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Coronavirus in Deutschland : RKI meldet fast 1000 Neuinfektionen

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter vom Bayerischen Roten Kreuz in einem Corona-Testzentrum an der Autobahn 8 Bild: dpa

Die Fallzahlen steigen weiter. Das Robert Koch-Institut fürchtet deshalb eine Trendumkehr in Deutschland. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff warnt vor einem zweiten Lockdown.

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          Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 955 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Damit bleiben die täglichen Fallzahlen weiterhin auf einem hohen Niveau. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 209.653 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Samstagmorgen meldete.

          Am Freitag hatte die Zahl der täglich registrierten Neuinfektionen bei 870 gelegen. Aufgrund der steigenden Fallzahlen fürchtet das RKI eine Trendumkehr in Deutschland. Grund dafür sei Nachlässigkeit bei der Einhaltung der sogenannten AHA-Regeln. „AHA“ steht für Abstand, Hygiene, Alltagsmasken. Erst am Dienstag hatte RKI-Präsident Lothar Wieler angemahnt, diese auch weiterhin einzuhalten.

          Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung liegt nach RKI-Angaben bei 9148, das sind sieben mehr als am Vortag. Bis Samstagmorgen hatten rund 192.700 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

          Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen bei 1,06, am Vortag bei 1,02. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

          Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,19. Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

          Haseloff: Wirtschaft würde zweiten Lockdown kaum verkraften

          Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) warnt angesichts der steigenden Fallzahlen vor der Verhängung einer weiteren Ausgangssperre gewarnt. „Einen zweiten Lockdown können wir uns nicht leisten“, sagte Haseloff den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). „Das würde unsere Wirtschaft kaum verkraften und sich letztendlich auch negativ auf den Sozialstaat und seine Stabilität auswirken.“ Auch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnte vor einer langanhaltenden Wirtschaftsschwäche, sollte es zu einem weiteren Lockdown kommen.

          Beim Aufflammen neuer Infektionsherde müsse „schnell, niederschwellig und differenziert auf lokaler Ebene“ reagiert werden, sagte Haseloff. „Hilfsmaßnahmen wie im jetzigen finanziellen Rahmen ließen sich wohl nicht wiederholen.“

          Besorgt zeigt sich auch die Bundesärztekammer. Mit Blick auf die Entwicklung der Fallzahlen warnt sie vor einer Überlastung der Gesundheitsämter. „Wir dürfen uns bei den Gesundheitsämtern nicht weiter von Notlösung zu Notlösung hangeln“, sagte Vizepräsidentin Heidrun Gitter der Zeitung „Welt“ vom Samstag. Zwar könnten im Notfall Medizinstudentinnen und -studenten wieder einspringen, diese müssten aber „am Patienten lernen statt irgendwelche bürokratische Aufgaben für die Gesundheitsämter zu erledigen“.

          Langfristig seien die Behörden „nicht in der Lage, die hochgradig personalintensive Kontaktnachverfolgung zu stemmen“, sagte Gitter weiter. „Das wissen wir aus diversen Umfragen zur Personalsituation.“ Gebraucht werde eine „konzertierte Aktion“ für die Stärkung der Gesundheitsämter: „Die Arbeitsbedingungen müssen attraktiver, die Vergütung konkurrenzfähiger und der Arbeitsplatz moderner werden.“

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