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Baustopp wegen des Coronavirus : Viele Kräne stehen still

Keine Bewegung: Auf viele Baustellen geht nichts mehr. Bild: dpa

Die Coronakrise trifft auch das hessische Baugewerbe mit voller Wucht. Nicht nur das Fehlen von Arbeitskräften ist für kleine und mittelständische Unternehmen ein Problem.

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          Auf einmal sind die Bauarbeiter verschwunden. Weil die Subunternehmer beispielsweise aus Polen nicht mehr anreisen können, fehlt auf einigen Baustellen in der Region qualifiziertes Personal. Wenn der Baggerfahrer aus Slubice nicht mehr die Grenze passieren darf, kann man vielleicht noch Ersatz auftreiben. Schlimmer ist es, wenn gleich ganze Gruppen fehlen oder sich Arbeiter aus dem Staub gemacht haben, weil sie wegen der Coronakrise Schwierigkeiten bei der Rückreise in ihre Heimatländer fürchten. Polen hat die Grenze zu Deutschland geschlossen. „Ich verstehe jeden, der sich Sorgen macht, wann er seine Familie wiedersehen kann“, sagt ein Projektentwickler, der in Frankfurt mehrere Wohnhäuser baut.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Coronakrise trifft auch das Baugewerbe mit voller Wucht. Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Hessen-Thüringen, berichtet, dass manchmal sogar ganze Kolonnen von Bauarbeitern ausfallen: „Das ist dramatisch. Termine können dann nicht mehr gehalten werden, Vertragsstrafen drohen.“ Gerade auf Großbaustellen arbeiten viele Subunternehmer, deren Personal oft aus den osteuropäischen Nachbarländern kommt, besonders häufig aus Polen und Rumänien.

          Weil in diesen Ländern das Gesundheitssystem schlechter ausgestattet ist als hierzulande, reagieren die Regierungen mit besonders drastischen Maßnahmen auf die zunehmende Verbreitung des Coronavirus. Die Folge: Die Arbeiter dürfen nur noch eingeschränkt reisen oder kehren vorsichtshalber in die Heimat zurück, um bei ihren Familien zu sein. Das ist fatal für die Arbeitsabläufe, denn auf Baustellen greift ein Rädchen ins andere. Wenn ein Gewerk nicht abgeschlossen wurde, kann das andere nicht beginnen. „Wenn die Fußbodenheizung nicht fertig ist, kann der Estrich nicht verlegt werden“, sagt ein Bauherr aus Frankfurt.

          Gesundheitsrisiko für Beschäftigte

          Aber nicht nur das: Baustellen bergen für die dort Beschäftigten auch ein Gesundheitsrisiko, weil die Arbeiter sehr dicht zusammen arbeiten. „Ganze Baustellen stehen schon still. Das wird sich weiter zuspitzen“, fürchtet Siebert. Er appelliert an die Vertragspartner auf beiden Seiten, Auftraggeber und Auftragnehmer, sich zusammenzusetzen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

          Auch bei der Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte sind die Folgen von Corona schon spürbar. Eine Grundsteinlegung zu einem neuen Wohnprojekt in Frankfurt wurde kurzerhand abgesagt. Ältere Wohnungen werden nicht mehr von innen modernisiert, um die Mieter nicht zu gefährden. Und auch bei Neubauprojekten schaut die Heimstätte genau hin, welche Arbeiten verschoben werden können. „Wir müssen unsere Mitarbeiter und die Mieter schützen“, sagt ein Unternehmenssprecher.

          Wenn die Aufträge ausbleiben, kann das für kleine und mittelständische Bauunternehmen schnell gravierende Folgen haben. Viele von ihnen sind im Verband baugewerblicher Unternehmen in Hessen organisiert. Dessen Geschäftsführer Rainer von Borstel hält Kurzarbeit für eine Möglichkeit, um die Durststrecke zu überbrücken. „Unsere Betriebe hoffen, dass es in zwei Wochen vorbei ist. Ab der dritten oder vierten Woche wird es für viele dramatisch“, sagt er. Besonders fatal findet Borstel, dass auch öffentliche Ausschreibungen wegen der Coronakrise unterbleiben. „Die öffentliche Hand sollte in dieser Situation nicht bremsen“, sagt er.

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