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Quarantäne in Germersheim : „Die Betten sind wirklich sehr bequem“

Helfer vom Deutschen Roten Kreuz auf dem Gelände der Südpfalz-Kaserne in Germersheim Bild: EPA

Die Rostockerin Ann-Sophie Muxfeldt wurde von der Bundeswehr aus Wuhan ausgeflogen. Seit Samstagnacht ist sie in Quarantäne. Wie lebt es sich dort?

          2 Min.

          Frau Muxfeldt, Sie sind seit Samstagabend in der Kaserne in Germersheim in Quarantäne. Mindestens 14 Tage sollen Sie dort verbringen. Wie schlafen Sie momentan?

          Ich habe gut geschlafen, die Betten sind wirklich sehr bequem. Die Zimmer sind super ausgestattet, es gibt sogar einen Fernseher und einen Kühlschrank. Es wird wirklich alles versucht, damit wir uns wohl fühlen. Das Deutsche Rote Kreuz gibt sich ganz viel Mühe und macht es so schön wie möglich. Gestern gab es ein Update. Es gibt nun zum Beispiel Sprechzeiten für psychologische Betreuung. Auch praktische Fragen wurden beantwortet, zum Beispiel, wo wir waschen können. Bei einigen ging das W-Lan in den ersten Tagen nicht, davon habe ich allerdings gar nichts mitbekommen. Ein paar Startschwierigkeiten sind ja normal, aber alle geben wirklich ihr Bestes.

          Sehen Sie die anderen manchmal?

          Ja, schon, zum Beispiel auf dem Flur. Wir haben da aber Vorgaben. Wenn wir eine Maske tragen, sollen wir eine Armlänge Abstand halten. Ohne Maske, zum Beispiel beim rausgehen, sollte es noch mehr sein.

          Die Rostocker Studentin Ann-Sophie Muxfeldt im Gang ihres Quarantäne-Blocks in der Kaserne in Germersheim

          Das heißt, raus gehen ist kein Problem?

          Ja, genau. Um die Kaserne ist ein Bereich abgesperrt, so etwa drei bis vier Meter. Wir können einmal um das Haus laufen.

          Die Rückreise nach Deutschland zog sich über fast zwei Tage, an denen Sie kaum schlafen konnten. Fühlen Sie sich mittlerweile wieder fit?

          Ja. Aber die wenige Bewegung macht schon müde, sonst bin ich mittlerweile eigentlich wieder recht gut ausgeschlafen. In Deutschland gehe ich manchmal ins Fitnessstudio, in China bin ich zehn Kilometer mit dem Rad zur Arbeit gefahren.

          Ist es komisch, jetzt nicht mehr dort zu sein?

          Ja, auf jeden Fall. Ich habe mich nicht einmal von meinen Freunden und Kollegen verabschieden können. Das war das schlimmste für mich. Ich habe dort in einer IT-Firma mein Praktikum gemacht und wollte meine Bachelorarbeit schreiben. Auch meiner Bachelorarbeitsbetreuerin konnte ich nicht persönlich Tschüss sagen. Eigentlich wollte ich noch bis Juli in China bleiben. Es ist komisch, da rausgerissen worden zu sein. Manchmal ist alles noch etwas surreal. So etwas passiert einfach nicht. Es fühlt sich merkwürdig an.

          Wie haben Ihre Freunde in Deutschland und ihre Eltern reagiert?

          Die meisten haben mich gefragt, wie ich da rein geraten bin. Gerade habe ich ja viel Zeit zu telefonieren und mittlerweile fast alle abtelefoniert. Meine Eltern sind eigentlich auch relativ ruhig geblieben, vielleicht lag das auch daran, dass ich die ganze Zeit entspannt war. Das bin ich auch hier in der Kaserne.

          Wie verbringen Sie momentan Ihren Tag?

          Es ist nicht so, dass es hier großes Programm gibt. Der Tag wird eher von den Mahlzeiten bestimmt, ein bisschen wie im Krankenhaus vielleicht. Ich entspanne und telefoniere viel. Es ist alles gar nicht so schlimm.

          Wie ist das Essen?

          Typisch Deutsch. Ich vermisse das chinesische Essen.

          In Germersheim dient eine Bundeswehrkaserne als Quarantänestation.

          Könnte die Quarantäne verlängert werden?

          Ja, wenn auf meinem Flur jemand das Virus hat. Wir sind auf unterschiedlichen Fluren untergebracht. Auf jedem Flur sind ungefähr 25 Personen. Bisher sind aber alle gesund. Heute wurde noch einmal ein Abstrich gemacht. Auch das Fieber wird nun häufiger gemessen.

          Sind Sie mittlerweile schon wieder gedanklich in Deutschland angekommen?

          Ich fühle mich noch nicht so, als ob ich zu Hause bin. Eigentlich bin ich ja auch noch auf dem Weg. Wenn die Quarantäne vorüber ist, werde ich zu meinen Eltern nach Bad Oldesloe fahren. Und danach ein paar Freunde besuchen.

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