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Hohe Zahl an Infektionen : Das Coronavirus und Italiens Beziehung zu China

Das „Wuhan Italiens“: Von Codogno aus verbreitete sich das Coronavirus in Italien. Bild: AP

Italiens Annäherung an China war schon vor der Viruskrise ins Stocken geraten. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern könnte eine Erklärung sein, warum die Region Lombardei besonders betroffen vom Virus ist.

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          Seit dem 31. Januar gibt es keine Direktflüge mehr zwischen Italien und China. In Peking äußerte man sich seinerzeit erbost über die als unverhältnismäßig angeprangerte Maßnahme der Regierung in Rom, die zunächst bis Ende April gilt und die Ausbreitung des neuen Coronavirus in Italien verhindern soll. Wie sich angesichts der am Wochenende sprunghaft gestiegenen Infektionszahlen sowie von mindestens zwei Todesfällen in Norditalien gezeigt hat, war die Maßnahme entweder nicht streng genug – über Umsteigeflüge kamen noch immer Chinesen und Chinareisende nach Italien – oder sogar ganz nutzlos. Italien war das erste europäische Land, das den direkten Flugverkehr mit China unterbrach, und Italien hat jetzt die mit Abstand meisten Infektionen in Europa.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Vor knapp einem Jahr hatten Rom und Peking den Beitritt Italiens zum chinesischen Seidenstraßenprojekt vereinbart. Damals herrschte in Rom noch die Koalition von linkspopulistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechtsnationalistischer Lega.

          Die Anfang März von den beiden Regierungen vereinbarte Übereinkunft erhielt dann beim pompösen Staatsbesuch von Präsident Xi Jinping in Italien vom 22. bis 24. März Brief und Siegel. Und zwar in Form eines rund fünfseitigen allgemeinen „Memorandum of Understanding“, das die Teilnahme Italiens – als erstem Land der G-7-Gruppe der westlichen Industrienationen – am globalen Investitions- und Infrastrukturprojekt Neue Seidenstraße festschrieb. Sowie durch insgesamt 29 konkrete bilaterale Vereinbarungen – davon 19 zwischen Regierungsinstitutionen und zehn zwischen Unternehmen. Die Abkommen hatten nach Regierungsangaben einen Umfang von zunächst 2,5 Milliarden Euro, dieser könne aber auf bis zu zwanzig Milliarden Euro wachsen, hatte es überaus optimistisch geheißen.

          Enge Wirtschaftsverbindung zwischen Lombardei und China

          Xi pries seinerzeit seine Visite in Italien als „großen Erfolg“. In einem Beitrag für die Zeitung „Corriere della Sera“ hatte der chinesische Staats- und Parteichef am Vorabend seines Staatsbesuchs ordnungsgemäß an den venezianischen Händler Marco Polo, der schon vor sieben Jahrhunderten in Italien „die erste Leidenschaft für China“ entzündet habe. Diese uralte Glut sei nun neu entflammt.

          Und ist nun gleich wieder erloschen, wie es scheint. Aber nicht nur wegen der in Wuhan ausgebrochenen Virusepidemie, die nun das Städtchen Codogno in der norditalienischen Region Lombardei zum „italienischen Wuhan“ gemacht hat, wie es heißt. Aus der Stadt mit knapp 16.000 Einwohnern stammt der als „Patient eins“ bezeichnete 38 Jahre alte Mann, der in Italien infiziert worden war und nun auf der Intensivstation liegt.

          Zunächst hieß es, der Mann habe sich im Januar bei einem Freund infiziert, der gerade von einer China-Reise zurückgekehrt war. Bei diesem sogenannten „Patient null“ wurde das Coronavirus jedoch nicht nachgewiesen. Wie sich der 38 Jahre alte Mann aus Codogno ansteckte, ist bislang unklar. Das Virus konnte sich über Wochen unbemerkt in Italien verbreiten. Codogno liegt im Zentrum der lombardischen Region mit zusammen etwa 50.000 Einwohnern, die seit der Nacht zum Sonntag per Regierungsdekret von der Außenwelt abgeriegelt ist: Niemand darf hinaus und niemand hinein.

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