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Corona-Ausbruch in Altenheim : „Untragbar, furchtbar, schlimm“

Pflegeheim „Haus am Werbellinsee“ in Schorfheide: Hier kam es zu einem Corona-Ausbruch mit Toten Bild: dpa

In einem Seniorenheim in Brandenburg hat es einen Corona-Ausbruch gegeben. Elf Menschen sind bereits tot – und nur die Hälfte der Pflegekräfte geimpft. Jetzt soll es strengere Testregeln für Pflegeeinrichtungen geben. Aber reicht das?

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          Es sind Bilder, die man nach dem vergangenen Winter eigentlich nie wieder sehen wollte: Angehörige stehen vor einem Pflegeheim und versuchen, ihren Eltern oder Großeltern etwas zuzurufen, weil diese ihre Zimmer im ersten Stock nicht verlassen dürfen. Vor der Senioren­residenz Haus am Werbellinsee in der Gemeinde Schorfheide in Brandenburg sind solche Szenen jetzt wieder zu beobachten. Dort ist es zu einem massiven Corona-Ausbruch gekommen, das ört­liche Gesundheitsamt meldete zuletzt 59 infizierte Personen: 44 Bewohner und 15 Mitarbeiter. Zehn Frauen und ein Mann sind an dem Virus gestorben.

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Eine Frau beklagte gegenüber dem Fernsehsender rbb den Tod ihres Vaters. Sie komme gerade vom Bestatter. „Für mich ist die Situation untragbar, furchtbar, schlimm“, sagte sie. Ihre Mutter, die ebenfalls in dem Heim lebe, sei auch an Covid-19 erkrankt. Für Empörung sorgte die Meldung, dass gegen den Leiter der Einrichtung ein Bußgeldverfahren ein­geleitet wurde, weil er nach einem posi­tiven Testergebnis das Heim nochmals betreten haben soll. Der rbb berichtete auch, dass eine ungeimpfte Pflegekraft das Virus in das Pflegeheim ein­geschleppt haben könnte.

          Die Ursache für den Corona-Ausbruch sei weiterhin unklar, sagte dagegen am Dienstag Robert Bachmann, der Sprecher des Kreises Barnim. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt sei das Pflegeheim am Sonntag begangen worden, dabei habe es keine Beanstandungen gegeben. Bekannt geworden sei der Ausbruch am 15. Oktober, zehn Bewohner und zwei Mitarbeiter seien damals positiv getestet worden. Nach flächen­deckenden PCR-Tests seien die Zahlen nach oben korrigiert worden, sagte Bachmann. Die nächsten Testergebnisse würden für Donnerstag erwartet. Die meisten der an dem Virus Gestorbenen seien mehr als 80 Jahre alt gewesen, alle hätten Vorerkrankungen gehabt.

          Jens Spahn will strengere Testregeln

          Diskussionen rief eine andere Zahl hervor, die der Kreis meldete: Demnach waren die Bewohner zwar „recht gut“ geimpft, die Impfquote der Mitarbeiter in der Einrichtung liege aber lediglich bei etwa 50 Prozent. Der Landrat des Kreises Barnim, Daniel Kurth (SPD), sagte dazu: „Ich bin der Überzeugung, dass es für bestimmte Berufsgruppen eine Frage des Berufsethos sein sollte, sich und ihr Umfeld mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen.“ Die Erfahrung zeige jedoch, dass die bislang geltende Wahlfreiheit beim Thema Impfen nicht die erhoffte Wirkung habe. „Hier ist jetzt der Gesetzgeber gefragt, eine bundeseinheitliche Lösung zu finden. Wenn nicht in Form einer Impfpflicht für die entsprechenden Berufsgruppen, dann zumindest mit der Verpflichtung zu täglichen Testungen.“

          Immerhin reagierte die Landesregierung schnell: Statt zweimal pro Woche sollen ungeimpfte Pflegekräfte sich künftig täglich testen lassen müssen. Diese Testpflicht soll von einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 an für alle Pflegekräfte in Einrichtungen gelten, die keine Impfung oder Genesung nachweisen können.

          Es wird wieder einsam: der Eingang zu dem Seniorenheim am Werbellinsee
          Es wird wieder einsam: der Eingang zu dem Seniorenheim am Werbellinsee : Bild: dpa

          Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Ende der Woche auf der Gesundheitsministerkonferenz strengere Testregeln für Pflegeeinrichtungen durchsetzen: „Unabhängig vom Impf­status“ soll das Personal mindestens zweimal wöchentlich getestet werden, heißt es in einem Beschlussentwurf, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Besucher von Pflegeeinrichtungen müssten demnach ebenfalls unabhängig vom Impf­status ein negatives Testergebnis vor­weisen. Die Länder können zudem eine 2-G-Regel für Besucher von Pflegeeinrichtungen einführen. Eine Impfpflicht für Pflegekräfte lehnt Spahn dagegen weiterhin ab.

          Beim Deutschen Ethikrat hat man dafür kein Verständnis mehr. Ethikrat-Mitglied Wolfram Henn sagte am Dienstag der F.A.Z.: „Wer die freie Entscheidung trifft, einen Beruf zu ergreifen, in dem er die Verantwortung für verletzbare Menschen übernimmt, muss sich mit anderen Maßstäben messen lassen als andere. Deswegen brauchen wir eine berufsspezifische Impfpflicht für medizinisches und Pflegepersonal.“ Mit der Formel „geimpft oder gefeuert“ mache man es sich aber zu einfach. „Der nächste Schritt muss vielmehr sein, dass Arbeitgeber Ungeimpfte so versetzen können, dass sie keinen Kontakt mehr mit vulnerablen Gruppen haben.“ Erst als „allerletztes Mittel“ sollte Personal nicht weiterbeschäftigt werden.

          Henn rief dazu auf, auch an die ambulante Pflege zu denken: „Meine Mutter ist 92 Jahre alt, dreifach geimpft, aber das ist kein absoluter Schutz.“ Zu ihr komme eine ambulante Pflegekraft nach Hause. „Solche Menschen können zu Superspreadern werden.“ Deswegen forderte Henn ein Auskunftsrecht: „Meine Mutter muss wissen, ob diese Pflegekraft, die zu ihr kommt, geimpft ist oder nicht.“

          Bezogen auf das Pflegeheim in Schorfheide ist noch unklar, warum die Bewohner dort offenbar noch keine Auffrischungsimpfungen bekommen haben. Die meisten Menschen über 80 wurden in Deutschland schon vor mehr als einem halben Jahr zweitgeimpft, nach diesem Zeitraum ist eine Booster-Impfung empfohlen. Das Heim hatte laut dem Gesundheitsministerium in Brandenburg zwar Termine dafür gehabt, diese seien wegen des Ausbruchs aber zurückgestellt worden. Das Düsseldorfer Unternehmen Alloheim, das mehr als 230 stationäre Einrichtungen mit 22.000 Betten be­treibt, teilte mit, grundsätzlich keine Angaben zu Gesundheitsdaten von Bewohnern und Mitarbeitern zu machen. „Wir informieren unsere Mitarbeiter und Bewohner regelmäßig und unterstützen bei Impfterminen“, hieß es. Die Impfung bleibe aber eine individuelle Entscheidung, „da es keine verbindliche Vorgabe des Gesetzgebers in Bezug auf eine Impfverpflichtung gibt“.

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