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Laschet über Spahn : „Er hat den schwersten Job überhaupt“

  • Aktualisiert am

Armin Laschet und Jens Spahn beim CDU-Bundesparteitag im Januar Bild: Reuters

Der CDU-Vorsitzende Laschet verteidigte den Impfstopp und nimmt Gesundheitsminister Spahn in Schutz. Indes entscheidet sich am Donnerstag, ob die Ema den Astra-Zeneca-Impfstoff weiterhin empfiehlt.

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          CDU-Chef Armin Laschet hat den vorsorglichen Stopp von Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astra-Zeneca verteidigt. Der Gesundheitsminister habe keine andere Möglichkeit gehabt, als den Empfehlungen des Paul-Ehrlich-Instituts zu folgen, sagte Laschet am Mittwochabend in der ARD-Sendung „maischberger. die woche“. „Da kann Politik gar nicht anders, als der Wissenschaft folgen“, sagte Laschet. Der NRW-Ministerpräsident stellte sich vor den kritisierten Gesundheitsminister. Spahn habe „den schwersten Job überhaupt“.

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte die Impfungen am Montag auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts wegen sieben seltener Fälle von Hirnvenenthrombosen gestoppt, die bei Personen auftraten, die mit dem Mittel von Astra-Zeneca geimpft wurden. Auch zahlreiche andere EU-Staaten taten diesen Schritt.

          Mittlerweile ist in Deutschland ein achter Fall hinzugekommen. Betroffen sind vor allem Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Laut Paul-Ehrlich-Institut gibt es drei Todesfälle. Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema hatte am Dienstag allerdings noch erklärt, dass für sie die Vorteile bei dem Vakzin nach wie vor die Risiken überwögen. Ähnlich äußerte sich am Mittwoch die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

          Die Europäische Arzneimittelbehörde in Amsterdam will heute ihre Empfehlung zu dem Astra-Zeneca-Impfstoff abgeben.
          Die Europäische Arzneimittelbehörde in Amsterdam will heute ihre Empfehlung zu dem Astra-Zeneca-Impfstoff abgeben. : Bild: AP

          Die Ema gibt heute ihre Empfehlung darüber ab, ob das Vakzin von Astra-Zeneca weiter uneingeschränkt verimpft werden sollte. Die Behörde in Amsterdam hat angekündigt, ihre Entscheidung am Nachmittag bekanntzugeben. Davon hängt ab, ob das Mittel auch wieder in Deutschland verimpft werden kann. Eine Umfrage ergab am Mittwoch auch, dass die Entwicklung die Impfbereitschaft in Deutschland kaum beeinträchtigt hat. Als möglich gilt, dass die Ema die Impfung mit Astra-Zeneca weiter empfehlen wird, dafür aber Auflagen fordert und ein gesonderter Warnhinweis im Beipackzettel auftaucht.

          Rückendeckung für Spahn

          Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat Spahn gegen Kritik verteidigt. Sie sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, der vorläufige Impfstopp von Astra-Zeneca sei „kein guter Moment für Schuldzuweisungen“.

          „Das Paul-Ehrlich-Institut, das für die Zulassung von Impfstoffen zuständig ist, hat dem Gesundheitsminister den Rat gegeben, die Impfungen auszusetzen und noch einmal prüfen zu lassen. Der Gesundheitsminister hätte doch sehr gute Argumente gebraucht, um sich über diese Empfehlung einfach hinwegzusetzen“, sagte Dreyer. Impfen lebe von Vertrauen. Verdachtsfälle würden jetzt von der Ema geprüft, diese sei sehr streng. Danach habe man Klarheit.

          „Deutschland befördert die Impfverwirrung“

          Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold kritisierte die Bundesregierung für ihren Umgang mit dem Vakzin von Astra-Zeneca. „Deutschland befördert die Impfverwirrung in Europa. Während die EU-Arzneimittelbehörde bislang keine Aussetzung der Impfungen vorschlägt, ist Deutschland mit vorgeprescht. Deutschlands Entscheidung hat einen Dominoeffekt befördert“, sagte Giegold der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Wegen einer sehr geringen Fallzahl von Nebenwirkungen gerate die komplette europäische Impfkampagne ins Stocken. „Das Vertrauen in den Impfstoff von Astra-Zeneca ist stark beschädigt“.

          Der CDU-Vorsitzende Laschet forderte eine europaweit einheitliche Reaktion auf die erwartete Ema-Empfehlung. Bei den Impfungen müsse es „eine einheitliche europäische Sprache“ geben. Bisher sei der Umgang mit den Problemen bei dem Impfstoff in der EU „in jeder Hinsicht schief gelaufen“.

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