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Virus : Biotechunternehmen Curevac erforscht Corona-Impfung

  • -Aktualisiert am

Forscher in den Laboren von Curevac Bild: Curevac

Das Tübinger Unternehmen forscht an einer Impfung gegen das grassierende Corona-Virus. Im Sommer könnten mit einem neu entwickelten Impfstoff erste Studien mit Menschen starten.

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          Curevac ist eines von vielen Unternehmen auf der Welt, das sich derzeit intensiv mit der Erforschung einer Impfung gegen das grassierende Corona-Virus beschäftigt. Auch Johnson&Johnson, Glaxo-Smith-Kline, und Moderna zählen dazu. Ende vergangener Woche hat das Tübinger Biotechunternehmen Curevac dafür von der öffentlich-privaten Allianz Cepi, die sich der Entwicklung von Impfungen gegen epidemische Erreger verschrieben hat, eine Finanzspritze von rund 7,5 Millionen Euro erhalten. „Wir rechnen damit, dass wir in fünf bis sechs Monaten einen Impfstoff haben, der in klinischen Tests mit Menschen eingesetzt werden könnte“, sagt Curevacs Technik-Vorstand Mariola Fotin-Mleczek im Gespräch mit der F.A.Z.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Curevac arbeitet beispielsweise auch an Impfstoffen gegen Tollwut oder Influenza und an Krebsmitteln. Dabei setzt das Biotechunternehmen, das im Jahr 2000 gegründet wurde, auf die Technologie der sogenannten messengerRNA (mRNA), also die Botenstoffe zwischen den Zellen, die dafür zuständig sind, Informationen zu übermitteln – und die Basis für eine mögliche Impfung gegen das Corona-Virus bilden.

          Schon vor Wochen hatten internationale Forscher das Genom, also die genetischen Informationen, des Virus entschlüsselt und in einem wissenschaftlichen Magazin publiziert, erklärt die Curevac-Wissenschaftlerin. „Dieses Genom ist der Ausgangsstoff, die Bauanleitung, damit wir unsere mRNA-Impfung herstellen können“, sagt sie. Das Virus trage auf seiner Hülle viele Proteine. Eines davon sei wichtig für die Interaktion mit den menschlichen Zellen. „Die mRNA-Botenstoffe muss man so programmieren, damit die menschlichen Zellen das Protein als fremd erkennen und dann eigenständig Antikörper gegen das Virus produzieren“, sagt sie. Das Ziel ist es, eine natürliche Abwehrreaktion hervorzurufen.

          Erst durch das entschlüsselte Genom sei klar gewesen, „dass es ein neues Corona-Virus ist“, erklärt sie, gehören doch Sars und Mers ebenfalls zu der Viren-Familie. Gegen Mers hat Curevac schon geforscht. „Die Vorarbeiten an Mers haben uns gezeigt, dass wir in der richtigen Richtung sind“, sagt sie.

          In einigen Wochen wohl erste Versuche mit Mäusen

          Ein wichtiger Schritt ist getan: Curevac hat die genetischen Informationen in die Produktion eingeschleust, erklärt die Forscherin. Nun dauere es zwischen sechs und sieben Wochen, bis ein erstes „Röllchen“ des mRNA-Impfstoffs fertig sei, der dann Mäusen in zwei Dosen mit einer Pause von vier Wochen gespritzt werde. In dieser Zeit müssen sich dann Antikörper bilden, die sich in den Mäusen nachweisen lassen. Auch würde die Verträglichkeit geprüft.

          Sollte in den Tierversuchen die gewünschte Immunantwort abzulesen sein, dann erhoffe man sich, in Kombination mit den Daten aus der klinischen Studie mit der Tollwut-Impfung möglichst bald die Genehmigung für einen klinischen Test für die Corona-Impfung an Menschen zu erhalten, sagt Fotin-Mleczek. „Wir nutzen den gleichen Impfansatz, aber mit einem anderen Protein“, sagt sie. Mit der Tollwut-Impfung habe man in der klinischen Studie schon gezeigt, dass der Mechanismus sehr effizient gewesen sei.

          Freilich gibt es keine Garantie, dass der Impfstoff funktionieren wird oder dass Curevac tatsächlich auf das richtige Protein gesetzt hat. In Tübingen ist man allerdings zuversichtlich und will schon während der Tierversuche mit der Produktion des Test-Impfstoffs starten, um vorbereitet zu sein. In einem Produktionszyklus, der mehrere Wochen dauert, können bis zu 10 Gramm mRNA-Impfstoff hergestellt werden. Zum Vergleich: Den Tollwut-Impfstoff hatte Curevac den Probanden in zwei Dosen je einem Mikrogramm verabreicht. Umgerechnet würde eine Charge also für 10 Millionen Dosen reichen.

          Sollten die Tierversuche und eine mögliche erste Studie mit Menschen in den kommenden Wochen und Monaten also positiv verlaufen, „dann könnte man sehr schnell größere klinische Studien beginnen“, sagt die Forscherin.

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