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Sierra Leone : Dank Ebola für Corona gewappnet

Übung mit Hühnerknochen: Judith Lindert bildet im Nordwesten von Sierra Leone medizinisches Personal aus. Bild: Alexander Davydov

Sierra Leone hat aus bitteren Erfahrungen mit Ebola gelernt: Trotz erheblicher wirtschaftlicher Einbußen passte sich die Bevölkerung schnell an. Dabei ist das Coronavirus nicht einmal das größte Problem in dem westafrikanischen Land.

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          Es herrscht Notstand auf dem Freetown International Airport in Sierra Leone. Kaum verlassen die Reisenden das Flugzeug, wird bei ihnen die Temperatur gemessen. In der Ankunftshalle des Terminals stehen Seife und Wasserspender bereit. Das Händewaschen ist keine Empfehlung, sondern Pflicht. Das Flughafenpersonal überprüft, ob jeder den Aufforderungen nachkommt.

          Alexander Davydov
          Sportredakteur.

          Ein Grenzpolizist mit Gesichtsmaske verlangt Pass, Visum – und einen negativen Corona-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Abschließend wird in einer Halle ein weiterer Test durchgeführt, vom Reisenden zu bezahlen. Bewaffnete in Tarnuniform gehen sicher, dass sich jeder an die Regeln hält. Erst dann steht es einem frei, das Land zu bereisen – zumindest bis zum nächsten Kontrollpunkt. Dort überprüfen Polizisten und Soldaten regelmäßig Autofahrer auf das Tragen der Masken und fordern zum Händewaschen auf. Die Bevölkerung Sierra Leones weiß nur zu gut, welche Gefahren ein tödliches Virus in sich tragen kann.

          „Wir haben viel aus der bitteren Erfahrung mit Ebola gelernt“, sagt Ibrahim Bangura. Der Manager des Magbenteh Community Hospitals lässt seinen Blick durch die Empfangshalle des Krankenhauses in der nordwestlichen Metropole Makeni schweifen. Wie ein Mahnmal hängen an den Wänden noch immer Plakate, die auf die tödliche Seuche aufmerksam machen – die Schrift wird immer blasser. Doch Bangura hat die Geschehnisse noch deutlich vor Augen. „Damals nahmen viele das Virus zunächst gar nicht ernst, ignorierten die Warnungen. Das haben wir bitter bereuen müssen.“ Das Erwachen kam, als sich die Fälle häuften und die Leichenhallen füllten. 4000 Menschen starben damals an dem tödlichen Erreger. Das Virus hinterließ ein kollektives Trauma.

          Schock und Notstand

          Nun ruft die Corona-Pandemie die schmerzhaften Erinnerungen wach: „Als das Ganze begann, herrschte im ganzen Land ein Schockzustand und Panik“, sagt Bangura. Noch vor der ersten bestätigten Infektion verhängte die Regierung den Notstand für die kommenden zwölf Monate. Die Einreise ins Land wurde stark eingegrenzt, religiöse Massentreffen untersagt. Im April und Mai folgten zwei mehrtägige Lockdowns.

          Trotz erheblicher wirtschaftlicher Einbußen passte sich die Bevölkerung Sierra Leones an die neuen Gegebenheiten an: „Händewaschen, Abstandsregeln, das alles kennen wir schon“, sagt Bangura. Nur das Tragen der Maske sei neu gewesen und unter dem schwülen und heißen Klima Westafrikas eine Herausforderung. „Aber wir nahmen es hin, weil wir wussten, was passieren kann, wenn man nicht auf die medizinischen Experten hört“, so Bangura. Auch diente die dramatische Lage in den westlichen Ländern als Warnung. „Wir sahen im Fernsehen, was in Amerika geschieht, und bekamen Angst, dass es uns genauso schlecht ergeht. Niemand kam auf den Gedanken, das Virus zu leugnen.“

          Doch der befürchtete Ansturm auf die Klinik blieb aus. Rund 2360 bestätigte Infektionen und 74 Tote sind bis dato vermeldet worden. Ist die Pandemie also an Sierra Leone weitgehend vorübergezogen? Der Internist Salieu Turay vermutet eine weitaus höhere Dunkelziffer an Infektionen: „Unsere Statistiken sind für mich nicht glaubhaft. Wir haben in diesem Land nur ganz eingeschränkte Möglichkeiten, jemanden auf Corona zu testen.“

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