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Schleppende Impfkampagne : Drosten warnt vor schwerer Corona-Winterwelle

  • Aktualisiert am

Virologe Christian Drosten Bild: dpa

Weil das Tempo beim Impfen abnimmt, sieht Virologe Christian Drosten schwere Zeiten auf Deutschland zukommen. Dagegen helfe nur eine deutlich höhere Impfquote.

          2 Min.

          Vielerorts in Deutschland ist die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit niedrig, Corona-Sorgen treten da womöglich in den Hintergrund. Viele Menschen wiegen sich in falscher Sicherheit, glaubt der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur erklärte er: Um einer schweren Winterwelle vorzubeugen, brauche es eine deutlich höhere Impfquote.

          „Ich bin aber zunehmend besorgt über den Impffortschritt. Hier kommen wir nicht schnell genug voran, obwohl genug Impfstoff zur Verfügung steht. Viele Menschen wähnen sich angesichts einer niedrigen Inzidenz in Deutschland in einem falschen Sicherheitsgefühl. Es ist wichtig, jetzt sehr viel mehr Informationsarbeit zu leisten – auch im privaten Umfeld, damit die Impfquote schneller ansteigt.“ Dadurch sinke die Wahrscheinlichkeit von schmerzhaften Eingriffen im Winter, sagte Drosten.

          Die Frage, ob die bisherige Impfquote schon ausreiche für die erwartete Entkoppelung von Inzidenz und Intensivstationen, verneinte Drosten. „Wenn die Impfquote nicht signifikant erhöht wird, ist eine schwere Winterwelle zu erwarten. Bei 75 Prozent voll Geimpften über 60 Jahren ist ein Viertel dieser besonders gefährdeten Altersgruppe ohne Schutz. Wenn das so bliebe, könnten wir – stark vereinfacht gesagt – nur etwa viermal mehr Infektionen zulassen als noch vor der Impfkampagne. Diese Vervierfachung wäre bei einer Verdopplungszeit von vielleicht 10 bis 14 Tagen in weniger als einem Monat erreicht.“

          Auch Spahn warnte zuletzt

          Drosten mahnte an, dass man durch die Impfung nicht nur einen Monat gewinnen wolle, sondern über den ganzen Herbst und Winter kommen wolle, „ohne dass es wieder zu erheblichen Belastungen der Krankenhäuser und zu Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens kommt“.

          Wie das RKI am Donnerstag im Lagebericht schreibt, könnten die Gesundheitsämter aufgrund der „insgesamt noch niedrigen Inzidenz viele Infektionsketten nachvollziehen“. „Zunehmend werden auch Fälle mit einer wahrscheinlichen Exposition im Ausland (häufigste Angabe derzeit: Spanien) übermittelt.“ Spanien ist seit dem 11. Juli wieder als Risikogebiet eingestuft und droht nun zum Hochinzidenzgebiet hochgestuft zu werden. Damit müssten Personen, die (noch) nicht vollständig geimpft sind, nach ihrer Heimkehr in Deutschland für fünf Tage in Quarantäne gehen.

          Die Inzidenz steigt seit mehr als zwei Wochen an. Laut RKI ist der „derzeitige Anstieg der Inzidenz vor allem in den Altersgruppen der 15- bis 34-Jährigen zu beobachten“. Zwar ist der bundesweite Wert im Vergleich zum Winter und Frühjahr deutlich niedriger – vor allem im Osten Deutschlands ist das Coronageschehen niedrig. Dennoch wächst der Anteil der gefährlicheren und ansteckenderen Delta-Variante weiter an. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnte zuletzt davor, dass die Erfolge der vergangenen Monate nicht verspielt werden sollten. Laut Spahn könnte schon im September die Marke von 400 und im Oktober die von 800 überschritten werden, wenn sich die derzeitige Entwicklung fortsetze, sagte der Minister am Mittwoch in Berlin. Dagegen helfe nur eine steigende Impfquote.

          In Deutschland sind mindestens 60,6 der Bevölkerung mindestens einmal geimpft. Das geht aus den Daten des Impfdashboards hervor. 48,5 Prozent sind vollständig geimpft.

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