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Fragen zum Antikörpertest : Moment mal: Hatte ich Covid-19 vielleicht schon?

Ist ein Antikörpertest positiv, dann heißt das noch lange nicht, dass man auch immun ist. Bisher fehlen in vielen Bereichen noch wissenschaftliche Daten. Bild: AFP

Immer mehr Menschen spielen mit dem Gedanken, einen Antikörpertest zu machen. Ist das sinnvoll? Und sind die Tests zuverlässig? Wir haben Antworten.

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          Mit Superlativen soll man ja bekanntlich vorsichtig sein, aber die Masse an Daten, die seit Beginn der Corona-Krise täglich auf den interessierten Bürger einbricht, ist wohl so groß wie nie zuvor. Plötzlich wird mit Zahlen, Rechnungen, Wahrscheinlichkeiten und Kurven hantiert, als spräche man über das Wetter. Welche davon verlässlich sind, welche schon am nächsten Tag nicht mehr gelten, das – so haben es die Deutschen mittlerweile gelernt – ist in dem Moment, in dem die Daten über die Ticker laufen, nicht klar. Trotzdem sind die Informationen dann erst einmal im wahrsten Sinne des Wortes in der Welt.

          Lucia Schmidt
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Drei Daten, die in der vergangenen Woche besondere Aufmerksamkeit erfahren haben, waren zwei aus der „Heinsberg-Studie“ und eine aus Frankreich. Auch wenn Experten die Schlussfolgerungen der Heinsberg-Studie mittlerweile anzweifeln, vor allem ihre Übertragbarkeit auf ganz Deutschland: Die Zahlen haben sich ihren Platz in den Köpfen der Menschen gesucht. Die Zahlen aus der Studie, um die es geht, lauten einmal: Hochgerechnet müssten rund 1,8 Millionen Deutsche eine Coronavirusinfektion schon hinter sich haben. Die zweite sagt: Mehr als jeder Fünfte spürt kein einziges Symptom, wenn er erkrankt.

          Die Untersuchungen aus Frankreich derweil erregten Aufsehen, weil sie aufweisen, dass dort schon im Dezember 2019 ein Patient behandelt wurde, der an Sars-CoV-2 erkrankt war. Aus dieser Feststellung ist im Laufe der Woche durch weitere Untersuchungen und Äußerungen die Vermutung entstanden, das Virus könnte schon im Oktober 2019 auf seine Reise um den Globus gegangen sein. Auch daran zweifeln Experten. Aber die Nachricht ist da. Und deshalb stellen immer mehr Deutsche, die sich brav in Abstandsregeln üben, nach diesen neuen Daten die hoffnungsvolle Frage: Hat mich das Virus doch schon befallen, und bin ich einigermaßen glimpflich davongekommen? Von diesem Gedanken ist der Sprung nicht mehr weit zu der Frage: Sollte ich mal einen Antikörpertest machen? Wir haben versucht, darauf Antworten zu finden.

          Auf welcher Idee beruhen Antikörpertests?

          Antikörper gehören zum Abwehrsystem unseres Körpers. Sie werden gebildet, sobald unser Körper mit Erregern in Berührung kommt, vor allem mit denen, die er nicht kennt. Bildlich gesprochen, sind Antikörper dafür da, diese fremden Erreger einzufangen und zu Zellen zu bringen, die diese dann vernichten. Der Körper ist in der Lage, Antikörper herzustellen, die ganz spezifisch einen Erreger vernichten können. Diese Spezialisierung machen sich Antikörpertests zunutze. Beim Corona-Antikörpertest wird nämlich nicht einfach nach Immunglobulinen, wie Antikörper in der Fachsprache genannt werden, geschaut, sondern eben nach genau denen, die Sars-CoV-2 bekämpfen. Werden solche im Blut gefunden, spricht das dafür, dass der Betroffene mit Sars-CoV-2 in Berührung gekommen ist.

          Wann schlagen Antikörpertests an?

          Für einen solchen Test benötigt man Blut des Patienten. Ganz grob beschrieben, wird das Blut im Test mit Bestandteilen des Virus in Kontakt gebracht. Sind spezifische Antikörper im Blut, verbinden sich Virus und Antikörper. Das führt zu einer Reaktion, die der Test anzeigt. Da der Körper bei einer Infektion aber erst einmal Antikörper bilden muss, weisen diese Tests keine akute Infektion nach, sondern höchstens eine abklingende oder überstandene. Es gibt unterschiedliche Klassen von Antikörper; die frühesten bilden sich etwa 10 bis 14 Tage nach Infektionsbeginn. Erst dann kann ein Test überhaupt funktionieren. Im Laufe der Zeit werden Antikörper im Blut etwas spezifischer, sie entwickeln sich sozusagen weiter, und damit auch die Sicherheit der Testaussage.

          Ein Tropfen Blut  und dann Sicherheit? Leider funktionieren die Antikörpertests so noch nicht.
          Ein Tropfen Blut und dann Sicherheit? Leider funktionieren die Antikörpertests so noch nicht. : Bild: AFP

          Sind die Tests zuverlässig?

          Genau das ist die entscheidende Frage. Die Antwort darauf kann vermutlich so zusammengefasst werden: Bisher sind Ärzte eher zurückhaltend, was die Zuverlässigkeit dieser Tests angeht. Aber es kommen immer mehr solcher Tests auf den Markt, die laut Aussage der Experten immer besser werden – besonders in Bezug auf Sensitivität und Spezifität. Viele Hoffnungen liegen auf dem neuen Test des Herstellers Roche, ein immerhin sehr erfahrenes Unternehmen in diesem Bereich, aber auch von diesem sind noch nicht alle restlos überzeugt.

          Was heißt Sensitivität und Spezifität?

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