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Protestbrief an Minister : Hebammen in Baden-Württemberg wollen früher geimpft werden

Der Gesundheitsminister von Baden-Württemberg, Manfred Lucha (Grüne) Bild: dpa

In Baden-Württemberg sollen Hebammen nicht regulär unter den Ersten sein, die gegen Corona geimpft werden. Sie wehren sich und machen ihrem Unmut in einem Brief an Gesundheitsminister Manfred Lucha Luft.

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          Der Deutsche Hebammenverband hat die Corona-Impfpraxis für Geburtshelferinnen in Baden-Württemberg kritisiert. Der Grund ist die jüngste Konkretisierung der Corona-Impfverordnung des Bundes durch die grün-schwarze Landesregierung. Darin sind keine Impfungen für OP-Personal, Laborpersonal, Mitarbeiter der Gynäkologie, Neonatologie, und Geburtshilfe sowie der akuten Radiologie nach Impfpriorität 1 vorgesehen, sofern diese Berufsgruppen an einer „regelmäßigen und unmittelbaren Versorgung von Covid-19-Patienten“ nicht beteiligt sind.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Das geht aus einem Brief des Hebammenverbandes an den baden-württembergischen Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hervor, welcher der F.A.Z. vorliegt. Darin heißt es: Kreißsäle seien Bereiche, in denen es bei Geburten „aerosolgenerierende Tätigkeiten“ gebe, Gebärende würden während der körperlich anstrengenden Geburtsphase „vermehrt Aerosole“ ausatmen, zugleich sei wegen des Schutzes der Mutter sowie der Neugeborenen ein regelmäßiges Lüften gar nicht möglich.

          Abstandregeln können nicht eingehalten werden

          Es sei außerdem für schwangere Frauen unzumutbar, während der Geburtsphase einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, auch seien die Abstandsregeln zwischen Hebammen und den gebärenden Frauen nicht einzuhalten. „Diese Umstände führen zu einem vielfach erhöhtem Ansteckungsrisiko für die dort tätigen Hebammen, dem schnellstmöglich entgegengetreten werden sollte“, schreibt die Präsidentin des Verbandes, Ulrike Geppert-Orthofer.

          Hebammen, heißt es in dem Brief weiter, könnten die Betreuung von Gebärenden ebenso nicht ablehnen wie Notfallambulanzen die Versorgung schwer verletzter Patienten. Immer häufiger würden Infektionen mit dem Corona-Virus erst nach der Geburt festgestellt. Daher müsse das hohe Ansteckungsrisiko für angestellte und Beleghebammen schnell durch Impfungen nach Priorität 1 gesenkt werden.

          Auch in einigen anderen Bundesländern gibt es das Problem. Überdies bestätigte eine Sprecherin des Landesgesundheitsministeriums, dass Hebammen auch in der Impfverordnung des Bundes bisher nicht explizit als eigene Berufsgruppe innerhalb des medizinischen Personals aufgeführt seien. In Baden-Württemberg würden Hebammen als Personen mit hoher Impfpriorität eingestuft, sie hätten als Angehörige der Prioritätsgruppe 2 einen Anspruch auf eine Schutzimpfung gegen Sars-Cov2.

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