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China : Staatsgeheimnis: Vogelgrippe

Staatsgeheimnis: Vogelgrippe-Untersuchungen in einem chinesischen Labor Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Wer in China wagt, über die Verbreitung von Vogelgrippeviren zu forschen, begibt sich auf schwieriges Terrain: In Peking werden jetzt selbst renommierteste Virologen des „Verrats von Staatsgeheimnissen“ beschuldigt.

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          Einer der renommiertesten Virologen Asiens, der Hongkonger Mediziner Guan Yi, wird von der chinesischen Regierung beschuldigt, Staatsgeheimnisse verraten zu haben. Guan Yi, der unter anderem einen Schnelltest zur Erkennung des Vogelgrippevirus entwickelt hat, hatte in einem Artikel für die Online-Ausgabe von "Nature" Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die sich mit der Verbreitung des H5N1-Virus in China beschäftigt. Guan Yi und eine Reihe anderer an der Untersuchung beteiligter Wissenschaftler untersuchten die Erbgutsequenz von Viren, die in verendeten Tieren in unterschiedlichen Provinzen entdeckt wurden. Die Forscher, genauso wie eine Gruppe von Pekinger Wissenschaftlern um George Gao, der seine Ergebnisse gleichzeitig im Magazin "Science" veröffentlichte, glauben, eine neue, hochinfektiöse Variante von H5N1 gefunden zu haben.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Noch brisanter an den Untersuchungen aber scheint für die Pekinger Regierung zu sein, daß Guan Yi von Vogelgrippefällen in vier südlichen Provinzen (Fujian, Guangdong, Hunan und Yunnan) berichtet, über die bislang nicht offiziell gesprochen wurde. Die chinesischen Behörden hatten Fälle in nur zwei Provinzen (Qinghai und Xinjiang) im Nordwesten ausgemacht.

          Infektionen auch bei Zugvögeln

          Ende April hatte Peking erstmals davon berichtet, daß sich die bislang weitgehend auf Geflügel beschränkte Vogelgrippe an einem See in der Provinz Qinghai auch unter Zugvögeln ausbreitete. Vor allem Streifengänse, aber auch Möwen und Kormorane waren erkrankt. Mehr als 6000 Tiere verendeten. Im Juni durften Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach Qinghai reisen. Zwei weitere Ausbrüche unter Gänsen und Enten in der Provinz Xinjiang, einer davon nahe der Grenze zu Kasachstan, wurden von Regierungsseite zwar bestätigt, Gesundheitsfachleuten aus dem Ausland wurde der Zugang bislang aber verwehrt. Jia Youling, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Peking, widersprach den Untersuchungsergebnissen von Guan Yi.

          Die Schlußfolgerung, daß die Ausbrüche im Nordwesten auf Fälle im Süden Chinas zurückgingen, sei falsch. Die Vögel im Nordwesten kämen nicht aus dem Süden. Zudem sei weder Guan Yi noch George Gao in der Provinz Qinghai gewesen, um Proben von den Tieren zu sammeln. Das Ministerium setzte zugleich eine Reihe neuer Richtlinien durch: Virologische Analysen dürfen demnach nur noch von staatlichen Stellen vorgenommen werden. Verstöße dagegen werden mit einer Geldstrafe oder Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft. Der "Verrat von Staatsgeheimnissen" indes kann mit lebenslangem Freiheitsentzug geahndet werden.

          Wieso hat sich das Virus verändert?

          Die WHO, bislang eher zurückhaltend mit Kritik an China, wenn es um die Informationspolitik im Zusammenhang mit der Vogelgrippe ging, fordert nun erstmals vehement Zugang zu den genannten Provinzen. "Es ist von großer Bedeutung, daß wir erfahren, wieso sich das Virus verändert hat", sagte Hitoshi Oshitani, der Leiter der Influenza-Abteilung der WHO in Ostasien, zu Beginn der Woche. Am Donnerstag bestätigte die Regierung in Jakarta, daß der Tod von drei Indonesiern an der Vogelgrippe nicht über eine Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch verursacht wurde. Die drei Opfer, deren Tod in der vergangenen Woche bekanntgegeben worden war, hätten sich vermutlich doch bei Tieren angesteckt, teilte Gesundheitsministerin Siti Fadilah Supari mit.

          Der Erreger H5N1 sei auf einer Hühner- und Schweinefarm fünfzehn Kilometer vom Wohnhaus der Betroffenen aufgetreten. Die erkrankten Tiere auf der Farm seien bereits getötet worden, sagte Supari. Nähere Einzelheiten nannte sie nicht. Bei den drei Toten handelt es sich um einen 38 Jahre alten Mitarbeiter des Finanzministeriums und seine beiden kleinen Töchter. Da sie selbst keine Hühner besaßen, war ihre Erkrankung zunächst als möglicher Hinweis auf eine Übertragung der Vogelgrippe von Mensch zu Mensch gewertet worden.

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