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Fußball trotz Coronafall : Gelten für den FC Bayern andere Regeln?

Risikobegegnung im Training: Am Dienstag war Serge Gnabry (rechts) auf dem Platz. Danach stellte sich heraus, dass er sich mit dem Virus infiziert hat. Bild: dpa

Obwohl Serge Gnabry positiv auf das Virus getestet worden ist, müssen seine Mitspieler nicht in Quarantäne. Im bayerischen Amateurfußball ging ein ähnlicher Fall anders aus. Auch sonst gibt es Gesundheitsämter, die strenger sind.

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          Am letzten Samstag im September spielte die zweite Mannschaft des SV Ohlstadt, ein kleiner Fußballverein aus dem bayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen, in der A-Klasse 6 gegen den SC Eibsee-Grainau. Die Ohlstädter verloren 1:3, aber den großen Rückschlag gab es ein paar Tage später. Am Montag, so berichtete es ein Spieler des Vereins dieser Zeitung, meldete einer seiner Mitspieler Symptome, die zum Coronavirus passen. Ein Test bestätigte den Verdacht: Covid-19-positiv. Sofort ließen sich seine Mannschaftskameraden untersuchen. Das Ergebnis: alle negativ. Zu diesem Zeitpunkt hatte das örtliche Gesundheitsamt in Garmisch-Partenkirchen sämtliche Spieler des SV Ohlstadt II, die am Samstag im Kader waren, für 14 Tage in Quarantäne geschickt.

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          Auf Anfrage äußerte sich das Amt nicht

          Jetzt gibt es in München einen Fall, der auf den ersten Blick an den aus Ohlstadt erinnert. Ein Fußballspieler ist am Dienstag positiv auf Covid-19 getestet worden. Ein paar Stunden zuvor hatte er noch mit seinen Mitspielern trainiert, das ist auf Bildern dokumentiert. Manchen von ihnen könnte er auch außerhalb des Feldes nähergekommen sein, zum Beispiel in der Kabine. Am Mittwoch versuchte das Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München, die „relevanten“ Kontakte des Spielers zu verfolgen. Auf Anfrage wollte es sich nicht zum Fall äußern – aus Datenschutzgründen.

          Die Beamten sind dann wohl auf keine „relevanten“ Kontakte gestoßen, sonst hätten sie Mitspieler in Quarantäne schicken müssen. Das rät das Robert-Koch-Institut für Kontaktpersonen der Kategorie I, die etwa in einem Face-to-Face-Gespräch (mindestens 15 Minuten) mit einem Infizierten waren oder auch nur zusammen in „beengter Raumsituation“, etwa in einer Kabine. Doch nachdem alle Spieler aus München am Mittwochmorgen einen Test machen ließen, durften sie am Mittwochabend schon wieder spielen – in der Champions League gegen Atlético Madrid.

          Der FC Bayern nutzt zwei Kabinen

          Es sind viele Fragen diskutiert worden, seitdem der FC Bayern München am Dienstag, einen Tag vor dem ersten Spiel der Champions-League-Saison, mitgeteilt hat, dass sich der Stürmer Serge Gnabry mit dem Virus infiziert hat. Die vielleicht wichtigste ist: Gelten für den FC Bayern andere Regeln? Es gibt Umstände, die die Situation beim FC Bayern von der beim SV Ohlstadt unterscheiden. Auf ihrem Trainingsgelände an der Säbener Straße nutzen die Profis der Bayern seit einigen Monaten bereits zwei Kabinen. Sie sind außerdem aufgefordert, außerhalb des Platzes Abstand zu ihren Mitspielern zu halten und Masken zu tragen. Und trotzdem bleiben Zweifel. Etwa dieser: Reichen die Maßnahmen des Vereins, deren Einhaltung nur schwer zu überprüfen ist, um eine Quarantäne zu umgehen?

          Es ist klar, dass der europäische Fußballverband diese vermeiden will. Er begnügt sich in seinen offiziellen Regeln sogar damit, 13 negativ getestete Spieler pro Team – darunter ein Torhüter – als Voraussetzung für ein Spiel zu nennen. Auch der FC Bayern hat ein großes Eigeninteresse daran, dass gespielt wird. Aber was ist mit dem Gesundheitsreferat der Stadt München?

          Es hätte strenger sein können, das ist in anderen Städten zu sehen. Das Gesundheitsamt Mannheim untersagte der Handballmannschaft der Stadt, den Rhein-Neckar Löwen, in der eigenen Halle in der Champions League gegen den slowenischen Klub RK Trimo Trebnje zu spielen, weil ein Teammitglied von Trebnje sich mit dem Virus infiziert hat. Das Gesundheitsamt Berlin hat im Fall der Basketballmannschaft von Alba, die nach mehreren Covid-19-Befunden nahezu vollständig in Quarantäne ist, „die Fäden in der Hand“, wie Geschäftsführer Marco Baldi sagte. Und so schauen sie wohl nicht nur in Ohlstadt etwas verwundert darauf, was in München passiert – und was eben nicht passiert ist.

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