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Corona-Epidemie in China : Jetzt verbreitet sich das Virus in den Gefängnissen

  • Aktualisiert am

Auf den Straßen von Peking: Menschen mit Gesichtsmasken Bild: AFP

Während sich in China die Situation für Inhaftierte verschärft, kehren weitere deutsche Staatsbürger zurück. In anderen europäischen Staaten gibt es neue Fälle.

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          In Kirchheim/Teck in Baden-Württemberg sind am Freitag 15 Personen aus China in einem Hotel zur Quarantäne untergebracht worden. Es handelt sich überwiegend um deutsche Staatsbürger, die in Deutschland keinen Wohnsitz mehr haben, weil sie seit vielen Jahren in China leben. Alle China-Rückkehrer wurden am Stuttgarter Flughafen untersucht. In China war bei ihnen keine Infektion mit dem Sars-Cov-2-Erreger festgestellt worden. In Kirchheim/Teck werden sie in einem separaten Hoteltrakt vom Deutschen Roten Kreuz betreut. Sie mussten schriftlich versichern, dass sie sich über einen Zeitraum von 14 Tagen an die Vorschriften der deutschen Gesundheitsbehörden und die Quarantäne-Maßnahmen halten. Im Landesgesundheitsamt ist seit Ende Januar ein Laborkompetenzzentrum zur Untersuchung von Bluttests auf Coronaviren eingerichtet. Sollte es unter den Rückkehrern infizierte Personen geben, sollen sie in Fachkliniken behandelt werden.

          In Norditalien liegt ein 38 Jahre alter Coronavirus-Patient in sehr ernstem Zustand im Krankenhaus, wie Behörden am Freitag mitteilten. Der Mann hatte sich wohl in Italien angesteckt, womöglich bei Treffen mit Bekannten, die aus China gekommen waren. Er wird im Hospital der Kleinstadt Codogno in der Provinz Lodi isoliert behandelt. Tests im Umfeld des 38-Jährigen ergaben, dass der Mann acht Personen mit Sars-CoV-2 angesteckt hat. Somit stieg die Zahl der bekannten Infektionen in der Lombardei auf 14. Zu den bis zum Abend getesteten Menschen in der Lombardei gehört auch die schwangere Frau des Schwerkranken, sowie fünf Angestellte des Krankenhauses, wo er stationiert ist.

          Nach den neuen Ansteckungen wurden 250 Menschen im Umfeld des 38-Jährigen unter Quarantäne gestellt, darunter 70 Klinikangestellte und 160 Kollegen des Mannes. Zudem wurden die Bürger in Codogno und in zwei weiteren Orten aufgefordert, möglichst zuhause zu bleiben. Der Bürgermeister der Kleinstadt ordnete die Schließung von Schulen, Bars und anderen öffentlichen Einrichtungen an – zunächst bis vermutlich Sonntag.

          Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte in Brüssel, dass Italien nach den Nachweisen eine neue Verordnung zur Isolation von Kontaktpersonen erlassen habe. Alle Personen mit Kontakt zu Infizierten müssen demnach obligatorisch in Quarantäne.

          Rückkehrer aus der chinesischen Provinz Hubei kommen in einem zu einer Quarantänestation umgerüsteten Hotel an.

          In China hat sich das Coronavirus in mehreren Gefängnissen unter den Häftlingen ausgebreitet. Insgesamt seien in fünf Haftanstalten mehr als 500 Personen infiziert, sagte am Freitag der Leiter der nationalen Gefängnisverwaltung, He Ping. Offenbar waren die Fälle zuvor geheim gehalten worden, bis Freitag war keine einzige Infektion in einem Gefängnis gemeldet worden. Viele Funktionäre wurden entlassen, unter ihnen die Parteisekretäre der Justizbehörde und der Gefängnisverwaltung der Provinz Shandong sowie zwei Gefängnisdirektoren. Ein Ermittlungsteam unter Leitung der Kommission für politische und rechtliche Angelegenheiten der Kommunistischen Partei wurde nach Shandong entsandt, um die Umstände des Ausbruchs im Rencheng-Gefängnis zu untersuchen. Offenbar hatte ein Wärter das Virus eingeschleppt.

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