https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/astrazeneca-setzt-test-von-corona-impfstoff-aus-16944662.html

Proband erkrankt : AstraZeneca setzt Test von Corona-Impfstoff aus

  • Aktualisiert am

Der Australische Premierminister Scott Morrison bei einem Besuch bei AstraZeneca in Sydney im August Bild: dpa

Bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Corona gibt es einen möglichen Dämpfer. AstraZeneca stoppt die letzte Testphase, weil ein Proband erkrankt ist. Ob die Krankheit mit der Impfung in Zusammenhang steht, ist aber unklar.

          2 Min.

          Der Pharmakonzern AstraZeneca hat Spätstudien an einem möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus auf Eis gelegt. Grund sei, dass bei einem Patienten schwere Nebenwirkungen aufgetreten seien, teilte das Unternehmen am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Man prüfe nun, ob das Phänomen mit der Impfung in Verbindung stehe. Details wurden nicht genannt, AstraZeneca sprach lediglich von einer Routinemaßnahme wegen „einer potenziell ungeklärten Krankheit“. Der Impfstoffkandidat befand sich in der dritten und entscheidenden Testphase.

          Über die Aussetzung der Studie hatte zuerst die Nachrichtenwebsite STAT berichtet. Erkrankt sei ein Proband im Vereinigten Königreich, hieß es. Ein Sprecher von AstraZeneca bestätigte später einen vorübergehenden Teststopp in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern. Im August hatte der Pharma-Riese begonnen, 30.000 Probanden in Amerika für seine größte Studie an dem Impfstoffkandidaten zu rekrutieren. Getestet wird das von der Universität Oxford produzierte Vakzin auch an Tausenden Menschen in Großbritannien, kleinere Studien gibt es in Brasilien und Südafrika.

          Groß angelegte letzte Testphasen laufen auch für zwei weitere Impfstoffkandidaten: einer wird von Moderna hergestellt, der andere vom Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech und dessen amerikanischem Partner Pfizer. Diese zwei Impfstoffaspiranten wirken anders als das Mittel von AstraZeneca.

          Temporäre Teststopps bei großen klinischen Studien gelten nicht als ungewöhnlich. Untersuchungen von gravierenden oder unerwarteten Reaktionen auf die Verabreichung von Mitteln ist ein unerlässlicher Teil des Sicherheitsverfahrens. AstraZeneca wies im aktuellen Fall darauf hin, dass das medizinische Problem auch ein Zufall sein könne. Bei Studien mit Tausenden Probanden könnten alle möglichen Leiden auftreten. Man arbeite nun daran, die Prüfung des Einzelfalls zu beschleunigen, um mögliche Auswirkungen auf den Zeitplan der Studie zu mindern, teilte das Unternehmen weiter mit.

          Was bedeutet die dritte Testphase?

          Es sei möglich, dass die ungeklärte Krankheit des Probanden ernst genug sei, um eine Klinikeinlieferung nötig zu machen, sagte die Wissenschaftlerin Deborah Fuller von der University of Washington. Wahrscheinlich lägen keine milden Nebenwirkungen wie Fieber oder Muskelschmerzen vor. Vielmehr sollte es beruhigen, dass das Unternehmen die Studie aussetze, um herauszufinden, was vor sich gehe. Das Vorgehen zeige, dass es die Gesundheit der Testteilnehmer umsichtig im Blick behalte.

          Angela Rasmussen, Virologin an der Columbia University in New York, twitterte, dass die Krankheit womöglich nichts mit dem möglichen Impfstoff zu tun habe. Genau dies sei aber der Grund, „warum wir Studien machen, ehe wir einen Impfstoff für die Allgemeinheit verfügbar machen.“

          Bei der dritten und letzten Testphase halten Experten nach jeglichen Anzeichen von Nebenwirkungen Ausschau, die bei den vorangegangenen Forschungen unentdeckt geblieben sein könnten. Aufgrund des Umfangs gelten diese Spätstudien als wichtigster Teil des Prozederes, in dem die Sicherheit des Präparats gewährleistet werden soll.

          Erst am Dienstag hatten AstraZeneca und acht weitere Pharmakonzerne in einem ungewöhnlichen Schritt gemeinsam versprochen, sich bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus an die höchsten ethischen und wissenschaftlichen Standards zu halten. Hintergrund sind wohl Sorgen, dass Präsident Donald Trump die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA zur Zulassung eines Mittels zwingen könnte, ehe dessen Sicherheit und Wirksamkeit belegt ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unterschiedliche Blicke auf den Binnenmarkt: EU Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager und EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton

          30 Jahre EU-Binnenmarkt : Groß gefeiert, nichts dahinter

          Der Binnenmarkt hat den Bürgern der EU einzigartigen Wohlstand beschert. Und er hat sein Potential noch nicht ausgeschöpft. Doch statt es zu heben, betreibt die EU-Kommission Industriepolitik. Das geht besser.

          Kampfpanzer für die Ukraine : Leoparden auf dem Sprung

          14 Leopard-Panzer liefert Deutschland an die Ukraine. Was macht den Leopard 2 besonders und wie schlägt er sich gegen die russischen Modelle? Ein Überblick in Grafiken.

          Nach 0:2 gegen Union : Hertha trennt sich von Fredi Bobic

          Keine drei Stunden hat es gedauert: Nach der 0:2-Niederlage im Stadtderby gegen Union gibt Hertha BSC die Trennung von Geschäftsführer Fredi Bobic bekannt. Die Krise beim Hauptstadtklub verschärft sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.