo und Nölke (Gutfried). Des weiteren ist auch in folgenden Discounter-Eigenmarken Tönnies-Fleisch enthalten: „Landjunker“ von Lidl und „Meine Metzgerei“ von Aldi Süd. Zudem beliefert der Tönnies Großverbraucher mit den Marken „Artland“ und „IQF“.

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