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Covid-19-Arzt im Interview : „Diesen einen Patienten nicht verpassen, der viele andere anstecken kann“

Das heißt, wenn ich in einem Restaurant war, in dem sich ein Covid-19-Patient aufgehalten hat, muss ich mich testen lassen?

Absolut. Wenn das Gesundheitsamt das nachvollziehen kann, auf jeden Fall. Aber auch wenn wir wissen, dass es in einem gewissen Umkreis einen Hotspot gab, wird auch getestet, wenn die Symptomatik vorliegt. Die Koordinierung dieser Tests läuft aber über das Gesundheitsamt.

Jetzt, wo die Covid-19-Station leer ist, wie schauen Sie in die Zukunft?

Wir glauben, dass momentan durch das Erkennen, Identifizieren und Isolieren der Einzelfälle, die nun wahrscheinlich auf uns zukommen, Superspreader-Ereignisse wirkungsvoll bekämpft werden können. Das ist unser Hauptaugenmerk, und darauf richtet sich gerade die Strategie in ganz Deutschland aus. Es wird viel getestet, um diesen einen Patienten nicht zu verpassen, der viele andere Menschen anstecken kann. Deshalb betreiben wir einen sehr hohen Aufwand und wir hoffen, dass wir so eine zweite Welle verhindern können.

Mit dem hohen Aufwand meinen Sie das viele Testen?

Das viele Testen und dass wir unsere Dienstpläne sehr kurzfristig halten – weil wir eben nicht wissen, wie es in vier Wochen aussehen wird. Unsere Mitarbeiter können so nur eingeschränkt irgendwelche mittelfristigen Pläne machen. Wir wissen alle, dass sich die Situation stark ändern kann. Unser etabliertes Schichtsystem wird zwar gerade etwas zurückgefahren, aber: Jeder Mitarbeiter weiß auch, dass wir bei einem Anstieg der Fälle personell wieder aufstocken müssen. Auch für die Ärzteschaft ist das ein erheblicher Faktor. Es hieß ja gerade zu Beginn, dass viele Ärzte Däumchen drehen würden, das kann ich so wirklich nicht bestätigen. Es ist natürlich wahr, dass gerade der planbare Bereich der Medizin für eine gewisse Zeit lahmgelegt war, aber die sonstigen Bereiche, die Notaufnahme, die Intensivstation, die Covid-19-Station – die Kolleginnen und Kollegen mussten nicht nur viel arbeiten, die mussten auch sehr flexibel sein. Das war sehr belastend. Die Flexibilität muss aber bleiben.

Und trotz dieser Flexibilität wird der Regelbetrieb auch wieder hochgefahren?

Ganz genau. Jetzt geht es darum, die ganzen Untersuchungen, Operationen und die Diagnostik, die wir ein paar Wochen nicht durchführen konnten, wieder auf hundert Prozent hochzufahren. Das ist auch eine große Herausforderung: dass der Parallelbetrieb, also der Krankenhausbetrieb und der Covid-19-Betrieb, ungestört funktioniert.

Haben Sie noch Neues zum Virus herausfinden können?

Es wird weiter intensiv an den Covid-19-typischen Blutgerinnungsstörungen geforscht. Bei jeder Lungenentzündung gibt es eine größere Gefahr für tiefe Beinvenenthrombosen und Lungenembolien, deshalb gibt es im Krankenhaus oft die Thrombosespritze. Bei Covid-19 kommt es besonders oft zu Lungenembolien. Studien zeigen, dass trotz einer durchgeführten Blutverdünnung bei Covid-19-Patienten Thromben, also Gerinnsel, die Gefäße verstopfen, in der Lunge auftauchen.

Die unterscheiden sich dann von herkömmlichen Gerinnungsstörungen?

Ja, das ist oft nicht wie bei der klassischen Lungenembolie ein eingeschwommenes Blutgerinnsel, etwa aus der Beinvene, sondern eine lokal im Lungengefäßbett entstandener Thrombus. Man nennt das mittlerweile Covid-19-assoziierte Lungenthrombose, weil es oft lokal entsteht. Die kennen wir in dieser Ausprägung bei einer normalen Lungenentzündung nicht. Darüber hinaus ist in Studien aufgefallen, dass Patienten mit einer Nierenbeteiligung, also wenn auch dort Gerinnsel auftreten, eine deutlich erhöhte Gefahr haben zu versterben. Auch das ist ein Grund, die Blutgerinnung ganz besonders im Auge zu behalten und die Übergerinnung zu behandeln.

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