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Biontech-Gründer Uğur Şahin : „Sinnvoll, bereits nach drei Monaten einen Booster anzubieten“

  • Aktualisiert am

Biontech-Gründer Uğur Şahin in Berlin im August 2021 Bild: Reuters

Uğur Şahin hat sich aufgrund der Omikron-Variante deutlich für einen Booster nach bereits drei Monaten ausgesprochen. Nur so sei ein effektiver Schutz weiterhin möglich. Das zeigten Untersuchungen seines Unternehmens und Pfizer.

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          Der Biontech-Gründer und Chef Uğur Şahin hat sich in einem Interview mit dem Spiegel dafür ausgesprochen, Auffrischungsempfindungen bereits nach drei Monaten vornehmen zu lassen. „Wenn sich Omikron, wie es aussieht, weiter ausbreitet, wäre es wissenschaftlich sinnvoll, bereits nach drei Monaten einen Booster anzubieten“, sagte er und verwies darauf, dass dies in Großbritannien bereits so gemacht werde. „Diese Entscheidung liegt jedoch nicht bei uns.“

          Şahin kündigte darüber hinaus an, dass damit wohl eine vierte Impfung im kommenden Sommer in mancher Hinsicht notwendig werde. Eine Möglichkeit darunter ist, dass sich die Omikron-Variante durchsetzt. „Die vierte Impfung könnte aber auch ein an eine Omikron-Variante angepasster Impfstoff sein.“

          Biontech arbeitet an einem an die neue Variante angepassten Impfstoff, der dann möglicherweise auch bei einer vierten Impfung verwendet werden könnte. „Ob wir den Schlüssel für eine volle Produktion überhaupt umdrehen, ist noch nicht entschieden. Momentan sind verschiedene Omikron-Varianten unterwegs, und es ist noch nicht klar, welche sich durchsetzt und welche dann im Impfstoff sein soll“, sagte Sahin dem Spiegel weiter. Es werde noch einige Wochen dauern, bis klar sei, ob überhaupt ein neuer Impfstoff nötig sei. Bislang rechne man damit, 2022 mindestens vier Milliarden Dosen des Impfstoffs produzieren zu müssen. „Jetzt werden wir darüber nachdenken, ob es noch mehr werden können“, sagte Sahin.

          Neue Laboruntersuchungen von Biontech/Pfizer

          Hintergrund der Aussagen von Şahin sind Laboruntersuchungen von Biontech und Pfizer, die am vergangenen Mittwoch präsentiert wurden. Für einen ausreichenden Schutz vor der Omikron-Variante des Coronavirus sind demnach mindestens drei Dosen ihres Produktes nötig. Biontech/Pfizer gehen allerdings davon aus, dass der Schutz vor einer schweren Erkrankung weiterhin gegeben ist. Eine Booster-Dosis erhöhe den Antikörper-Spiegel ausreichend, um auch die Omikron-Variante zu neutralisieren, hieß es. Bei Bedarf könne ab März unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung ein angepasster Impfstoff bereitgestellt werden.

          Die beiden Pharmaunternehmen hatten in Laboruntersuchungen geprüft, wie gut Blutseren geimpfter Personen mit den darin enthaltenen Antikörpern die kürzlich entdeckten Omikron-Variante des Coronavirus neutralisieren können. Sie nutzten für ihre Untersuchung eine künstlich hergestellte Form des Virus. Aus den Ergebnissen lassen sich Erkenntnisse über die Schutzwirkung ableiten, auch wenn Laboruntersuchungen die realen Bedingungen nicht vollständig widerspiegeln.

          Nach zwei Dosen des Impfstoffs war das Neutralisierungspotenzial demnach im Vergleich zum Wildtyp des Erregers um das 25-fache reduziert. Die auf die Impfung hin gebildeten T-Zellen würden von den Mutationen der Variante allerdings nicht beeinträchtigt. Deshalb „gehen die Unternehmen davon aus, dass geimpfte Personen immer noch gegen schwere Formen der Krankheit geschützt sein könnten“.

          Die vorläufigen Labordaten deuteten darauf hin, dass „die erste Verteidigungslinie“ gegen die Omikron-Variante nach zweimaliger Impfung beeinträchtigt sein könnte, die dritte Impfung diesen Schutz aber wieder herstelle, sagte die medizinische Geschäftsführerin und Biontech-Mitgründerin Özlem Türeci auf einer Online-Pressekonferenz.

          Eine konkrete Zeitangabe, wann Biontech über die Notwendigkeit eines auf die neue Variante zugeschnittenen Impfstoffs entscheidet, nannte Vorstandschef Şahin nicht. Zunächst müssten in den nächsten Wochen noch weitere Ergebnisse aus Laboruntersuchungen sowie Erfahrungen über die tatsächliche Ausbreitung der Variante abgewartet werden. Biontech arbeite weiter „mit voller Geschwindigkeit“ an der Anpassung des Vakzins an Omikron und gehe dabei von der Annahme aus, dass dies notwendig werden könnte. Die Produktion werde nicht komplizierter als bei dem jetzigen Impfstoff. Biontech stehe mit Blick auf die neuen Varianten-Studien in ständigem Kontakt mit den Zulassungsbehörden.

          Jetzt boostern, statt auf Anpassung zu warten

          Nach Şahins Ansicht ist für Menschen, die sich gegen die Omikron-Variante schützen wollen, ratsamer, sich jetzt boostern zu lassen und nicht auf eine mögliche Impfstoff-Anpassung in ein paar Wochen zu warten. Zudem werde der neue Impfstoff bei einem etwaigen Anlaufen der Produktion im März auch nicht gleich massenhaft zur Verfügung stehen. Biontech werde voraussichtlich erst einmal mit 25, 50 und 75 Millionen Dosen in die Produktion gehen.

          Die Booster-Dosis erhöhte den Antikörper-Spiegel nach Angaben von Biontech und Pfizer zufolge um das 25-Fache. Diese Antikörper-Spiegel würden mit einer hohen Wirksamkeit sowohl gegen das Wildtyp-Virus als auch gegen zuvor aufgetauchte Varianten in Verbindung gebracht. „Auch wenn zwei Dosen des Impfstoffs möglicherweise weiterhin Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten, zeigen diese ersten Daten sehr deutlich, dass der Schutz mit einer dritten Dosis unseres Impfstoffs verbessert wird“, sagte Albert Bourla, Chef des Pharmakonzerns Pfizer.

          Die Blutseren für den Versuch der Hersteller wurden drei Wochen nach der zweiten Impfung oder vier Wochen nach der dritten Impfung entnommen. Daten zur Langlebigkeit der durch den Booster induzierten Antikörpertiter werden derzeit noch erhoben. Erste Chargen eines angepassten Impfstoffs könnten laut Biontech bei Genehmigung durch die Behörden innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden. Die erwarteten Produktionsmengen von vier Milliarden Dosen des Impfstoffs im Jahr 2022 würden sich auch bei einer nötigen Anpassung nicht ändern.

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