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Schwer getroffen : Mehr als 100.000 Corona-Tote in Brasilien

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Rio de Janeiro: Die Nichtregierungsorganisation „Rio de Paz“ plazierte zum Gedenken der Opfer der Covid-19-Pandemie 1000 rote Luftballons und 100 Kreuze am Strand der Copacabana. Bild: dpa

In dem südamerikanischen Land sind binnen 24 Stunden mehr als 800 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Es gibt keine Anzeichen, dass sich die Situation in Brasilien bald verbessern wird.

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          In Brasilien ist die Zahl der Corona-Toten auf mehr als 100.000 angestiegen. Wie die Tageszeitung „Folha de São Paulo“ mit Stand Samstagabend berichtete, starben allein in den vergangenen 24 Stunden 841 Menschen an den Folgen einer Covid-19-Infektion und mehr als 46.000 neue Infektionen wurden gemeldet. Insgesamt sind mehr als drei Millionen Menschen in dem südamerikanischen Land mit dem Virus infiziert. Laut brasilianischen Medien gibt es keine Anzeichen, dass die Pandemie unter Kontrolle ist. Brasilien ist nach den Vereinigten Staaten am schwersten von der Pandemie betroffen.

          Am 25. Februar meldete Brasilien seine erste Covid-19-Infektion. Ein Bewohner aus São Paulo hatte das Virus von einer Italien-Reise mitgebracht. Seitdem hat sich das Virus von den Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro über das ganze Land ausgebreitet. Ein Ende der Leidenszeit ist für die Brasilianer nicht abzusehen: Auf Brasilien entfallen 6,5 Prozent aller weltweiten Corona-Infektionen und 7,2 Prozent der Toten. Die brasilianische Bevölkerung macht aber nur 2,7 Prozent der Welt aus. Dabei ist laut Experten die Zahl der Corona-Infizierten noch mindestens sieben Mal höher, da Brasilien über sehr geringe Testkapazitäten verfügt.

          Brasilien gilt inzwischen als Beispiel für das Versagen der Politik im Umgang mit der Pandemie. Präsident Jair Bolsonaro, der selbst infiziert war, verharmlost trotz der nationalen Tragödie weiter die Pandemie. Immer wieder setzte er sich demonstrativ über die von Bürgermeistern und Gouverneuren erlassenen Quarantänemaßnahmen hinweg, missachtete die Distanzregeln und trat öffentlich ohne Maske auf.

          Innerhalb weniger Wochen hatten zwei Gesundheitsminister, beides Ärzte, im Streit mit Bolsonaro über das Krisenmanagement die Regierung verlassen. Seit mehr als zwei Monaten wird das Gesundheitsministerium übergangsweise von einem Militär ohne medizinische und administrative Vorkenntnisse, General Eduardo Pazuello, geführt.

          Inzwischen liegen gegen Bolsonaro mehrere Anträge auf Amtsenthebung und eine Anzeige vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen seines unverantwortlichen Handelns vor. Ihm wird vorgeworfen, Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung in der Pandemie unterlassen zu haben und damit mitverantwortlich für den Tod von Zehntausenden Menschen zu sein.

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