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Coronavirus : Spahn empfiehlt Absage von Großveranstaltungen

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Brüssel. Bild: AP

Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus ist Jens Spahn der Meinung, Events mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen. Die Fußball-Bundesliga aber möchte ihre Saison bis Mai wie geplant zu Ende bringen.

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          Angesichts zunehmender Coronavirus-Infektionen in Deutschland empfiehlt Gesundheitsminister Jens Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen. Zurzeit geschehe dies aus seiner Sicht immer noch zu zaghaft. „Angesichts der dynamischen Entwicklung der letzten Tage sollte das schnell geändert werden“, sagte er am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Von solchen Absagen betroffen könnten unter anderem Bundesligaspiele, Messen und große Konzerte sein. Spahn sagte, oberstes Ziel sei es, die Ausbreitung des neuartigen Virus zu verlangsamen. „Denn je langsamer sich das Virus verbreitet, desto besser kann unser Gesundheitssystem damit umgehen.“

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          Zum Thema Großveranstaltungen sagte Spahn: „Nach zahlreichen Gesprächen mit Verantwortlichen ermuntere ich ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf weiteres abzusagen.“ Prinzipien für den Umgang mit kleineren Veranstaltungen habe das Robert Koch-Institut (RKI) entwickelt. Weiter sagte er: „Ich bin mir bewusst, welche Folgen das für Bürgerinnen und Bürger oder Veranstalter hat. Wir werden in den nächsten Tagen darüber sprechen, wie wir mit den wirtschaftlichen Folgen umgehen.“

          Klar sei aber, dass die Gesundheit vorgehe. Spahn: „Ich ermuntere auch jeden Einzelnen: Wägen Sie ab, was Ihnen im eigenen Alltag so wichtig ist, dass Sie darauf in den nächsten zwei bis drei Monaten nicht verzichten wollen, sei es der Klubbesuch, die Geburtstagsfeier im familiären Kreis oder die Vereinssitzung. Ich vertraue darauf, dass die Bürgerinnen und Bürger in diesen Zeiten kluge Entscheidungen für sich und ihre Liebsten treffen. Denn wir schützen mit dieser Vorsicht vor allem unsere älteren und chronisch kranken Mitbürger.“

          „Wir brauchen eine Art europäisches Robert-Koch-Institut“

          Zudem fordert Spahn ein europäisches Robert-Koch-Institut. „Die europäische Seuchenbehörde ECDC ist viel zu klein, um Epidemien wie diese vernünftig begleiten zu können“, sagte Spahn der „Bild am Sonntag“. Sie benötige einen größeren Etat und mehr Handlungsmöglichkeiten. „Wir brauchen eine Art europäisches Robert-Koch-Institut“, sagte Spahn und forderte, dafür im nächsten EU-Haushalt Geld zur Verfügung zu stellen. Kernaufgabe des in Berlin ansässigen Instituts ist die Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

          Zudem will Spahn in Deutschland eine Meldepflicht für alle Corona-Tests einführen. „Bislang müssen nur Tests gemeldet werden, bei denen das Coronavirus gefunden wird“, sagte er der „Bild am Sonntag“. „Künftig sollen auch Tests gemeldet werden, bei denen keine Infektion gefunden wird.“ Dies helfe, die Lage besser einzuschätzen. Bundesweiten Schulschließungen zur Verhinderung einer Corona-Epidemie erteilte Spahn eine Absage. „Die Schließung von Schulen können laut Infektionsschutzgesetz nur die lokalen Behörden anordnen“, sagte er. „Ich würde eine bundesweite Schließung auch für falsch halten.“

          Trotz möglicher Geisterspiele will die Fußball-Bundesliga ihre Saison wie geplant bis Mitte Mai zu Ende bringen. „Nur so erhalten Klubs und DFL trotz schwieriger Umstände für die kommende Spielzeit Planungssicherheit“, sagte Geschäftsführer Christian Seifert laut einer Mitteilung der Deutschen Fußball Liga vom Sonntag. Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe müssten in beiden Spielklassen ermittelt werden.

          Die Klubs würden sich mit den zuständigen Behörden an den jeweiligen Standorten wie bisher eng hinsichtlich des Ablaufs weiterer Spieltage abstimmen, sagte Seifert. Die DFL kündigte an, kurzfristig ein Krisentreffen mit den Klubs anzusetzen. Es sei „eine schwierige Situation“, sagte Seifert. Die Gesundheit habe oberste Priorität. „Dabei muss es das Ziel sein, in unterschiedlichen Lebensbereichen den jeweils angemessenen Weg zu finden zwischen berechtigter Vorsorge und übertriebener Vorsicht“, sagte der DFL-Chef.

          Von den von Spahn angemahnten Absagen könnten auch Spiele in den höchsten Spielklassen im Fußball, Handball, Eishockey, Basketball und Volleyball betroffen sein. Bislang hatten Ligaverbände und Vereine stets auf die Zuständigkeit der Behörden verwiesen und Absagen oder Spiele vor leeren bislang vermieden. So fand am Samstag auch das Bundesliga-Topspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund (1:2) in unmittelbarer Nähe zu dem am meisten vom Virus betroffenen Kreis Heinsberg statt. 53.877 Zuschauer waren im Stadion. 550 Menschen aus dem Kreis Heinsberg machten vom Angebot der Gladbacher Gebrauch, sich den Ticketpreis erstatten zu lassen und nicht zum Spiel zu kommen.

          Schon am Mittwoch soll wieder in Mönchengladbach gespielt werden, dann beim Rheinderby der Bundesliga gegen den 1. FC Köln. Offen ist auch, unter welchen Umständen am Montagabend das Zweitliga-Topspiel des VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld stattfinden wird. Nach aktuellem Stand vom Sonntag gibt es keine Einschränkungen für Zuschauer. Die Empfehlung von Spahn könnte auch Auswirkungen auf die kommenden Europapokal-Heimspiele der Bundesligaklubs haben. RB Leipzig empfängt am Dienstag in der Champions League Tottenham Hotspur. In der Europa League spielt Eintracht Frankfurt am Donnerstag daheim gegen den FC Basel, der VfL Wolfsburg hat Schachtar Donezk zu Gast.

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