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Für Familienangehörige : Baden-Württemberg plant kostenlose Schnelltests vor Weihnachten

Liefern in kurzer Zeit ein Ergebnis: Anti-Gen-Schnelltests Bild: dpa

Vor dem Fest zum Schnelltest: Damit Weihnachten nicht zur Multi-Spreader-Veranstaltung wird, will der baden-württembergische Gesundheitsminister in mindestens 25 Städten kostenlose Schnelltests für Familienangehörige anbieten.

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          Die baden-württembergische Landesregierung will mit unentgeltlichen Corona-Schnelltests für Familienangehörige verhindern, dass Weihnachten zu einer Multi-Spreader-Veranstaltung mit schlimmen Folgen wird. Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) will in mindestens 25 Städten des Landes kostenlose Corona-Schnelltests anbieten, damit Enkelkinder oder Eltern mit ihren vorerkrankten oder pflegebedürftigen Großeltern gemeinsam Weihnachten feiern können. Die Kosten trägt das Land. Organisiert werden sollen die Tests von der „Blaulichtfamilie“, also dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), den Maltesern, den Johannitern sowie dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Die Kosten trägt das Land.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der Gesundheitsminister übernimmt damit das „Tübinger Modell“ der Notärztin und Pandemiebeauftragten Lisa Federle. In der Universitätsstadt ist es im Rahmen der Aktion „Stille Nacht, einsame Nacht? Muss nicht sein?“ schon in der Vorweihnachtszeit möglich, einen Schnelltest zu machen, wenn man kranke, pflegebedürftige oder ältere Menschen besuchen will. „Wir können so ältere Menschen schützen, ohne sie isolieren zu müssen“, sagte Federle. Die Ärztin sieht in den kostenlosen Schnelltests eine wichtige Vorsichtsmaßnahme, die dazu beitragen kann, eine rasante Zunahme von Neuinfektionen nach den Weihnachts- und Silvester-Feiertagen zu vermeiden. „Das ist praktizierte Gesundheitsprävention. Jede Infektion, die wir vermeiden können, ist wichtig. Und die Menschen wollen verständlicherweise am Heiligen Abend nicht allein und einsam sein. Es wäre gut, wenn andere Bundesländer unserem Beispiel folgen würden“, sagte Federle im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Gesundheitsminister Manfred Lucha will sich auch dafür einsetzen, dass gerade über Weihnachten Senioren- und Pflegeheime ausreichend mit Corona-Schnelltests aus den Reservebeständen des Landes versorgt sind, falls diese von den Heimträgern nicht schnell genug beschafft werden könnten. In den vergangenen Monaten hatte es an der Beschaffung von Schnelltests immer wieder Kritik gegeben.

          In Baden-Württemberg hatte die Evangelische Heimstiftung, die Trägerin von 145 Pflegeeinrichtungen im Südwesten ist, das Vorgehen von und Bund und Ländern bei der Beschaffung von Anti-Gen-Schnelltests kritisiert. „Zuerst sollte man auf die Teststrategie des Landes warten, dann Testkonzepte entwickeln, diese den Gesundheitsämtern vorlegen, dann Bescheid abwarten und dann Tests beschaffen. Uns war klar, dass wir in unseren Pflegeeinrichtungen möglichst schnell möglichst viel testen wollen. Dafür brauchen wir sehr viele Tests und viel zusätzliches Personal – je schneller wir das haben, umso besser“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Heimstiftung, Bernhard Schneider, der F.A.Z.

          Der Bund und die Bundesländer hätten die Teststrategie erst Mitte Oktober und somit zu spät vorgelegt, obwohl schon Anfang des Jahres mit einer zweiten Pandemie-Welle gerechnet worden sei. „Ich habe schon den Eindruck, dass sich das Maskenchaos aus dem Frühjahr wiederholt hat. Damals kamen die Schutzmasken in den Pflegeheimen zu spät an, jetzt waren es die Schnelltests. Man hätte den Sommer nutzen können, sich etwas vorausschauender vorzubereiten.“

          Die Proben von Antigen-Schnelltests müssen zum Auswerten nicht ins Labor gebracht werden. Sie gelten aber im Vergleich zu sonst genutzten PCR-Tests als etwas weniger empfindlich. Vornehmen müssen sie medizinisch geschultes Personal. Laut Robert Koch-Institut muss ein positives Ergebnis eines Schnelltests durch einen PCR-Test bestätigt werden.

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