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18,3 Prozent Wachstum : Die Zahl, aus der Chinas Träume sind

Solide, aber nicht ohne Rückschläge

Die offiziell immer noch britische, mit China jedoch eng verbundene Großbank HSBC hat hingegen die durch Corona bedingten Sondereffekte des ersten Quartals 2020 herausgerechnet und auf dieser Grundlage die Wirtschaftsleistung zu Beginn dieses Jahres verglichen. Die Bankökonomen kommen bei dieser Rechnung auf ein Wachstum von nur 5,4 Prozent. Das ist zwar immer noch stark im Vergleich zu anderen Industrienationen, klingt jedoch weit weniger sensationell als eine um ein Fünftel gestiegene Leistung.

Die Vereinigten Staaten zum Beispiel, die im Gegensatz zu den Chinesen das Quartalswachstum auf das Jahr hochrechnen („annualisiert“), haben für die Monate Juli bis September des vergangenen Jahres sogar einen Größenzuwachs um 33 Prozent gemeldet. Bei dieser Berechnung wird so getan, als ob die Wirtschaft im ganzen Jahr so schnell wächst wie in den gemessenen drei Monaten.

Wenn allerdings die Entwicklung von Quartal zu Quartal gemessen wird, bekommen Wachstumsgeschichten oft einen ganz anderen Dreh. Wie in China. Gemessen an den vorangegangenen Monaten Oktober bis Dezember 2020 hat Chinas Wirtschaft von Januar bis März 2021 nur um 0,6 Prozent an Größe zugelegt, was eine weit geringere Steigerung ist als etwa vom dritten auf das vierte Quartal des vergangenen Jahres. Analysten betrachten dies eher als Hinweis darauf, dass der Aufschwung in China zwar solide, aber eben auch nicht ohne Rückschläge ist.

Konsum, Industrie und Exporte

Getrieben hat das Wachstum im ersten Quartal neben den starken Exporten von Corona-bezogenen Waren wie Atemmasken abermals vor allem die Industrieproduktion, die um knapp ein Viertel gestiegen ist. Der Konsum läuft ordentlich und hat allein im Monat März im Vergleich zum Vorjahresmonat, in dem viele Chinesen immer noch im häuslichen Lockdown saßen, um über ein Drittel an Wert zugelegt.

Dass das Land im gesamten laufenden Jahr mit einer zweistelligen Rate im Jahresvergleich wächst, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber dennoch nicht wahrscheinlich. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für China Wirtschaft jüngst auf 8,4 Prozent Wachstum angehoben.

Das jedoch wird die Staatsführung kaum davon abhalten, die auf den ersten Blick sensationelle Aufschwungsbilanz nach allen Regeln der Kunst auszuschlachten. Wenn Chinas Präsident wie angekündigt am heutigen Freitag mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron über den Klimaschutz redet, dürfte es Xi Jinping an Selbstbewusstsein nicht mangeln.

Gerade ist der amerikanische Sondergesandte für den Klimaschutz John Kerry im Land, der China dazu treiben soll, größere Zusagen für die Einsparung von Emissionen zu machen als bisher. Peking hat schon verraten, was es von dem Vorstoß auf Geheiß des amerikanischen Präsidenten Joe Biden hält: gar nichts.

Stattdessen könnte Xi heute seinen europäischen „Partnern“ Merkel und Macron großzügig darlegen, was China schon alles für den Klimaschutz tut – aber eben auch für den Wiederaufschwung der Weltwirtschaft, der ohne die Superzahlen aus der Volksrepublik nicht vorstellbar wäre. Aus Xis Sicht ist das wohl eine Verhandlungsposition, die nur ein Wort verdient: traumhaft.

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