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Coronavirus in China : Zahl der Toten auf 56 gestiegen

  • Aktualisiert am

Am Rot-Kreuz-Krankenhaus im chinesischen Wuhan wird bei einem Mann Fieber gemessen. Bild: AFP

Wiederholt hat sich die Anzahl an Infektionen in China deutlich erhöht. Trotz der Abschottung mehrerer Großstädte wollen Frankreich und Amerika ihre Bürger aus dem Gebiet holen.

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          Trotz drastischer Gegenmaßnahmen nach dem Ausbruch der neuen Lungenkrankheit in China gibt es immer mehr Todesfälle in der Volksrepublik. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg inzwischen auf 56, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag berichtete. Insgesamt haben sich demnach 1975 Menschen in China mit dem Coronavirus angesteckt, der die neuartige Lungenkrankheit auslöst. Zuletzt war von knapp 1400 Infizierten die Rede gewesen.

          Weltweit kommen rund 30 bestätigte Infektionsfälle hinzu – darunter die ersten drei europäischen Patienten in Frankreich. Diese drei Infizierten sind aber offenbar nicht schwer erkrankt. Dem Paar, das im Pariser Krankenhaus Bichat behandelt werde, gehe es gut, erklärten Ärzte am Samstag bei einer Pressekonferenz. Einer der beiden Patienten habe noch etwas Fieber. Auch dem dritten Patienten, der in einer Klinik in Bordeaux behandelt wird, gehe es gut, sagte der Bürgermeister der Stadt. Bis zu 15 Personen, mit denen er seit seiner Rückkehr aus China in Frankreich in Kontakt gewesen sei, habe man identifizieren können.

          Nachdem in den vergangenen Tagen auch Infektionen in den Vereinigten Staaten, Australien, Japan, Südkorea, Thailand, Vietnam, Singapur und Taiwan bestätigt wurden, planen mehrere Staaten derzeit, ihre Bürger aus der Stadt Wuhan zu holen. So spricht Russland einem Agenturbericht zufolge derzeit mit den chinesischen Behörden über eine mögliche Abreise russischer Staatsbürger aus der Stadt Wuhan und der Provinz Hubei. Auch Frankreich werde in Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden eine Busverbindung aus der Stadt nach Changsha anbieten, zitiert die chinesische Zeitung „South China Morning Post" aus einer Mail des französischen Konsulats.

          Krisentreffen mit chinesischem Staatspräsidenten Xi Jinping

          Angesichts der rasanten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus haben die Vereinigten Staaten am Sonntag angekündigt, ihre Bürger aus dem am stärksten von der Epidemie betroffenen Gebiet in Zentralchina auszufliegen. Für Dienstag sei ein Flug geplant, um US-Behördenpersonal und weitere Staatsbürger aus der Millionenstadt Wuhan nach San Francisco zu bringen, teilte das US-Außenministerium am Sonntag mit. Für Privatpersonen gebe es nur „begrenzte Kapazitäten“, schränkte die Behörde ein. Das Auswärtige Amt schreibt bei den Reisehinweisen auf seiner Internetseite noch: „Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan wird als moderat eingeschätzt.“

          Die EU-Präventionsbehörde ECDC geht unterdessen von weiteren Fällen auf dem europäischen Kontinent aus und in Großbritannien versuchen Gesundheitsexperten derzeit etwa 2000 Fluggäste aus China aufzuspüren, die in den vergangenen zwei Wochen aus Wuhan ins Vereinigte Königreich geflogen sind.

          Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping berief am Samstag in Peking ein Krisentreffen ein. Die Partei habe eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um das Vorgehen zu lenken. Teams würden in die Provinz Hubei entsandt, um die Arbeit vor Ort zu steuern.

          Die Teilnehmer des Treffens forderten die lokalen Funktionäre auf, „noch energischere Maßnahmen“ zu ergreifen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern und die Erkrankten zur Behandlung in „zentralisierte Quarantäne“ zu bringen. Informationen über die Krankheit sollten demnach zeitnah und transparent veröffentlicht werden, um Sorgen im In- und Ausland zu begegnen.

          Zudem untersagt China ab Montag jegliche Gruppenreisen, wie der staatliche Fernsehsender CCTV unter Berufung auf eine Mitteilung des chinesischen Reiseverbandes berichtet. Das gelte auch für Reisen ins Ausland. Gruppenreisen innerhalb Chinas fänden bereits seit Freitag nicht mehr statt, hieß es.

          China hat bereits drastische Maßnahmen ergriffen. Mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen des Landes wurden weitgehend von der Außenwelt abgeschottet, indem der Verkehr gestoppt wurde. Besonders betroffen ist die Elf-Millionen-Metropole Wuhan, wo das Coronavirus Ende des vorigen Jahres vermutlich von einem Tiermarkt auf Menschen übersprang.

          Zweites Notkrankenhaus im Bau

          Die Krankenhäuser der Stadt sind offenbar völlig überbelegt. Nach offiziell unbestätigten Berichten werden Patienten zurückgewiesen, weil es nicht genug Personal und Betten gibt. Nachdem in Wuhan bereits mit dem Bau eines Hospitals mit 1000 Betten begonnen worden war, soll ein weiteres mit 1300 Betten folgen. Das erste Hospital in Schnellbauweise soll am Montag in einer Woche erste Patienten aufnehmen, das zweite zwei Tage später.

          Aus anderen Teilen Chinas wurden mehr als 1680 Ärzte und Pfleger nach Wuhan entsandt. Auch wurden 14.000 Schutzanzüge bereitgestellt. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr, Zug- und Flugverbindungen wurden eingestellt, Ausfallstraßen gesperrt. Von Sonntag an wird auch der gewöhnliche Autoverkehr in den großen Stadtbezirken Wuhans gestoppt.

          Trotz der Abschottung sei die Versorgung der Metropole nicht gefährdet, versicherte der Gouverneur von Hubei, Wang Xiaodong. Die Frachtkanäle blieben offen. Auch würden weiter Agrarprodukte aus anderen Provinzen nach Wuhan transportiert. Die größte Gefahr sei die Zu- und Abwanderung der Menschen. Daher sei die wichtigste Maßnahme gegen die Ausbreitung des Virus die Beschränkung der Bewegungsfreiheit.

          Aus Angst vor einer Einschleppung des Virus stoppt die Hauptstadt Peking von Sonntag an ihren Busverkehr mit den Provinzen. In Peking gibt es bereits rund 30 bestätigte Virus-Infektionen. Die Regierung ordnete landesweit Kontrollen und Hygienemaßnahmen im Transportwesen an. An Flughäfen, Bahnhöfen, Busstationen und Passagierhäfen sollen Fiebermessgeräte installiert werden. Auch müssten Vorkehrungen getroffen werden, wie Infizierte isoliert oder Verdachtsfälle beobachtet werden könnten. Am Samstag stand an vielen Verkehrsknotenpunkten schon Personal, das mit Hand-Messgeräten die Temperatur von Reisenden maß.

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