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Delta auf dem Vormarsch : Zahlen in Italien steigen deutlich, China riegelt Nanjing ab

  • Aktualisiert am

Strand von Tropea im südlichen Italien Bild: EPA

Auf der gesamten Welt breitet sich die Delta-Variante des Coronavirus aus. In Italien haben sich die Ansteckungen wieder stark erhöht. Und auch in China tauchen wieder Fälle auf. Die Regierung reagiert rabiat.

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          In Italien sind die täglichen Corona-Infektionszahlen zuletzt weiter gestiegen. In beinahe allen Regionen und Autonomen Provinzen hätten die Behörden wachsende Fallzahlen in allen Altersgruppen verzeichnet, hieß es im wöchentlichen Corona-Lagebericht des italienischen Gesundheitsministeriums in Rom am Freitag. Der zuletzt berechnete Sieben-Tage-Inzidenzwert lag bei landesweit durchschnittlich 58 Fällen je 100.000 Einwohnern. Die Delta-Variante ist in Italien nach jüngsten Ergebnissen am verbreitetsten. Am Freitag meldeten die Gesundheitsbehörden etwas mehr als 6600 Corona-Neuinfektionen und 18 Tote im Zusammenhang mit dem Virus.

          Wegen der Infektionslage beschloss die Regierung unter Ministerpräsident Mario Draghi in der vergangenen Woche, vom 6. August an Beschränkungen einzuführen. Wer ab dann im Innenbereich eines Restaurants essen, eine Sportveranstaltung besuchen oder in ein Museum gehen will, braucht einen Nachweis, mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft zu sein. Rein darf auch, wer eine Genesung nachweisen kann oder ein negatives Corona-Testergebnis mitbringt, das nicht älter als 48 Stunden ist. Gegen die neuen Maßnahmen protestierten in den vergangenen Tagen landesweit Gegner, Restaurant-Besitzer und Hotelbetreiber in den großen Städten. In den kommenden Tagen werden weitere Proteste erwartet. Diese sind laut Medienberichten oft nicht genehmigt.

          Auch in China ist das Coronavirus wieder auf dem Vormarsch. Ein Corona-Hotspot in der ostchinesischen Millionenstadt Nanjing hat sich auf fünf Provinzen ausgebreitet und auch Peking erreicht. Die Gesundheitsbehörden von Nanjing meldeten am Freitag insgesamt 184 Infektionsfälle, landesweit werden mindestens 206 Infektionen mit dem Hotspot in Verbindung gebracht. Zur Eindämmung ordneten die Behörden für hunderttausende Menschen Ausgangsbeschränkungen an. Alle Fälle sind nach Angaben der Behörden auf die ansteckendere Delta-Variante des Virus zurückzuführen.

          In der Provinz Jiangzu mit ihrer Hauptstadt Nanjing sind hunderttausende von Lockdowns betroffen. Im Pekinger Bezirk Changping, wo bisher zwei Fälle gemeldet wurden, müssen rund 41.000 Menschen in ihren Wohnungen bleiben. In Peking handelt es sich um die ersten Corona-Fälle seit sechs Monaten. Peking verfolgt eine Null-Covid-Strategie: Treten in einer Stadt oder Provinz kleine Cluster auf, werden die betroffenen Gebiete abgeriegelt und alle Einwohner auf das Virus getestet.

          Derweil wurde bekannt, dass der überwältigende Anteil der Covid-19-Patienten, die in französischen Krankenhäusern behandelt werden, nicht geimpft ist: Rund 85 Prozent der Covid-19-Patienten auf den Normal- und Intensivstationen haben keine Impfung gegen das Coronavirus, wie aus einer am Freitag veröffentlichten amtlichen Statistik hervorgeht. Zudem liege bei 78 Prozent aller Todesfälle nach einer Coronainfektion keine Impfung vor. Im untersuchten Zeitraum zwischen Ende Mai und Mitte Juli waren demnach nur sieben Prozent der Patienten, die wegen Covid-19 ins Krankenhaus mussten, vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

          Die Infektionszahlen sind in Frankreich in den vergangenen Wochen in die Höhe geschnellt. Die Regierung spricht von einer vierten Welle, zur Eindämmung gelten wieder strengere Regeln. So muss in Museen und Kinos ein negativer Test oder ein Impf- oder Genesungsnachweis gezeigt werden. Vom 9. August an soll ein Nachweis auch für Bars, Restaurants und Fernzüge zur Pflicht werden. In einzelnen Gebieten gelten wieder eine Maskenpflicht im Freien oder frühe Schließzeiten.

          Und auch im beliebtesten Urlaubsland der Deutschen ist die Lage weiter angespannt. Seit Dienstag ist Spanien Hochinzidenzgebiet, womit alle, die nicht geimpft oder genesen sind, nach der Rückkehr nach Deutschland zehn Tage in Quarantäne müssen, die frühestens nach fünf Tagen durch einen negativen Test beendet werden kann. Die Corona-Zahlen steigen kaum noch, sondern verharren auf hohem Niveau.

          Da eine einheitliche landesweite Regelung fehlt, entscheiden die Regionen über Beschränkungen. Diese müssen sie sich jeweils von ihren obersten Landesgerichten genehmigen lassen. In Valencia, Katalonien, Cantabria und Navarra gelten deshalb wieder teilweise nächtliche Ausgehsperren. Auf den bei Urlaubern ebenfalls beliebten Kanaren lehnte die Justiz dies hingegen ab, auf Mallorca verzichtete die Regionalregierung auf eine solche Maßnahme. Die deutsche Bundesregierung stuft dagegen auch das Fürstentum Andorra von Sonntag an als Hochinzidenzgebiet ein. Als solches gelten nun ebenfalls eine Reihe afrikanischer Staaten, die vorher Virusvariantengebiete waren: Südafrika, Botswana, Simbabwe, Sambia, Mosambik, Malawi, Eswatini (das frühere Swasiland), Lesotho und Namibia. Nicht mehr Risikogebiet ist die auch bei Urlaubern beliebte Dominikanische Republik. Uruguay und Brasilien bleiben Virusvariantengebiete.

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