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Covid-19-Arzt im Interview : „In den nächsten Wochen müssen wir wohl wieder mehr arbeiten“

Behandelt Covid-19-Kranke: Dr. med. Cihan Çelik im Klinikum Darmstadt Bild: Privat

Cihan Çelik betreut als Arzt eine Covid-19-Isolierstation – und gibt uns ab sofort alle zwei Wochen ein Interview. Im ersten spricht er über die steile Lernkurve der Mediziner, junge Patienten, und seine Gedanken, wenn er volle Parks sieht.

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          Herr Doktor Çelik, ab sofort wollen wir alle zwei Wochen mit Ihnen über Ihre Arbeit als Funktionsoberarzt auf der Isolierstation für Covid-19-Kranke im Klinikum Darmstadt sprechen. Wie ist dort aktuell die Lage?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          In den vergangenen zwei Wochen hatten wir sehr schwankende Patientenzahlen. Die Anzahl der Verdachtsfälle ist an manchen Tagen hoch, dann bekommen wir 16 bis 20 Patienten für unsere Isolierstation, die hier zum Teil wiederholt getestet werden müssen. Und dann geht es am nächsten Tag manchmal runter auf eine einstellige Zahl an neuen Verdachtsfällen. Jeder Tag ist anders, wir können uns gerade noch keinen Reim darauf machen, ob die Zahlen insgesamt abnehmen, oder ob jetzt wegen der Lockerung der Maßnahmen wieder ein Anstieg kommt. Deswegen planen wir immer nur für ein oder zwei Wochen.

          Wie gehen Sie mit den Verdachtsfällen um?

          Wenn die Patienten über die Notaufnahme kommen und es einen Covid-Verdacht gibt, kommen sie auf unsere Isolierstation. Das ist eine Normalstation, die Patienten hier brauchen keine intensivmedizinische Betreuung. Aber sie sind auch nicht in einem Zustand, in dem sie zu Hause auf ihr Testergebnis warten könnten, sie haben deutliche Krankheitssymptome. Wir warten dann auf erste Testergebnisse aus dem Nasen- und Rachenabstrich und schauen uns die Situation in der Lunge mit einem Röntgenbild an. Eventuell überprüfen wir mit einem zweiten Test, ob der Infekt schon in die Lunge abgestiegen ist. Dann kann es nämlich sein, dass der Rachenabstrich schon wieder negativ ist, obwohl der Patient eine Infektion hat. In diesem Fall muss Sekret aus der Lunge untersucht werden. Das alles müssen wir sehr schnell machen, weil die Patienten zum Teil nicht nur diese Symptome haben, sondern noch ganz andere Probleme, zum Beispiel den Verdacht auf einen Herzinfarkt. Da fällt manchmal nur nebenbei auf, dass sie Symptome haben, die zu einer Covid-19-Erkrankung passen. Und solange Covid-19 nicht ausgeschlossen werden kann, muss der Patient isoliert werden.

          Wie ist die Covid-19-Isolierstation organisiert?

          Sie ist zweigeteilt. Es gibt einen hermetisch abgeriegelten Bereich, in dem die bestätigten Fälle liegen. Da muss man durch eine abgeschlossene Glastür in einen Gang, in dem man immer die komplette Schutzkleidung mit FFP2-Maske, Kittel und Schutzbrille trägt. Und dann gibt es einen Gang auf derselben Station, in dem ein Verdachtspatient in jedem Zimmer liegt. Wir sind ein koordinierendes Krankenhaus für das Rhein-Main-Gebiet, unser Ziel ist es, dass wir jederzeit positive Fälle und Verdachtsfälle aufnehmen können. Sobald wir stabile Patienten mit Covid-19 auf unserer Station haben, sorgen wir deswegen dafür, dass sie so schnell wie möglich in ein peripheres Haus verlegt und dort weiter versorgt werden, damit wir immer Platz für neue und schwere Fälle haben. Wir sind auf diese wirklich gut funktionierende Zusammenarbeit mit anderen Häusern angewiesen, damit wir unseren Versorgungsauftrag erfüllen können. Wir haben gerade wieder zwei Patienten verlegt, jetzt gibt es drei positive Fälle auf unserer Normalstation. Dazu kommen 15 Patienten, die auf der Intensivstation liegen.

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