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Neuartige Lungenkrankheit : „Wir sind nun in der kritischsten Phase“

Ein Mitarbeiter versprüht Desinfektionsspray an einem Bahnhof in Wuhan. Bild: AP

Seit Sonntag ist die Gesamtzahl der mit dem Coronavirus Infizierten in China um das Siebenfache gestiegen, die Behörden melden inzwischen 17 Todesfälle. Die jährliche Reisewelle zum Neujahrsfest wird deshalb zur Herausforderung.

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          Die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus ist in China auf 17 gestiegen. Das berichtete die Regierung der Provinz Hubei in der schwer betroffenen Metropole Wuhan am Mittwoch. Zudem wurden innerhalb eines Tages mehr als 100 weitere Patienten identifiziert, die sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben. Die Gesamtzahl der Erkrankten in China stieg damit auf 471. Das rasche Ansteigen der Zahlen (seit Sonntag um das Siebenfache) begründete der stellvertretende Gesundheitsminister Li Bin am Mittwoch in einer Pressekonferenz damit, „dass wir jetzt ein tieferes Verständnis des Virus und verbesserte diagnostische Methoden haben“. Seine Behörde teilte mit: „Wir sind nun in der kritischsten Phase der Bekämpfung des Virus.“ Besonders die bevorstehende Reisewelle zum Frühjahrsfest stelle eine Herausforderung dar. Die Behörde stattete die Krankenhäuser des Landes mit der Befugnis aus, jede Person, die mit einem Infizierten in engem Kontakt stand, notfalls auch gegen ihren Willen festzuhalten und zu isolieren.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag hat die nationale Gesundheitsbehörde zudem von Reisen nach und aus Wuhan abgeraten, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus 2019-nCoV zu begrenzen. „Fahren Sie nicht nach Wuhan und verlassen Sie Wuhan nicht“, sagte Li Bin unter Verweis auf die Empfehlung eines leitenden Wissenschaftlers, die er als „verantwortungsbewusst“ bezeichnete.

          Allen Regierungsmitarbeitern in Wuhan wurde offenbar untersagt, die Stadt zu verlassen. Das geht aus einer offiziellen Anweisung hervor, die die neuseeländische Chinaexpertin Anne-Marie Brady auf Twitter veröffentlichte.

          Etwa 85 Prozent der nachgewiesenen Infektionen sind bisher in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei, aufgetreten.

          Britische Wissenschaftler vermuten mehr Infizierte

          Der Leiter des Zentrums für Krankheitsbekämpfung, Gao Fu, sagte in der gleichen Pressekonferenz, die Bekämpfung des Virus werde dadurch erschwert, dass es sich „anpasst und mutiert“. Den Verweis eines Journalisten auf eine Studie des Imperial College London, wonach die tatsächliche Zahl der Infizierten wesentlich höher liegen müsse, wies Gao Fu zurück. Die Londoner Wissenschaftler hatten am Sonntag auf der Basis von Rechenmodellen eine Zahl von 1700 Patienten allein in Wuhan für wahrscheinlich gehalten. „Die Realität, mit der wir es zu tun haben, steht nicht im Einklang mit der Studie“, sagte Gao Fu.

          Der Wissenschaftler hob hervor, dass China aus den Lehren der Sarspandemie von 2003 gelernt habe. Das zeitnahe Vorgehen der Behörden demonstriere „den Fortschritt in Chinas professionellem Umgang mit Infektionskrankheiten“. Nach dem Auftreten der ersten Sarsfälle hatten die Behörden damals fast drei Monate lang versucht, die Berichterstattung über die Krankheit zu unterdrücken und auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst sehr spät informiert.

          Taiwan nach Vorfall von WHO-Sitzungen ausgeschlossen

          Nach bisherigen Erkenntnissen sei der Ausbruch auf „Kontakt mit Wildtieren in dem Fischmarkt“ zurückzuführen, sagte Gao Fu mit Blick auf einen Markt in Wuhan, auf dem neben Fisch auch lebende Hühner sowie das Fleisch exotischer Tiere wie Koalas, Kängurus, Pfauen und Kamelen verkauft wurde. Das Staatsfernsehen berichtete am Abend, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe in einem Telefonat mit Staatschef Xi Jinping gesagt, „Deutschland sei beeindruckt davon, dass China zeitnah auf das neuartige Coronavirus reagiere, Transparenz zeige und aktiv mit der internationalen Gemeinschaft kooperiere“. Die Bundesregierung habe China ihre Unterstützung angeboten, wofür Xi Jinping sich bedankt habe.

          Nach einem Bericht der „Volkszeitung“ mussten Reiseveranstalter aus Wuhan geplante Gruppenreisen absagen. Generell können schon gebuchte Zug- und Flugtickets von und nach Wuhan unentgeltlich zurückgegeben werden. Aus Sorge vor einer Ansteckung in Zügen und Flugzeugen änderten auch Bewohner anderer Teile des Landes ihre Reisepläne zum Frühlingsfest. In einer Onlinebefragung des Wirtschaftsmagazins „Caijing“ sagten gut 40 Prozent der 12.000 Teilnehmer, dass sie ihre Reisen abgesagt hätten.

          Die Glückspielmetropole Macao, die viele Chinesen während des Frühlingsfestes besuchen, empfahl den Mitarbeitern der Casinos, Mundschutze zu tragen. In Macao war das Virus am Mittwoch erstmals bei einem Reisenden festgestellt worden. Die Regierung in Taiwan nahm den ersten nachgewiesenen Infektionsfall auf der Insel zum Anlass, um darauf hinzuweisen, dass sie auf Druck Chinas von allen Sitzungen der Weltgesundheitsorganisation ausgeschlossen ist. „Die 23 Millionen Taiwaner können jederzeit zu einer Front bei der Prävention von Infektionskrankheiten werden. Ich appelliere abermals an die WHO, Taiwan nicht aus politischen Gründen auszuschließen“, sagte Präsidentin Tsai Ing-wen in Taipeh.

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