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Schmerz nach der Krebstherapie : Kaum auszuhaltende Qualen

Nicht auszuhalten – wenn chronische Schmerzen das Leben bestimmen. Bild: Getty

Lange dachten Ärzte, Krebspatienten könnten keine chronischen Schmerzen entwickeln. Heute wissen sie es besser. Gut versorgt sind diese Patienten trotzdem noch nicht.

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          Sei doch froh, dass du die schwere Erkrankung überstanden hast – diesen Satz hat Cecile Kreutz in den vergangenen sechs Jahren nicht nur einmal gehört. Ende 2009 entdeckten die Ärzte bei der heute 64-Jährigen einen Lungentumor, der so groß gewachsen war, dass er schon das umliegende Gewebe angegriffen hatte. Um ihn herauszuoperieren, mussten die Ärzte nicht nur Teile der Lunge entfernen, sondern auch Muskeln und Rippen herausschneiden. Eine große Narbe am Oberkörper zeugt von der Schwere des Eingriffs, dem eine lange Chemotherapie folgte.

          Lucia Schmidt
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass sie heute noch lebt und mit dem Rollator überall hinkommt, dafür ist Cecile Kreutz dankbar. Doch diese Freude wurde lange durch starke Schmerzen getrübt, die sie seit der Chemotherapie Tag für Tag begleiteten und sie bei jeder Bewegung einschränkten. Kein Arzt hatte dafür eine Erklärung. „Da kann man nichts machen“, sagte man ihr genauso häufig wie „Damit müssen Sie nun leben“. Doch Kreutz sagt ganz offen, dass für sie die vergangenen Jahre kein Leben mehr waren. Kein Atemzug ohne Schmerzen, kein Liegen ohne Drücken im Oberkörper. Mehrfach am Tag litt sie unter Attacken, die sich anfühlten, als steche man ihr mit zahlreichen Messern in den Rücken.

          Chronischer Tumorschmerz tritt immer häufiger auf

          Stefan Wirz kennt solche Leidenswege zur Genüge. Er ist Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin des Katholischen Krankenhauses im Siebengebirge. Der Schmerzmediziner hat sich auf Patienten spezialisiert, die unter einem Tumorschmerz leiden, und vor allem auf die, bei denen dieser chronisch ist. Sie werden immer zahlreicher, was – auch wenn es erst einmal nicht so klingt – eine gute Nachricht ist. Denn durch bessere Therapien überleben immer mehr Menschen eine Krebserkrankung. Nicht selten leben sie noch Jahrzehnte nach der Diagnose und gelten als geheilt. Doch durch die steigenden Überlebensraten zeigen sich auch Folgen der Erkrankung, die früher keine Rolle gespielt haben. Der chronische Tumorschmerz zählt dazu.

          Erst langsam nimmt die Medizin dieses Leid der Krebspatienten wirklich ernst. Bis vor kurzem hat man Schmerzen unterteilt in Akutschmerz, chronifizierten Schmerz und Tumorschmerz. Lehrbücher schlossen aus, dass eine Schmerzempfindung Eigenschaften aus zwei der drei Kategorien haben könne. Laut medizinischem Fachwissen konnten nur Schmerzen von Nicht-Tumorpatienten „chronifizieren“, chronisch werden. Das Resultat: Betroffene Tumorpatienten fielen und fallen in eine Versorgungslücke unseres Gesundheitssystems.

          Für Krebspatienten, die so schwer krank sind, dass sie wohl nicht mehr gesund werden, hat sich die Palliativmedizin in den vergangenen Jahren zu einer hilfreichen Fachrichtung entwickelt. Damit diese Patienten die restliche Zeit ihres Lebens so angenehm wie möglich verbringen können, ist es eine der Hauptaufgaben der Palliativmedizin, Schmerzen zu bekämpfen.

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