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Höchste Warnstufe : Südkorea kämpft gegen das Coronavirus

Ein Markt in Daegu, 300 Kilometer südöstlich von Seoul in Südkorea, ist geschlossen. Bild: dpa

Südkorea weist nach China und Japan die höchste Infektionszahl des Coronavirus auf. Die Krankheit hat sich innerhalb einer Woche im Land verzwölffacht. Ein Großteil der Neuansteckungen gehen auf Veranstaltungen einer Sekte zurück.

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          Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Südkorea ist über Nacht abermals sprunghaft gestiegen. Nach Informationen der Deutschen Presseagentur vom Montagmorgen haben sich mittlerweile 763 Personen angesteckt; zwei neue Todesfälle kommen hinzu. Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Südkorea war schon davor rasend schnell gestiegen. Am Sonntag waren nach offiziellen Angaben 602 Personen infiziert. Die Regierung greift daher zu drastischen Gegenmaßnahmen. Präsident Moon Jae-in rief am Sonntag einen roten Alarm aus. Das ist die höchste Warnstufe in Korea gegen ansteckende Krankheiten. Die Regierung erhält damit unter anderem das Recht, den öffentlichen Transport einzustellen, Schulen zeitweise zu schließen, Einreiseverbote aus bestimmten Ländern zu erlassen oder Großveranstaltungen zu verbieten. Die nächsten Tage seien entscheidend dafür, die Ausbreitung des Virus in Südkorea in den Griff zu bekommen, erklärte Moon. Er nannte keine konkreten Maßnahmen. Doch verschob die Regierung schon den Beginn des neuen Schuljahrs um eine Woche auf den 8. März.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Politik in Seoul ist alarmiert. Am Mittwoch hatte das Land erst 51 Fälle gemeldet, am Sonntag waren es fast zwölf Mal so viel. Sechs Tote werden mit dem Virus in Verbindung gebracht. Mehr als die Hälfte aller Infektionsfälle gehen auf religiöse Veranstaltungen der christlichen Shinchonji-Sekte zurück, in der Gemeinde in Daegu, rund 240 Kilometer südöstlich von Seoul. Mehr als 9000 Mitglieder der Sekte in der Stadt wurden aufgefordert, sich unter Quarantäne zu Hause aufzuhalten. Mehr als 1000 Mitglieder klagen über Symptome, die auf eine mögliche Virusinfektion hindeuten.

          Die Stadtverwaltung sucht noch nach etwa 250 Sektenangehörigen. Auch in Seoul, Ulsan und Gwangju werden Infektionsfälle von Besuchern der Shinchonji-Kirche in Daegu gemeldet. In der Stadt selbst halten sich viele Menschen aus Angst vor dem Virus zu Hause auf. Die Straßen sind nach Berichten außergewöhnlich leer. Ein zweiter Schwerpunkt der Infektionen in Südkorea liegt in einem Krankenhaus in dem Daegu benachbarten Landkreis Cheongdo. In der Konzentration der Infektionen auf die zwei Ballungen sieht die Regierung einen Hoffnungsschimmer, dass die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle zu bringen sei.

          Virus führt zu diplomatischen Verspannungen

          Südkorea weist nach Japan die höchste Infektionszahl außerhalb Chinas auf. In beiden Ländern hat die Infektionswelle ein neues Stadium erreicht, weil bei vielen Infizierten kein direkter Kontakt mit China mehr gegeben ist. Japan meldete am Sonntag eine Gesamtzahl von 838 Infizierten, darunter 691 Infektionen unter den Passagieren und Besatzungsmitgliedern des Kreuzfahrtschiffs Diamond Princess. Im Gegensatz zu Südkorea sind die 147 inländischen Infektionen in 16 der 47 Präfekturen verstreut, von Hokkaido im Norden bis zu Okinawa im Süden.

          An der Regierung in Tokio wird immer mehr Kritik laut wegen ihrer Handhabung der Quarantäne auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess in Yokohama. Eine Frau wurde am Wochenende in Japan positiv auf das Virus getestet, obwohl sie vor zehn Tagen negativ getestet und vergangene Woche mit fast 1000 anderen Passagieren nach vierzehntägiger Quarantäne auf dem Schiff entlassen worden war. Gesundheitsminister Katsunobu Kato gestand zugleich ein, dass 24 Passagiere auf dem Schiff seit Anfang Februar nicht mehr auf das Virus getestet und dennoch aus der Quarantäne entlassen worden seien.

          Das Ministerium versuche, die Personen für einen neuen Test zu erreichen. Im Gegensatz etwa zu den Vereinigten Staaten, die ihre von dem Kreuzfahrtschiff heimgekehrten Bürger für weitere 14 Tage unter Quarantäne stellten, hat Japan seine Bürger und einige Ausländer nach der ersten Quarantäne auf dem Schiff ins öffentliche Leben entlassen.

          Die vielen Infektionen in Südkorea und Japan rufen auch andere Länder auf den Plan. Die Vereinigten Staaten warnten ältere und anfällige Bürger vor Reisen dorthin. Großbritannien empfiehlt, Reisen nach Daegu oder Cheongdo zu unterlassen. Das Virus führt auch zu diplomatischen Verspannungen. Südkorea protestierte am Wochenende dagegen, dass Israel südkoreanischen Touristen die Einreise verweigert. Zuvor waren 18 von 39 Mitgliedern einer koreanischen Pilgergruppe nach Israel nach ihrer Heimkehr positiv auf das Coronavirus getestet worden.

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