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Angst, Hass und Vorurteile : Wie Rassisten das Coronavirus für sich nutzen

Diesen Tweet hat Henning Bornemann mittlerweile gelöscht. Er kündigte damit vermeintlich ein „Satirelied“ mit dem Titel „Drei Chinesen im #Corona-Fass an“

Tatsächlich gesagt hat der Mediziner Johannes Wimmer in der Talkshow von Maybritt Illner am 30. Januar im Hinblick auf die vielen Menschen mit Fieber und Erkältung derzeit: Es sei eine „ganz berechtigte Angst“, wenn man nachts wachliege vor Sorgen, man habe das Coronavirus, „weil ich ja gestern beim Chinesen essen war.“ Ein leichthin gesagter Nebensatz, dem man nicht zu viel Bedeutung zumessen sollte? Das sieht Taz-Redakteurin Lin Hierse anders: „Er ist ein weißer Arzt. Menschen werden ihm glauben.“

Nun wehren sich Asiaten. Unter dem Hashtag #JeNeSuisPasUnVirus (我不是病毒, „Ich bin kein Virus“) sammeln sich Mahnungen gegen Rassismus und Vorurteile, denn das einzige, das schlimmer ist als das Virus, seien „blinde Diskriminierung und Hass gegenüber den Menschen“. „Hört auf, das Virus als Entschuldigung für rassistischen Mist zu missbrauchen.“ Das Coronavirus sei keine Entschuldigung, rassistisch und xenophob gegen Asiaten zu sein, und: „Isoliert das Virus, nicht Chinesen“, also bekämpft das Virus wissenschaftlich, anstatt Chinesen für den Ausbruch verantwortlich zu machen und willkürlich auszugrenzen. Es sei kein Kampf „China gegen die Welt“, sondern der Menschheit gegen das Coronavirus.

Der in Wuhan geborene Zeyi Yang schreibt auf Twitter von einem „merkwürdigen Moment“, als er in New Yorks einzigem Wuhan-Restaurant die neuesten Entwicklungen über das Coronavirus im Nachrichtenpodcast der „New York Times“ hörte, dabei die Nachrichten seiner Freunde las – und versuchte, die Tränen zurückzuhalten. Warum er weinte? „Weil Menschen denken, sie könnten rassistisch sein.“ Jin Ding antwortete: „Ich habe heute auch in der Bahn auf dem Heimweg geweint.“

Vietnamesen in Paris erzählen unterdessen der Zeitung „Vietnam Express“ von Menschen, die sich in der Bahn wegsetzen oder den Mund bedecken, wenn sie an ihnen vorbeilaufen. In Australien bleiben sonst beliebte vietnamesische und chinesische Restaurants leer. Und Londoner berichten von Londonern, die Londoner, die asiatisch aussehen, im Supermarkt anstarren und zu ihnen Abstand halten.

Kimmy Yam ist Journalistin in New York und nimmt die Sache zunächst mit Humor. „ASIATEN! Hustet überall, wo immer ihr seid, um die Rassisten aus der Deckung zu locken!“  Dann wird sie aber ernst: „Leute, wisst ihr wie unheimlich traurig es ist, dass nach dem Coronavirus-Ausbruch jetzt Asiaten angeschaut werden, als wäre das Virus an uns alle vererbt worden? Als wäre es Teil unserer Kultur wie der Konfuzianismus oder die kindliche Pietät oder sonst was. Ist euch klar, wie einfach gestrickt ihr sein müsst, solch eine verrückte Schlussfolgerung zu ziehen?“ Das Coronavirus sei kein Grund, alle Asiaten zu meiden. „Nur mich“, ergänzt Kimmy Yam. „Weil ich Menschen hasse.“

Die UFC-Kämpferin Joanna Jedrzejczyk aus Polen, die demnächst in einem Mixed-Martial-Arts-Kampf gegen die Chinesin Zhang Weili antritt, teilte eine Fotomontage, auf der beide Kämpferinnen zu sehen sind, Jedrzejczyk trägt Gasmaske. „Safety first“ steht darüber, sie könne sich ja sonst mit dem Coronavirus anstecken – immerhin sei ihre Gegnerin eine von eineinhalb Milliarden Menschen in China. Weili Zhang reagiert auf diese rassistische Provokation besonnen: „Sich über eine Tragödie lustig zu machen zeigt den wahren Charakter. Sag über mich, was immer du willst, um dich stärker zu fühlen, aber mach keine Witze über das, was hier gerade passiert.“

Frankie Huang ist derzeit in Schanghai, ihre Eltern in Peking, sie blieben alle einfach viel zuhause. Huang ist besorgter, in den Vereinigten Staaten von Rassisten „mit Steinen beworfen zu werden“, als in China zu sein.

Irving Ruan twittert, wie er im Fitnessstudio gefragt wurde, ob er Japaner oder Chinese sei. Warum die Frage? „Wegen des Coronavirus.“ Und in Sydney treibt ein Café den Trend mit „witzigen" Sprüchen weiter: „Das Coronavirus hält nicht lange, es ist schließlich aus China.“ Etliche Asiaten reagieren und twittern, sie seien keine Chinesen und hätten einen anderen familiären Hintergrund. Was wiederum Rapper Dummie kritisiert. Er appelliert stattdessen an alle, zusammenzuhalten statt sich abzugrenzen.

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