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Von Berlin bis Bayern : Noch 22.000 aktive Corona-Fälle – Länder planen Lockerungen

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Ein Kunde kauft in einem Supermarkt in Berlin-Wilmersdorf mit Mund-Nasen-Schutz ein. Bild: dpa

In Deutschland sind nachweislich etwa 135.000 Menschen von ihrer Infektion mit dem Coronavirus genesen. Auch die Zahl der aktiven Covid-19-Erkrankungen sinkt. Mehrere Landesregierungen planen deswegen eine schrittweise Öffnung. Ein Überblick.

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          Das Robert-Koch-Institut (RKI) beurteilt die Entwicklung der Zahl der Infektionen positiv. „Die Zahl der übermittelten Infektionsfälle sinkt weiter. Das ist eine sehr gute Nachricht“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag in Berlin. In der vergangenen Woche seien täglich zwischen 700 bis 1600 Fälle an das RKI gemeldet worden. Am Montag waren es 685. Die Reproduktionsrate werde auf 0,71 geschätzt – das heißt, jede infizierte Person überträgt die Krankheit durchschnittlich auf 0,71 Personen. Insgesamt ist die Zahl der festgestellten Infektionen auf 163.860 gestiegen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 stieg um 139 auf 6831. Die Zahl der Genesenen schätzt das Robert-Koch-Institut auf etwa 135.000 – damit gibt es in Deutschland derzeit ungefähr 22.000 aktive Corona-Fälle.

          Darüber hinaus sieht Wieler absehbar keine Probleme bei der Versorgung von Corona-Patienten in Deutschland auf Intensivstationen. „Bei der derzeitigen Dynamik muss man deutlich sagen, werden keine Engpässe prognostiziert“, sagte Wieler. Die Voraussetzung, dass dies so bleibe, sei, dass die Zahl der Infektionen nicht weiter steige.

          Beratungen in Berlin und Baden-Württemberg

          Einen Tag vor der abermaligen Schaltkonferenz von Bund und Ländern zu Lockerungen in der Corona-Krise wollen derweil mehrere Bundesländer über eigene weitere Schritte beraten. Das bayerische Kabinett wird dazu an diesem Dienstag in der Staatskanzlei sowohl über die Umsetzung der bisherigen Beschlüsse als auch die Exit-Pläne für Schulen, Kindertagesstätten, Handel und Gastronomie sprechen. Im Anschluss wollen sich Ministerpräsident Markus Söder und weitere Minister des bayerischen Kabinetts äußern.

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          Auch die Landesregierung in Sachsen-Anhalt will entscheiden, ob Restaurants, Bars und Cafés noch im Mai unter Auflagen wieder Gäste bewirten dürfen. Am Nachmittag sollen die Ergebnisse der Kabinettssitzung vorgestellt werden. Einige Länder haben bereits angekündigt, Gaststätten Mitte Mai eine Öffnung zu ermöglichen, Niedersachsen will zudem Hotels ab 25. Mai unter Auflagen einen Neustart nach wochenlanger Schließung erlauben.

          Der Berliner Senat will ein Hilfsprogramm für Kultureinrichtungen beschließen. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte vor Wochen angekündigt, dass über das Programm 30 Millionen Euro zumeist in Form von Zuschüssen fließen sollen. Thema im Senat könnte auch eine Maskenpflicht für das Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen sein.

          In Baden-Württemberg will das Landeskabinett über die Gewährleistung der Energieversorger in Corona-Zeiten sprechen. Im Anschluss will Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eine Pressekonferenz geben. Zudem will sich die Landesregierung dazu äußern, wie ein vom Bund geplantes Investitionsprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft nach Corona genutzt werden sollte, um die Energiewende und den Klimaschutz voranzubringen.

          Am Mittwoch sprechen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder abermals über mögliche Lockerungen der strengen Auflagen für Schulen, Kitas und Sport. Dann könnten sie den Weg für Geisterspiele der Fußball-Bundesliga freimachen und auch großen Geschäften wieder die Öffnung erlauben. Darauf haben sich die Vertreter von Bund und Ländern nach Informationen von Reuters aus Verhandlungskreisen vom Montagabend in der Vorbereitung auf die Chefrunde verständigt.

          Höchstwahrscheinlich werde ein Start der Bundesliga zum 15. Mai möglich werden, erfuhr Reuters von mehreren mit den Verhandlungen vertrauten Personen. Gleichzeitig solle für den Amateurbereich der Sport unter freiem Himmel wieder erlaubt werden.

          Lockerungen für Geschäfte und Gastronomie?

          Nachdem Bundesländer wie Saarland, Sachsen-Anhalt und Berlin auch den Geschäften über 800 Quadratmeter Verkaufsfläche bereits wieder die Öffnung erlaubt haben, soll diese Begrenzung am Mittwoch auch bundesweit fallen – verbunden mit weiteren strengen Hygieneregeln. Begründet wird dies von Ländervertretern nicht nur mit der sinkenden Zahl an Corona-Neuinfektionen, sondern auch mit dem Verweis auf Gerichtsverfahren, die die Öffnung nur für kleine Geschäfte in mehreren Bundesländern bereits ausgehebelt hatten.

          Öffnungsbeschlüsse werden auch für die Schulen und Kitas erwartet. Bei den Schulen sei man sich in den Vorgesprächen weitgehend einig gewesen, dass diese schrittweise für alle Kinder nach einem rotierenden System wieder geöffnet würden. Bei den Kitas „werde ebenfalls etwas passieren“, sagte ein Teilnehmer der Vorgespräche.

          Anders als die Kanzlerin vergangene Woche angekündigt hatte, soll es zudem bereits Lockerungs-Beschlüsse für die Gastronomie und zum Tourismus geben. Hier sind Bundesländer wie Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern ohnehin bereits vorgeprescht. Merkel hatte vergangenen Donnerstag angekündigt, dass für diese Bereiche erst in der übernächsten Bund-Länder-Schalte Entscheidungen fallen sollten.

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