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Virologe Drosten : „Mit dieser Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen“

  • Aktualisiert am

Virologe Christian Drosten mahnt zu mehr Tempo bei den Impfungen. Bild: dpa

Corona-Tests allein seien keine Alternative, so der Virologe Christian Drosten. Die Impfquote müsse unbedingt weiter steigen. Im Oktober und November rechnet er abermals mit Kontaktbeschränkungen.

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          Der Berliner Virologe Christian Drosten mahnt mit Blick auf die Delta-Variante zu mehr Tempo bei den Impfungen. „Wir müssen unbedingt an der Impfquote arbeiten“, sagt Drosten im Deutschlandfunk. In der Gesamtbevölkerung seien bislang 61 Prozent vollständig geimpft. „Mit dieser Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen, das reicht absolut nicht aus.“ Notwendig seien 85 Prozent der Unter-60-Jährigen, bei den Über-60-Jährigen sogar 90 Prozent.

          Corona-Tests allein seien keine Alternative. Sie seien nur ein Behelfsmittel gewesen, solang es noch keinen Impfstoff gegeben habe. „Jetzt nimmt die Bevölkerung die Impfung nicht an, das ist ein großes Problem.“ Für Kinder unter 12 Jahren, für die es derzeit noch keinen Impfstoff gibt, sollten regelmäßige Corona-Tests in den Schulen allerdings beibehalten werden.

          Für Oktober und November rechne er außerdem abermals mit Kontaktbeschränkungen. Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie werde man zudem noch jahrelang spüren, so der Virologe.

          Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am Donnerstagmorgen 13.715 neue Positiv-Tests gemeldet. Das sind 1089 mehr als am Donnerstag vor einer Woche, als 12.626 Neuinfektionen gemeldet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 76,9 von 75,7 am Vortag. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. 33 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen 24 Stunden auf 92.256. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 3,9 Millionen Corona-Tests positiv aus.

          Diskussion um Booster-Impfungen

          Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte derweil eine schnelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für die Auffrischungsimpfung gegen Covid-19. „Ich halte es für unerlässlich, dass wir eine klare Empfehlung für die dritte Impfung seitens der Stiko jetzt bekommen“, sagt Lauterbach der Zeitung „Rheinische Post“ (Donnerstagausgabe). Dabei sprach sich Lauterbach für zielgenaue Drittimpfungen aus. „Wird die Impfung unnötigerweise bei Niedrigrisiko-Vorgeimpften und Jüngeren gemacht, verschwenden wir nicht nur Impfstoff, der in anderen Ländern benötigt würde, sondern haben auch keine zusätzliche Wirkung des Impfstoffes zu erwarten.“

          Ärztepräsident Klaus Reinhardt kritisierte das Vorgehen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, Auffrischimpfungen für Senioren und Immungeschwächte ohne entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) anzubieten. „Es spricht theoretisch einiges dafür, dass eine Auffrischimpfung für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, mit einem geschwächten Immunsystem sowie für Hochbetagte sinnvoll sein kann“, sagt Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag).

          Insgesamt fehlten aber noch aussagekräftige Studien, ob, wann und für wen eine Boosterimpfung angezeigt sei. Es sei also von der Politik eine Erwartungshaltung bei den Patienten geschürt worden, die viele Ärztinnen und Ärzte ohne eine wissenschaftlich fundierte Impfempfehlung nicht bedienen wollen. „Ich halte es deshalb für einen Fehler, dass Bund und Länder in der Breite Auffrischungsimpfungen angekündigt haben, ohne eine entsprechende Empfehlung der Stiko abzuwarten.“

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