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Niedrige Neuinfektionen : Afrikas Corona-Rätsel

Intensivstation in Pretoria, Südafrika Bild: dpa

An der jüngsten Bevölkerung der Welt ist das Coronavirus zwar nicht vorbeigezogen. Doch die Zahl der Corona-Opfer ist in Afrika verhältnismäßig sehr gering.

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          Afrika ist bislang verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen – jedenfalls mit Blick auf die gemeldeten Zahlen von Neuinfektionen und Corona-Toten. Nach Angaben des African Center for Disease Control and Prevention (CDC), das ähnlich wie das Robert-Koch-Institut ein Dashboard mit aktuellen Zahlen pflegt, starben auf dem Kontinent knapp 52.000 Personen; rund 2,2 Millionen Menschen infizierten sich bislang mit dem Virus. Laut der Statistik sind vor allem der Norden und Süden betroffen, in Zentralafrika wurden die geringsten Neuinfektionen bisher gemeldet.

          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          In allen 54 Länder zusammen liegt die Zahl der Infektionen und der Toten in etwa so hoch wie in Frankreich. Die Daten sind jedoch problematisch: Zum einen wird noch immer viel weniger getestet – die Dunkelziffer dürfte daher deutlich höher ausfallen. Das CDC schreibt, dass es die Tests „intensivieren“ will. Fraglich ist jedoch auch, wie zielführend das ist. Es ist davon auszugehen, dass viele Todesfälle überhaupt nicht in Zusammenhang mit dem Virus gebracht oder verzeichnet werden. Einen sehr großen Anstieg an ungeklärten Todesfällen haben die Behörden indes auch nicht bemerkt. Die Behörden in Senegal beispielsweise verzeichneten seit dem ersten Fall im Anfang März 16.089 Fälle, so viele wie zuletzt an einem einzigen Tag in Deutschland.

          Ein mutmaßlich zentraler Aspekt ist das Durchschnittsalter der Bevölkerung: In Afrika ist es wesentlich niedriger als in westlichen Industrienationen. Nur knapp drei Prozent der Bevölkerung ist älter als 65, in Frankreich zählt etwa jeder fünfte zu dieser Altersgruppe. Im März warnte Bill Gates davor, dass in Afrika bis zu zehn Millionen Menschen an dem Virus sterben könnten. Diese Prophezeiung trat nicht ein. Auch die Gesundheitssysteme sind nicht durch die Corona-Pandemie kollabiert. Umso schlimmer trifft viele Regionen weiterhin Malaria, Tuberkulose und Hunger. Weitere Erklärungen für den schwächeren Verlauf liegen einerseits in der vergleichsweise schwachen (transnationalen) Vernetzung von Verkehrswegen auf dem Kontinent und andererseits in der Tatsache, dass ein großer Teil der Bevölkerung seine Zeit im Freien verbringt. Hinzu kommt: Viele afrikanische Länder haben bereits früh einen Lockdown und restriktive Maßnahmen eingeführt.

          „Wir starten in Afrika nicht von ganz vorne“

          Die Verteilung eines Impfstoffs wird in Afrika mit Sorge betrachtet. Zwar hat der Kontinent eine gewisse Erfahrung aus der Ebola-Epidemie. „Wir starten in Afrika nicht von ganz vorne“, sagte vor kurzem Richard Mihigo, ein ranghoher Mitarbeiter bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Afrika. Die Menschen vor allem in Westafrika sind für gefährliche Seuchen sensibilisiert.

          Die Sorge besteht jedoch darin, dass die hohen logistischen Anforderungen an den Wirkstoff in vielen Regionen nicht erfüllt werden könnten. Die Impfdosen von Pfizer und Biontech müssen bei minus 70 Grad bis zum Ort des Impfens transportiert werden. Für die Lagerung hat Pfizer einen Thermo-Koffer entwickelt, der mithilfe von Trockeneis bis zu zehn Tage auf diese Temperatur gekühlt wird.

          „Der Ebola-Impfstoff, der von Merck hergestellt wurde, benutzte ebenso Ultra-Niedrig-Temperatur-Gefrierschränke mit rund minus 70 Grad Celsius“, sagt Mihigo. In Kongo wurden 300.000 Menschen geimpft. Auch nach einem Ausbruch Mitte 2020 in der kongolesischen Provinz Equateur konnte die Ausbreitung verhindert werden. Laut Mihigo wurden 40.000 Personen mit dem Impfstoff behandelt. Die WHO erklärte wenige Monate später den Ebola-Ausbruch für beendet.

          Bis die Corona-Pandemie in Afrika für beendet erklärt wird, werden die Virologen der obersten afrikanischen Gesundheitsbehörde CDC weiterhin der Frage nachgehen, warum die Fallzahlen verhältnismäßig niedrig sind – und der Kontinent bislang mehr unter den verhängten Lockdowns litt als unter der Pandemie selbst.

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