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Covid-Arzt im Interview : „Wie ein real gewordener Science-Fiction-Albtraum“

Leider nicht.

Wir schauen auf ein hartes und aus Ihrer Sicht sicherlich anstrengendes Jahr zurück. Was ist für Sie persönlich die entscheidende Lehre aus 2020?

Das ist die Einsatzbereitschaft der Menschen in Gesundheitsberufen. Wir hatten diese völlig neue Gefahr, eine ansteckende Krankheit, die schwer verlaufen kann und über die wir nichts wussten. Wie schnell sich da die Menschen einsatzbereit gezeigt haben, Schichten übernommen haben und bereit waren, mehr über dieses Virus zu lernen! Damit meine ich auch gerade die Pflege, die an vorderster Front stand. Das war sehr beeindruckend. Und ich glaube, das ist ein Grund dafür, warum die Patientenversorgung in Deutschland immer noch gut funktioniert, selbst wenn wir an unsere Grenzen kommen. Die Grenzen des Gesundheitssystems sind die Grenzen der Menschen, die darin arbeiten. Es sind gar nicht so viele Menschen von außen dazu gekommen, um zu helfen. Wir arbeiten aber unter viel größerer Belastung – und es ist ja kein Geheimnis, dass die Arbeit in Krankenhäusern und Pflegeheimen auch vorher schon kein Zuckerschlecken war. Trotzdem schaffen es die Mitarbeiter, das Gesundheitssystem am Laufen zu halten. Das ist eine Extremsituation. Und bei allen Vergleichen, die es immer wieder mit einer Grippewelle gibt – jeder, der im Krankenhaus arbeitet, weiß genau, dass die Situation auf den Stationen und den Intensivstationen eine ganz andere ist als während der stärksten Grippewelle.

Hat die Corona-Pandemie noch einmal gezeigt, wie prekär die Arbeitssituation von Pflegekräften und Krankenhausmitarbeitern ist?

Die Probleme sind seit so vielen Jahren bekannt, aber wirklich vorwärts geht es damit nicht. Der politische Wille fehlt. Mir ist klar, dass jetzt gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist, um über mehr Geld für die Pflege zu reden. Aber es wird eine Zeit nach der Pandemie geben. Das wird gleichzeitig die Zeit vor der nächsten Pandemie sein. Dann muss man diese Themen wieder auf den Tisch bringen und aus den Erfahrungen der Pandemie lernen.

Sie glauben, es kommt noch eine Pandemie?

Das hat uns die Geschichte gezeigt, das ist nur eine Frage der Zeit. Ich hoffe, dass es viele Jahrzehnte dauert, bis es uns wieder so schwer ereilt. Aber es wird immer wieder Pandemien geben.

Studien zufolge erkranken Mitarbeiter des Gesundheitswesens nicht nur häufiger an Corona, sondern haben auch ein höheres Risiko, einen schweren Verlauf zu erleiden oder gar zu sterben.

Diese Erkenntnisse muss man trennen. Die höhere Zahl an Infektionen von Mitarbeitern des Gesundheitswesens ist ja logisch, sie haben einfach viel häufiger Kontakt zu Menschen und auch Infizierten. Wir auf der Covid-Station können uns besser schützen, wir wissen ja schon, dass die Patienten positiv sind und tragen Schutzausrüstung. Aber wer viel mit kranken Menschen zu tun hat, kann sich auch anstecken. Warum Mitarbeiter im Gesundheitswesen häufig schwerere Verläufe erleiden, ist noch nicht bekannt. Eine Hypothese ist die höhere Viruslast. Dagegen spricht, dass Patienten, die sich im Krankenhaus vorstellen, meist schon am achten oder neunten Tag der Infektion stehen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Viruslast und Infektiosität gar nicht mehr so groß. Die meisten Menschen, deren Verlauf sich so verschlechtert, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen, sind also gar nicht mehr so ansteckend.

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