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Deutscher Coronavirus-Fall : Behörden prüfen 40 Kontaktpersonen

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Das neues Coronavirus hat Deutschland erreicht, sagt der Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf (2.v.r.), am Dienstag in München. Bild: EPA

Dem Erkrankten aus Starnberg geht es laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit „sehr gut“. Er hat sich wohl bei einer Kollegin aus China angesteckt. Nun wird überprüft, ob sich weitere Personen infiziert haben könnten.

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          Nachdem sich ein 33 Jahre alter Mann in Bayern mit dem Coronavirus infiziert hat, werden nun 40 Kontaktpersonen in der Firma und Familie überprüft. Das sagte der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch, am Dienstag in München. „Die Zahl kann noch steigen.“ Überprüft wird auch der Kindergarten, in dem die Kinder des Patienten betreut werden. „Natürlich denken wir an Kinder und auch an die Kindergärten“, sagte der Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf. Noch gebe es aber keine Verdachtsfälle. 

          Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) erklärte, der Infizierte liege isoliert im Klinikum München Schwabing. Der Mann hat sich wohl bei einer Kollegin aus China infiziert. Wie der Automobilzulieferer Webasto am Dienstag mitteilte, ist der bestätigte Erkrankte aus dem Landkreis Starnberg ein Mitarbeiter der Unternehmenszentrale in Stockdorf bei München. Laut dem Robert-Koch-Institut handelt es sich damit um die erste bekannte Mensch-zu-Mensch-Ansteckung außerhalb Asiens.

          Wie der Chefarzt der behandelnden Klinik München-Schwabing, Clemens Wendtner, sagte, geht es dem Erkrankten „sehr gut“. „Ich würde auch das Statement wagen, dass er außer Lebensgefahr ist.“ Er sei fieberfrei und habe auch keine Atemwegssymptomatik. Der Mann werde auf der Infektnormalstation behandelt, die bayernweit nur in Schwabing vorhandene Sonderisolierstation der Klinik müsse nicht genutzt werden. „Das ist mit einem einfachen Schleusenzimmer möglich.“

          Laut Zapf habe der Mann am Montag Vormittag noch gearbeitet. Der Mann habe an einer Schulung seines Unternehmens teilgenommen, an der auch eine Kollegin aus dem Werk des Unternehmens in Schanghai anwesend war. Die Frau habe vor ihrer Reise nach Deutschland Besuch von ihren Eltern gehabt, die aus der besonders betroffenen Region Wuhan stammen. Sie sei am 23. Januar wieder zurückgeflogen und habe sich auf dem Heimweg krank gefühlt. Die Ansteckung habe „in einem Intervall, in dem die Chinesin noch symptomfrei war“ stattgefunden, sagte Zapf.

          Bayern werde im Laufe des Tages eine Hotline für besorgte Bürger schalten. Die Behörden nehmen „die Lage sehr ernst, aber wir sind auch gut vorbereitet“. „Die Kontaktpersonenermittlung läuft auf Hochtouren.“ Weitere Maßnahmen würden in Erwägung gezogen, sagte Huml. Gemeinsam mit dem Bund werde beraten, „ob es sinnvoll sein kann, an Flughäfen Fieber zu messen“. Auch die Barmer-Krankenkasse hat bereits eine Hotline geschaltet (siehe Kasten unten).

          Weitere Mensch-zu-Mensch-Ansteckung in Japan

          Zuvor hatte Japan hat den ersten Fall der neuen Lungenkrankheit bestätigt, bei dem sich der Betroffene nicht in China aufhielt, sondern in Japan infiziert hat. Ein infizierter Busfahrer habe Anfang des Monats zwei Gruppen chinesischer Touristen aus Wuhan gefahren, gab Gesundheitsminister Katsunobu Kato bekannt. Damit erhöht sich die Zahl der Fälle in Japan auf sechs.

          Hintergrund: Was passiert bei einem Verdachtsfall in Deutschland?

          Weltweit werden derweil die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus verschärft. So sollen britische Rückkehrer aus der chinesischen Metropole Wuhan 14 Tage lang ihre Wohnung nicht verlassen – auch wenn sie keine Symptome einer Infektion mit dem neuen Coronavirus zeigen. Die Betroffenen sollten vorsichtshalber nicht zur Arbeit oder Schule gehen und keine öffentlichen Verkehrsmittel und Taxen nutzen, teilte die Gesundheitsbehörde Public Health England mit.

          Experten suchen etwa 2000 Menschen, die seit Ausbruch der Lungenkrankheit aus der chinesischen Region nach Großbritannien geflogen sind. Noch sind zwar keine Infektionen nachgewiesen worden, doch gelten Ansteckungen als wahrscheinlich. Verkehrsminister Grant Shapps berichtete am Dienstag dem Sender BBC, dass man weiter an Plänen arbeite, Briten aus Wuhan herauszuholen. Sie sollten sich beim Konsulat melden. Die britischen Behörden gehen von etwa 200 Landsleuten aus, die nach Großbritannien zurück wollen.

          In Hongkong werden die Verbindung mit einem Hochgeschwindigkeitszug zum chinesischen Festland vom 30. Januar an eingestellt. Auch Fährverbindungen würden gestoppt, sagte Regierungschefin Carrie Lam, die einen grünen Mundschutz trug, als sie vor die Presse trat. Die Zahl der Flüge von Hongkong nach China würden halbiert, Reisegenehmigungen für Festlandchinesen nach Hongkong würden nicht mehr erteilt.

          Zwei Hotlines eingerichtet

          Für besorgte Bürgerinnen und Bürger hat das bayerische Gesundheitsministerium eine Hotline eingerichtet: Coronavirus-Hotline: 09131 6808-5101. Auch die Krankenkasse Barmer hat angesichts des ersten bestätigten Corona-Falls in Deutschland eine Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Die kostenlose Hotline stehe nicht nur Barmer-Versicherten, sondern allen unter 0800 84 84 111 zur Verfügung, teilte eine Sprecherin der Krankenkasse am Dienstag in Schwerin mit. Medizinexperten würden rund um die Uhr Informationen darüber geben, wer besonders gefährdet sei, wie man sich schützen und einen Verdachtsfall erkennen könne.

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