https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/arzt-interviews/covid-arzt-ueber-klinikpersonal-und-mythen-um-die-corona-impfung-17137622.html

Covid-Arzt über Klinikpersonal : „Eine gewisse Schützengrabenmentalität“

Funktioniert bei Ihnen die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern?

Wir haben uns mit den Gesundheitsämtern eingespielt, sodass wir nicht auf ständige Rückmeldungen angewiesen sind. Umgekehrt bekommen die Gesundheitsämter von uns ungefragt die wichtigen Mitteilungen. Wir übernehmen die Meldungen, teilen den Patienten und Angehörigen die Diagnose und Quarantänepflicht mit und bereiten die Menschen auch schon darauf vor, dass die Kontaktaufnahme durch das Gesundheitsamt dauern kann. Schwierig wird es immer dann, wenn sich etwas an den Vorgaben ändert oder verschiedene Gesundheitsämter Alleingänge machen und jeder Landkreis etwas unterschiedliche Kriterien zur Isolation und Quarantäne hat. Längst nicht alle halten sich an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Das ist nicht besonders transparent. Ich durchforste manchmal lange Gesetzestexte der Landesverordnungen, um Antworten auf spezielle Fragen zu finden. Die schnelle Klärung solcher Fragen ist aktuell nicht möglich.

Bereiten Ihnen die verschiedenen Corona-Mutationen Sorgen?

In den vergangenen Monaten konnten wir uns im Krankenhaus anhand der Inzidenzzahlen ganz gut darauf einstellen, wann es wieder mehr zu tun gibt. Wenn sich jetzt an der Ansteckungsfähigkeit des Virus etwas ändert, wissen wir nicht mehr, was auf uns zukommt. Das bereitet mir Sorge. Auch wenn die Mutation nicht zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen sollte, kann das die Situation für uns verschlimmern. Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Wir müssen die Inzidenz so weit wie möglich nach unten drücken – und gleichzeitig schnell hohe Durchimpfungsquoten erreichen.

Alle reden über den Impfstoff, ähnlich wichtig wäre aber ein Durchbruch bei der medikamentösen Behandlung von Covid-Patienten. Tut sich da nichts?

Doch, es gibt zahlreiche Kandidaten, an denen geforscht wird. Was uns am meisten fehlt, ist etwas für die frühe Phase der Erkrankung, in der das Virus selbst den größten Schaden anrichtet. Wenn wir da einschreiten könnten, um einen schweren Verlauf zu verhindern, wäre sehr viel geholfen. Gerade läuft eine Studie mit einem Antikörper-Mix von Patienten, die die Erkrankung durchstanden haben, sogenanntes Rekonvaleszenzplasma von Astra-Zeneca namens AZD7442. Diese Antikörper sollen langlebiger sein als die im herkömmlichen Rekonvaleszenzplasma. Und vor kurzem hat ein Medikament mit künstlich hergestellten Antikörpern der Firma Regeneron in Amerika eine Notfallzulassung bekommen, das hatte auch Donald Trump erhalten. Daten zur Wirksamkeit in der Breite fehlen bislang. Das sind momentan Hoffnungsträger. Es gibt weitere Kandidaten, an denen noch geforscht wird.

Kommen wegen der Hygienemaßnahmen weniger Grippekranke als sonst im Winter in die Klinik?

Ja, definitiv. Das hat man schon bei der ersten Welle gemerkt, die mitten in die Grippezeit gefallen ist. Als die Hygienemaßnahmen ergriffen wurden, hat die Grippewelle schlagartig aufgehört. Gegen die Influenza helfen die Maßnahmen noch mal stärker als gegen Covid.

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