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Warnung von Dortmund-Trainer : „Es ist gefährlich, wir müssen sehr aufpassen“

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„Es werden mehr Fälle kommen, es ist nicht gut zu reisen“: BVB-Trainer Lucien Favre Bild: dpa

Erstmals seit langem gewinnt Dortmund wieder bei Hoffenheim. Doch der Trainer der Borussia macht sich Sorgen. Dass Spieler in Risikogebiete reisen müssen und mit Corona-Infektionen zurückkehren, sorgt nicht nur bei ihm für Verärgerung.

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          Kapitän Marco Reus und Jungstar Erling Haaland jubelten Arm in Arm. Dank einer erfolgreichen Ko-Produktion der beiden eingewechselten Matchwinner hat sich Borussia Dortmund in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga festgesetzt. Der 20 Jahre junge Norweger bereitete am Samstag den Siegtreffer von Nationalspieler Reus (76. Minute) zum 1:0 (0:0) bei der TSG 1899 Hoffenheim vor. Die beiden Joker sorgten damit für eine erfolgreiche Generalprobe vor dem Champions-League-Auftakt am Dienstag bei Lazio Rom. Überschattet wurde die Partie aber von der Corona-Lage in beiden Teams.

          Bundesliga

          Hoffenheims kroatischer Toptorjäger Andrej Kramaric fehlte nach einem positiven Test wie auch der Ghanaer Kasim Adams, wie die TSG bestätigte. Zudem befindet sich der Tscheche Pavel Kaderabek wegen eines Falls in der Familie ebenfalls in Quarantäne. „Ich hatte mit allen drei Jungs heute noch Kontakt, allen geht es gut. Sie sind zuhause, halten sich an die Quarantäneverordnungen“, hatte Sportchef Alexander Rosen vor dem Anpfiff bei Sky gesagt. Hoffenheims Coach Sebastian Hoeneß wollte nicht von einem Schock sprechen, „aber grundsätzlich ist Andrej für uns ein enorm wichtiger Spieler, der immer in der Lage ist, den Unterschied auszumachen“.

          Der Ausfall von Kramaric (sechs Saisontore) schmerzte die Hoffenheimer ganz besonders. Der BVB hatte so nicht das Schreckgespenst von der letzten Begegnung vor sich: Der 29-Jährige hatte beim 4:0 im Juni in Dortmund alle vier Treffer erzielt. Das Duell der Topstürmer Kramaric und Haaland fiel damit aus. Beim BVB war Manuel Akanji während der Länderspielpause positiv getestet worden. „Ich denke, wir müssen sehr aufpassen. Es ist gefährlich. Es werden mehr Fälle kommen, es ist nicht gut zu reisen“, sagte BVB-Trainer Lucien Favre und meinte mit Blick auf die Liga, die auch bei den Zuschauern wieder immer größere Einschränkungen hinnehmen muss: „Wir müssen weiter probieren zu spielen, so lange wie möglich.“

          Reus und Haaland hatte der Schweizer bis zur 64. Minute auf der Bank gelassen. „Er hat zuletzt drei Spiele hintereinander gemacht. Wir müssen weiter vernünftig sein“, erklärte Favre, nach seinem 300. Bundesliga-Spiel, mit Blick auf Haaland. Reus traf vor 6030 zugelassenen Zuschauern im Sinsheimer Stadion mit seinem ersten Treffer seit Februar. Sportdirektor Michael Zorc freute sich nach dem Abpfiff über den „offensiven Push“ durch die beiden Joker: „Wir hatte Torchancen en masse und hätten den Sack früher zumachen müssen.“

          In der Dortmunder Startformation stand der 17 Jahre alte Giovanni Reyna ebenso wie der zuletzt öfter nicht berücksichtigte Nationalspieler Julian Brandt. Emre Can rückte in die Abwehr zurück, die nach dem Fehlen von Akanji, Dan-Axel Zagadou und Nico Schulz schnell weiter dezimiert wurde: Lukasz Piszcek musste nach nur 20 Minuten angeschlagen vom Platz.

          Im munteren ersten Durchgang fehlte der TSG öfter der letzte Pass, dem BVB die letzte Entschlossenheit im gegnerischen Strafraum. Der Ex-Frankfurt Mijat Gacinovic hatte bereits in der vierten Minute die Chance zur Führung, als er mit der Fußspitze nach einer weiten Flanke von Robert Skov am Ball war, der aber am Pfosten vorbeiging. Ein ordentliches Comeback im Team von Trainer Sebastian Hoeneß gab Sebastian Rudy nach seiner Rückkehr von Schalke 04. Kurz vor der Pause erhöhten die Dortmunder den Druck: Bei Reynas Schuss nach einem feinen Dribbling des Talents rettete gerade noch Skov vor der Torlinie. Zudem köpfte Thomas Meunier auf die Oberkante der Latte.

          Doch nicht nur Favre blickte über das Spiel hinaus. Mehrere Bundesligaklubs äußerten teils deutliche Kritik an der Abstellungspflicht für ihre Nationalspieler während der Corona-Krise und forderten ein Umdenken. „Das ist ein Ausrufezeichen, das wir jetzt mal setzen müssen, vielleicht als Liga, vielleicht über die DFL, dass wir in der nächsten Abstellungsperiode anders agieren“, sagte der Hoffenheimer Direktor Rosen im TV-Sender Sky. „Zur Not müssen wir intensiver drüber nachdenken, die Jungs nicht gehen lassen.“

          RB Leipzig fehlte gegen den FC Augsburg der corona-infizierte Amadou Haidara. „Wenn man die steigenden Zahlen sieht, muss man sich schon Gedanken machen, ob es in der nächsten Abstellungsperiode Sinn macht, abzustellen“, forderte Sportdirektor Markus Krösche. „Es muss von der Fifa eine klare Richtlinie geben, wie das mit der Abstellung geht, speziell in Risikogebiete.“

          Dutzende Profis aus der Fußball-Bundesliga waren in den vergangenen Wochen mit ihren Nationalteams unterwegs, reisten teils in Corona-Risikogebiete und absolvierten oft mehrere Partien innerhalb weniger Tage. „Die Klubs bezahlen die Spieler und arbeiten mit allem dran, dass die Abläufe ordnungsgemäß durchgeführt werden. Und man hat das Gefühl, dass es den übergeordneten Verbänden einfach egal ist“, sagte Rosen und kritisierte das Verhalten einiger Nationalverbände. „Es ist für die Spieler und für die Vereine nicht optimal, dass der Rahmenterminkalender so eng ist“, sagte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl bei Sky. „Aber wir können es nicht ändern. Wir müssen damit umgehen, das sind in dieser Saison spezielle Herausforderungen.“

          Wegen der Coronavirus-Pandemie ist der Spielplan der Saison 2020/21 enorm eng getaktet, im November sind abermals Länderspiele eingeplant. Einen freiwilligen Verzicht der Spieler auf diese Reisen in Pandemie-Zeiten hält Krösche für schwierig. „Es ist grundsätzlich nicht das Thema der Spieler“, sagte er. „Sondern wir müssen eine Grundsatzentscheidung treffen, wie wir in dieser Situation damit umgehen. Vor allem wir Vereine brauchen die Unterstützung von der Fifa. So ist es für uns schwierig, die Jungs zu Hause zu lassen.“

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