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Covid-19-Arzt im Interview : „Mehr als die Hälfte der Patienten war zu spät dran“

Dr. med. Cihan Çelik und seine Kollegen behandeln Covid-19-Patienten in Darmstadt Bild: Privat

Viele Covid-19-Patienten, die zuletzt ins Klinikum Darmstadt gekommen sind, waren laut dem Arzt Cihan Çelik zu spät dran für eine Remdesivir-Behandlung. Im Interview spricht er auch über die Medikamente, die Donald Trump bekommen hat.

          5 Min.

          Herr Doktor Çelik, wir sprechen regelmäßig über Ihre Arbeit als Funktionsoberarzt auf der Isolierstation für Covid-19-Kranke im Klinikum Darmstadt. Wie ist aktuell die Lage?

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Erwartungsgemäß ist auf unserer Station wieder mehr los. Wir behandeln hier keine Nicht-Covid-Patienten mehr, sondern nur noch bestätigte Fälle und Verdachtsfälle. Dafür brauchen wir wieder die ganze Station. Aktuell haben wir vier Covid-Patienten auf der Normal- und vier auf der Intensivstation, sowie täglich eine hohe Anzahl an Verdachtsfällen. Wir haben diesen Anstieg erwartet, er kam ziemlich genau zwei Wochen nachdem die Inzidenz – also die Anzahl der neuen Corona-Infektionen in sieben Tagen – hier in den Kreisen angestiegen ist. 10 bis 14 Tage später landen dann die ersten Patienten mit schweren Verläufen im Krankenhaus. Wir wissen: Wenn man die Inzidenz und Altersverteilung genau im Blick behält, kann man sich gut vorbereiten. Die Krankenhäuser in Frankfurt werden sich bei den aktuellen Zahlen bestimmt auch darauf vorbereiten, dass bald wieder mehr Patienten kommen.

          So viele, dass man sich Sorgen um die Kapazitäten machen muss?

          In den Städten, in denen die Inzidenz so stark steigt, infizieren sich bislang vor allem junge Menschen. Und die sehen wir eher nicht im Krankenhaus. Allerdings besteht die Gefahr, dass bald auch andere Altersgruppen wieder stärker betroffen sind. Dann würden wieder mehr Menschen ins Krankenhaus kommen. Die Herausforderung ist es, die Risikogruppen weiter zu schützen, während die Zahlen steigen. Wir bereiten uns auf mehr Verdachtsfälle und positive Fälle vor, aktuell sind wir zum Glück noch lange nicht am Rande unserer Leistungsfähigkeit angekommen. Aber es ist wieder deutlich mehr zu tun als vor drei Wochen.

          Wo haben sich die Patienten angesteckt, die jetzt von Ihnen behandelt werden?

          Es ist eine Kombination aus dem Berechenbaren und dem Unberechenbaren, das ist für Corona mittlerweile charakteristisch. Die Ansteckungsketten sind teilweise nicht nachvollziehbar: Wir haben Patienten, die glaubhaft versichern, dass sie ihre Wohnungen aus Angst vor einer Infektion eigentlich gar nicht mehr verlassen haben, weil sie Vorerkrankungen haben. Sie waren vielleicht mal beim Hausarzt, aber da wird ja sehr auf die Hygiene geachtet. Wir sind jedenfalls nicht mehr in der Situation, in der vor allem Reiserückkehrer betroffen sind. Unsere Patienten sind zwischen 40 und 85 Jahre alt, teilweise hatten sie Vorerkrankungen, teilweise sind sie jung und waren vorher gesund. Es kommt weiterhin vor, dass diese Krankheit bei jungen Patienten einen sehr schweren Verlauf nimmt. Das kann jeder bestätigen, der auf so einer Station arbeitet.

          Kommen die Patienten in der Regel rechtzeitig ins Krankenhaus?

          Sie kommen nicht so früh wie ich mir das wünschen würde. Wir haben aktuell mit dem Remdesivir ein Medikament, das in den ersten fünf Tagen nach Symptombeginn und schwerem Verlauf den besten Effekt zeigt. Mehr als die Hälfte der Patienten, die in den vergangenen Wochen zu uns gekommen sind, waren zu spät dran für eine Remdesivir-Behandlung. Sie hatten schon sieben bis zehn Tage Symptome, dann hilft Remdesivir nicht mehr.

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