https://www.faz.net/-gum-9vmmr

Lungenkrankheit aus China : Coronavirus überträgt sich von Mensch zu Mensch

  • Aktualisiert am

Nun steht fest: Der neuartige Virus ist auch von Mensch zu Mensch übertragbar. Bild: AFP

Die neuen Erkenntnissen in Bezug auf die Lungenkrankheit dürften die Angst vor dem Virus schüren. Die Zahl der Infektionen steigt rasant. Auch an einem europäischen Flughafen gibt es erste Fieberkontrollen. Die WHO beruft nun ein Krisentreffen ein.

          3 Min.

          Die neuartige Lungenkrankheit in China kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Zudem seien Infektionen bei medizinischem Personal bestätigt, teilte ein Team der chinesischen Gesundheitskommission am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua mit. Für zwei Fälle in der Provinz Guangdong sei eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen, sagte der Chef des Teams, Zhong Nanshan. So hätten sich zwei Patienten in Guangdong bei erkrankten Angehörigen angesteckt, ohne vorher selbst Wuhan besucht zu haben. Zhong hatte unter anderem 2003 daran mitgewirkt, das ganze Ausmaß der Sars-Epidemie bekannt zu machen.

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berief wegen der sich rasant ausbreitenden Krankheit ein Krisentreffen ein. Ein Notfallkomitee soll sich am Mittwoch in Genf mit der Krankheit befassen, wie die WHO am Montag bekanntgab. Die Experten sollen demnach darüber beraten, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen wird.

          Für Fachleute ist es ein wichtiger Indikator, ob Ärzte und Pfleger von einer neuen Erkrankung betroffen sind: Infizieren sich viele von ihnen, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine leichte Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch. Für die neue, wahrscheinlich von Wildtieren auf den Menschen übergesprungene Sars-Virus-Variante war anfangs angenommen worden, dass es keine oder kaum Übertragungen von Mensch zu Mensch gibt.

          Die Zahl bestätigter Infektionen in China stieg sprunghaft auf rund 220. Ein weiterer Patient starb. Damit sind drei Todesfälle bekannt, wie die Gesundheitsbehörde der zentralchinesischen Metropole Wuhan berichtete. Dort hatte der Ausbruch begonnen. Erstmals wurden Infektionen mit dem Corona-Virus an mehreren anderen Orten sowohl im Norden wie auch im Süden Chinas nachgewiesen. Zudem gibt es Nachweise bei Menschen in Thailand, Japan und Südkorea, die zuvor in Wuhan waren. In Europa wurden bisher keine von Reisenden eingeschleppten Fälle bekannt.

          Neun Menschen in kritischem Zustand

          Mit der gerade anlaufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Übertragung des Virus. Bei der größten jährlichen Völkerwanderung sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs. Asiatische Nachbarn und mehrere Flughäfen in anderen Ländern weltweit haben Fieberkontrollen bei der Einreise aus Wuhan eingeführt. Am Montag zog auch Italien nach: Verdachtsfälle an Bord in Rom-Fiumicino landender Flugzeuge aus Wuhan würden künftig überprüft, teilte das Gesundheitsministerium mit. Piloten sollen demnach Passagiere mit entsprechenden Symptomen melden. Diese würden dann sofort in das nationale Institut für Infektionskrankheiten in Rom gebracht, hieß es.

          Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping schaltete sich am Montag erstmals in die Gesundheitskrise ein und gab Anweisung, die Ausbreitung der Krankheit energisch einzudämmen. Die Sicherheit der Menschen und ihre körperliche Gesundheit habe „absoluten Vorrang“, zitierte ihn das Staatsfernsehen.

          Außer in der Stadt Wuhan, wo es die meisten bestätigten Fälle gibt, wurde von Patienten in der Südprovinz Guangdong sowie in Peking im Norden und in Shanghai berichtet. Zudem wurden Verdachtsfälle in mehreren anderen Städten gemeldet. Von den bisher erfassten Patienten in der 11-Millionen-Metropole Wuhan waren 35 schwer erkrankt, davon neun in kritischem Zustand.

          Deutlich mehr Infizierte als bisher bekannt

          Analysen des Erbguts hatten dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ergeben, dass es sich bei dem Erreger um eine Sars-Variante handelt. Ein Sars-Virus hatte von China ausgehend 2002/2003 eine weltweite Pandemie mit 8000 Infizierten zur Folge, etwa 800 Menschen starben.

          Experten des Imperial College London gehen davon aus, dass die neue Krankheit schon wesentlich weiter verbreitet ist als bisher bekannt. Nach ihrer Hochrechnung könnte es bereits mehr als 1700 Infizierte geben. „Solche Schätzungen sind immer mit großen Unsicherheiten behaftet“, sagte Drosten dazu. „Im Kern glaube ich aber an diese Zahlen.“

          Die ersten Infektionen werden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Auch der Sars-Erreger von 2002/2003 war höchstwahrscheinlich von einem Wildtier auf den Menschen übergesprungen, angenommene Quelle sind Schleichkatzen. Die chinesischen Behörden hätten bereits eine Hypothese, von welcher Tierart der neue Erreger auf den Menschen übergesprungen sein könnte, hatte Virusforscher Drosten kürzlich erklärt. „Das wird aber erst offiziell verkündet, wenn es als gesichert gilt.“

          Corona-Viren verursachen oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen – allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Sars und Mers dazu. Sars steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome“, also Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Bei der Sars-Pandemie 2002/2003 war der Ausbruch anfangs vertuscht worden, was eine schnelle Reaktion verhindert und die Verbreitung begünstigt hatte.

          Ruft die WHO einen internationalen Gesundheitsnotstand aus, empfiehlt sie damit schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche. Dazu können unter anderem Grenzkontrollen, das Einrichten von spezialisierten Behandlungszentren oder mögliche Impfungen medizinischer Fachkräfte gehören. Eine Reisewarnung für Touristen hat sie bisher noch nicht ausgesprochen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC riet Reisenden nach Wuhan lediglich, Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder mit kranken Personen zu meiden.

          Weitere Themen

          1700 Ärzte in China infiziert

          Coronavirus : 1700 Ärzte in China infiziert

          Chinesische Behörden haben erstmals Auskunft über Infektionen unter Krankenhauspersonal gegeben. Die Vereinigten Staaten werfen China mangelnde Transparenz vor. Ägyptische Behörden melden indes die erste Ansteckung in Afrika.

          Topmeldungen

          Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

          Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatkassen soll Milliarden sparen

          Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn die Privatkassen abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.