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Mehr als 45.000 Tote : Brasilien mit knapp einer Million Corona-Infektionen

Rio de Janeiro: Eine medizinische Mitarbeiterin untersucht eine Corona-Patientin Bild: dpa

Lateinamerika hat sich mit insgesamt 1,7 Millionen Fällen und mehr als 80.000 Toten zu einem neuen Epizentrum der Pandemie entwickelt. In Brasilien sind innerhalb von 24 Stunden mehr als 37.000 neue Corona-Fälle gezählt worden.

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          Brasilien wird in diesen Tagen die Marke von einer Million Corona-Fällen überschreiten. Die Zahl der Fälle lag am Dienstag bei knapp 930.000, wobei innerhalb der letzten 24 Stunden mehr als 37.000 neue Fälle gezählt wurden. Über 45.000 Personen sind an den Folgen des Virus gestorben, alleine in den letzten 24 Stunden waren es mehr als 1300. Die tatsächlichen Zahlen dürften höher sein, da das Land vergleichsweise wenige Tests durchführt und eine hohe Dunkelziffer vermutet werden muss.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro, deren Gesundheitsministerium seit einem Monat interimistisch geführt wird, hatte die Erfassung der Daten zwischenzeitlich erschwert, indem sie keine Gesamtzahlen mehr bekannt gab. Zudem wurden die neuen Fälle erst zu später Stunde veröffentlicht, um die Berichterstattung der Medien über die Pandemie zu behindern. Verschiedene Medienhäuser haben sich deswegen zu einem Konsortium zusammengeschlossen, um die Daten über die Gesundheitsbehörden der einzelnen Bundesstaaten zusammenzutragen. Per Gerichtsbeschluss wurde die Regierung nun wieder zur Veröffentlichung der Gesamtzahlen angehalten.

          Mit einer Quote von 21 Todesfällen pro 100.000 Einwohner liegt Brasilien, das 210 Millionen Einwohner zählt, trotz der hohen Gesamtzahlen statistisch weiterhin hinter mehreren europäischen Ländern. Allerdings ist die Kurve in Brasilien weiterhin ansteigend. In einigen Regionen stehen keine Betten mit Intensivpflege mehr zur Verfügung. Gleichzeitig finden allerdings bereits erste Schritte einer Lockerung der Isolationsmaßnahmen statt. Seit vergangener Woche sind diverse Geschäfte und auch Shoppingcenter in verschiedenen Bundesstaaten und Metropolen wieder geöffnet, darunter auch in São Paulo und Rio de Janeiro. 

          Ein Lichtblick aus brasilianischer Sicht ist die rückläufige Ansteckungsrate. Laut den Berechnungen des britischen Imperial College ist die Rate in den vergangenen drei Wochen stetig gesunken, liegt aber derzeit immer noch bei 1,05. Das bedeutet, dass 100 Infizierte weitere 105 Personen anstecken. Ende April lag dieser Faktor noch bei 2,8. Wegen der hohen Dunkelziffer sind allerdings auch diese Berechnungen mit Vorsicht zu betrachten. 

          Mit Argentinien, Bolivien, Chile, Kolumbien und Peru verzeichnen weitere Länder der Region Ansteckungsraten mit einem Faktor über 1. Verschiedene Länder sind trotzdem bereits zu einer Lockerung der Isolationsmaßnahmen übergegangen. Für Aufmerksamkeit sorgt neben Brasilien auch Mexiko, wo die Zahl der Todesfälle inzwischen 17.000 überschritten hat. Auch Mexiko testet vergleichsweise wenige seiner 120 Millionen Einwohner. Lateinamerika hat sich mit insgesamt 1,7 Millionen Fällen und über 80.000 Toten zu einem neuen Epizentrum der Pandemie entwickelt.

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