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Coronavirus in Deutschland : Sieben-Tage-Inzidenz steigt erstmals über 450

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Rettungssanitäter schieben einen Covid-19-Patienten auf einer Trage über eine Rampe am Universitätsklinikum in Kiel. Bild: dpa

Das Robert Koch-Institut registriert wieder rund 30.000 Neuinfektionen binnen eines Tages. In Sachsen liegt die Inzidenz bei 1285. Dort sind die Bestatter in Sorge.

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          Die Sieben-Tage-Inzidenz ist abermals gestiegen und hat einen Höchststand erreicht. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Montagmorgen mit 452,4 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 446,7 gelegen, vor einer Woche bei 386,5 (Vormonat: 64,3).

          Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 29.364 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 03.34 Uhr wiedergeben. Vor genau einer Woche waren es 30.643 Ansteckungen gewesen.

          Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 73 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 62 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.791.060 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

          Die höchste Inzidenz meldete Sachsen mit 1285 vor Thüringen (895) und Sachsen-Anhalt (698). Die niedrigsten Werte verzeichneten Schleswig-Holstein (151,3), Niedersachsen (217) und Bremen (219). 31 der 401 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland liegen über einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1000, der LK Erzgebirgskreis kommt auf einen Wert von 2073,4.

          Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 5,97 an (Donnerstag: 5,79). Am Wochenende wird der Wert nicht gemeldet. Er spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens. Bei Überschreitung der Grenzwerte 3, 6 und 9 in den Bundesländern können dort jeweils schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängt werden.

          Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Montag mit 4.852.800 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 100.956.

          Bestatter in Sachsen könnten bald vor Überlastung stehen

          Derweil blicken die sächsischen Bestatter angesichts dramatischer Corona-Infektionszahlen mit Sorge in die Zukunft. „Derzeit ist die Lage noch entspannt und überhaupt nicht vergleichbar mit der Situation im vergangenen Jahr“, sagte Tobias Wenzel, Innungsobermeister der Bestatterinnung Sachsen, der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch könne es wegen der dynamischen Entwicklung zu Überlastungen kommen. „Wenn eine Infektionswelle beginnt, landet sie 14 Tage später auf den Intensivstationen. Nach weiteren zwei Wochen bekommen wir sie zu spüren.“

          Wenzel zufolge gibt es in jeden November eine steigende Zahl von Todesfällen und damit auch mehr Einäscherungen als sonst. Nun würden aber vermehrt Corona-Tote hinzukommen. Die Krematorien seien deshalb ausgelastet. Problematisch sei die Lage aber vor allem in zweierlei Hinsicht: Zum einen stellten die Standesämter wegen Personalmangel nur sehr schleppend die erforderlichen Dokumente aus. „Kapazitäten in den Krematorien sind da. Wir können aber nicht handeln, weil die Bestattungsscheine nicht vorliegen“, sagte Wenzel. Im Ergebnis würden sich die Kühlhäuser immer mehr füllen.

          Das zweite Problem betreffe das Personal der Krematorien und Bestattungsunternehmen selbst. Da immer mehr Schulkinder in Quarantäne kämen, müssten Eltern zu Hause bleiben, weil es für Kinder von Bestattern keine Notbetreuung gebe. „Deshalb fällt mittlerweile viel Personal aus“, sagte Wenzel. Ende 2020 waren die Kapazitäten der zehn sächsischen Krematorien derart erschöpft, dass Tote zur Einäscherung in andere Bundesländer gebracht werden mussten. Die Bilder davon machten die ganze Dramatik der Pandemie in Sachsen deutlich. „Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass die Infektionszahlen ein Jahr später noch viel höher ausfallen“, sagte Wenzel.

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