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Anstieg der Neuinfektionen : Ärzteverband sieht Deutschland bereits in zweiter Corona-Welle

  • Aktualisiert am

Passanten und Partywillige am Freitagabend im Hamburger Schanzenviertel. Bild: dpa

Das RKI meldet für Deutschland abermals fast 900 Neuinfektionen. Der Marburger Bund befürchtet, erzielte Erfolge zur Eindämmung des Virus könnten durch Nachlässigkeit verspielt werden. Einen kleinen Erfolg vermelden die Vereinigten Staaten.

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          Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 879 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 211.281 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Dienstagmorgen meldete (Datenstand 4.8., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9156. Bis Dienstagmorgen hatten 194.000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

          Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 3.8., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 1,09 (Vortag: 1,11). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 3.8., 0.00 Uhr, bei 1,00 (Vortag: 1,09). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

          Rückgang der Neuinfektionen in Amerika

          Unterdessen hat eine vielfach befürchtete zweite Corona-Welle Deutschland nach Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund bereits erfasst. „Wir befinden uns ja schon in einer zweiten, flachen Anstiegswelle“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna der „Augsburger Allgemeinen“. Zugleich versicherte sie, dass die Krankenhäuser darauf vorbereitet seien.

          Anders als bei der ersten Welle sollten Krankenhausbetten diesmal allerdings nicht pauschal, sondern am Bedarf orientiert freigehalten werden, sagte Johna. „Weil sich das Pandemie-Geschehen langsam aufbaut, müssen wir für Covid-19-Patienten gestuft Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen.“ Es müsse also eine zeitliche Staffelung der sogenannten Vorhaltung an Betten geben.

          Angesichts der steigenden Zahl an Neuinfektionen äußerte die Ärztevertreterin die Befürchtung „dass wir die Erfolge, die wir bislang in Deutschland erzielt haben, in einer Kombination aus Verdrängung und Normalitätssehnsucht wieder verspielen“. So lange es keine Arzneimittel zur Behandlung von Covid-19 gebe, müsse die Verbreitung des Virus eingedämmt werden. „Das geht nur über die AHA-Formel – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske – und lokale Quarantäne.“

          Derweil könnte das Coronavirus in Italien einer Studie zufolge sechs Mal stärker verbreitet sein als bekannt. Das Gesundheitsministerium und das Statistikamt Istat veröffentlichten am Montag eine Auswertung, nach der knapp 1,5 Millionen Menschen im Land Antikörper gegen das Virus entwickelt haben, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Das entspreche etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung. In Italien leben etwa 60 Millionen Menschen.

          Das Ergebnis der Studie basiert auf Tests bei 64.660 repräsentativ ausgewählten Menschen vom 15. Mai bis 15. Juli – die Ergebnisse seien bis 27. Juli eingegangen. Laut den Daten der amerikanischen Universität Johns Hopkins haben sich in Italien bislang gut 248.000 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 35.000 Infizierte starben. Der Studie zufolge gibt es jedoch große regionale Unterschiede, wie Ansa weiter berichtete. In der Lombardei wurde bei 7,5 Prozent der Menschen Antikörper festgestellt, in Süditalien bei weniger als einem Prozent.

          In den Vereinigten Staaten ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus dagegen den zweiten Tag in Folge zurückgegangen. Innerhalb von 24 Stunden seien 46.321 neue Ansteckungen registriert worden, teilte am Montagabend die Johns-Hopkins-Universität mit. Zugleich habe es 532 weitere Todesfälle gegeben. In der vergangenen Woche waren an fünf Tagen hintereinander mehr als 60.000 neue Fälle registriert worden. Am Sonntag sank die Zahl dann auf 47.508, nun ging sie nochmals leicht zurück. Insgesamt wurden in den Vereinigten Staaten mehr als 4,7 Millionen Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus registriert, mehr als 155.000 Menschen starben. Dies sind weltweit mit Abstand die meisten Opfer.

          Präsident Donald Trump, der die Gefahren des Coronavirus regelmäßig herunterspielt, nannte die Situation im Land am Montag „sehr ermutigend“. Es sei zu sehen, dass das Virus in einigen Gebieten im Süden und Westen Amerikas „zurückweicht“, sagte Trump auf einer Pressekonferenz zum Coronavirus. Dagegen hatte die Koordinatorin des Corona-Krisenstabs des Weißen Hauses, Deborah Birx, am Sonntag von einer „neuen Phase“ der Pandemie in den Vereinigten Staaten gesprochen. Die ländlichen Regionen seien inzwischen von dem Virus genauso bedroht wie die Großstädte, warnte die Virenexpertin. Daraufhin wurde sie von Trump offen angegriffen: Der Präsident bezeichnete Birx am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter als „jämmerlich“.

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