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Reisende aus China : Entwarnung nach Verdachtsfall in Berlin

  • Aktualisiert am

Ein Laborant arbeitet am Donnerstag mit einer Pipette im Institut für Virologie an der Charité Berlin Mitte, dort laufen Untersuchungen zum Coronavirus. Bild: dpa

Eine Frau befand sich vorübergehend auf einer Isolierstation, der Test auf das Coronavirus fiel jedoch negativ aus. Die Berliner Gesundheitsbehörde rät Reisenden aus dem Risikogebiet in China dennoch zur Vorsicht.

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          Ein Verdacht auf eine erste Infektion mit dem neuen Coronavirus in Berlin ist am Sonntag ausgeräumt worden. „Uns lag die Information eines Verdachts des Coronavirus 2019-nCoV der DRK-Kliniken Mitte vor. Der Test zu diesem Verdachtsfall fiel heute negativ aus“, teilte eine Sprecherin der Gesundheitsverwaltung am Sonntag mit. Wie der Staatssekretär für Gesundheit, Martin Matz, der „Bild“ sagte, handelte es sich um eine Frau, die am Samstag nach einer Chinareise mit verdächtigen Symptomen in ein Krankenhaus in Berlin-Wedding gekommen war.

          Bis Sonntag gab es in Deutschland keinen Fall des neuen Coronavirus, das eine Lungenerkrankung auslösen kann. „Wir empfehlen Menschen in Berlin, falls sie zum Risikokreis gehören, also in dem Risikogebiet (Provinz Hubei, China) gewesen sind oder Kontakt mit Personen aus dem Risikogebiet hatten und Symptome einer Atemwegserkrankung aufweisen, eine Notaufnahme aufzusuchen und sich auf den Coronavirus testen zu lassen“, teilte die Berliner Gesundheitsverwaltung weiter mit.

          Bei einem Verdachtsfall im niedersächsischen Peine hatte sich eine Infektion am Wochenende ebenfalls nicht bestätigt. Der Mann war zuvor hustend und fiebrig von einer China-Reise zurückgekehrt, hatte sich allerdings nicht im Risikogebiet aufgehalten. Ein Test auf das Coronavirus fiel nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Hannover negativ aus, bei ihm wurde Grippeviren festgestellt.

          Frankreich verstärkt Vorkehrungen am Flughafen

          Das neuartige Coronavirus hat Europa bereits erreicht; in Frankreich wurden bereits drei Verdachtsfälle bestätigt. Um die weitere Verbreitung zu verhindern, verstärkt das Land seine Vorkehrungen am Pariser Hauptflughafen Roissy-Charles de Gaulle. Ab diesem Sonntag sollte ein medizinisches Team Reisende aus China empfangen. Es sollte sich um Personen kümmern, die Symptome der neuen Lungenkrankheit aufweisen. Wie die Generaldirektion für Gesundheit am Samstag erklärte, besteht das Team aus Ärzten, Krankenschwestern und Epidemiologen. Temperaturkontrollen wie andernorts hat Frankreich bislang nicht eingeführt.

          Am Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle kommen täglich mehrere Flüge aus China an. Der Flugverkehr von und nach Wuhan, dem Zentrum des Ausbruchs, ist seit Donnerstag gesperrt. Am Freitag wurden in Frankreich drei Fälle der aus China stammenden neuen Lungenkrankheit bestätigt. Es sind die ersten Infizierten mit dem neuen Coronavirus in Europa.

          Die drei Patienten sind offenbar nicht schwer erkrankt. Dem Paar, das im Pariser Krankenhaus Bichat wegen der Lungenkrankheit behandelt werde, gehe es gut, erklärten Ärzte am Samstag. Einer von ihnen habe noch etwas Fieber. Der 31 Jahre alte Mann und seine 30 Jahre alte Frau waren Mitte Januar von einem Aufenthalt in Wuhan in Frankreich angekommen. Auch dem dritten Patienten in Frankreich, der in einer Klinik in Bordeaux behandelt wird, gehe es soweit gut, sagte der Bürgermeister der Stadt, Nicolas Florian.

          Die Erkenntnisse über das Virus sind noch begrenzt

          Jeder mit dem Virus Infizierte steckt Studien zufolge zwei bis drei weitere Personen an. Ob die Ansteckungsrate so bleiben werde, hänge von der Wirksamkeit der Gegenmaßnahmen ab, sagten Wissenschaftler vom Imperial College in London und der Universität Lancaster. Um die Krankheit einzudämmen, müssten künftig mindestens 60 Prozent der Neuansteckungen verhindert werden.

          Auch Chinas Nationale Gesundheitskommission warnte vor einer steigenden Zahl von Krankheitsfällen. Die Übertragungsfähigkeit des Coronavirus nehme zu, sagt Kommissionschef Ma Xiaowei. Die Erkenntnisse der Behörden über das neuartige Virus seien aber noch begrenzt. Klar sei allerdings, dass der Erreger auch während der Inkubationszeit übertragen werden könne. Diese Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit bei einer Person liege zwischen einem und 14 Tagen. In China haben sich nach offiziellen Angaben inzwischen fast 2000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 56 Patienten starben daran.

          Im ganzen Land werden weiterhin zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um die Krankheit einzudämmen. In Peking bleiben Universitäten, Schulen und Kindergärten auch über das Ende der derzeitigen Neujahrsferien hinaus vorerst geschlossen. Landesweit wurde Handel mit Wildtieren untersagt, das Verbot gelte für Märkte und Online-Plattformen, teilen die Marktaufsicht, das Landwirtschafts- und das Forstministerium mit. Es wird davon ausgegangen, dass das Coronavirus seinen Ursprung auf einem Tiermarkt in Wuhan hat. Wildtiere, die auf Märkten auf engstem Raum angeboten werden, gelten als Brutstätte für Viren, die sich verändern und auch auf Menschen übertragen werden können.

          In Hongkong schließen die beiden größten Vergnügungsparks Disneyland und Ocean Park, schließen ab Sonntag ihre Pforten. In der bevorstehenden Ferienwoche zum chinesischen Neujahrsfest hatten die Parks eigentlich mit einem Besucheransturm gerechnet. Zuvor waren vielerorts die Feierlichkeit zum Jahreswechsel bereits abgesagt worden. 

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