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Schwarzer Fötus in Lehrbuch : „Der Mangel an Diversität kann Folgen haben“

  • -Aktualisiert am

Tausende Internet-Nutzer lobten den Studenten aus Nigeria für den Versuch, medizinische Zeichnungen nicht auf Menschen mit weißer Hautfarbe zu beschränken. Bild: Instagram/ebereillustrate

Chidiebere Ibe hat mit seiner Zeichnung eines schwarzen Fötus in einem schwarzen Mutterleib viel Aufmerksamkeit bekommen. Jetzt hat er es auch in ein Lehrbuch geschafft.

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          Als Chidiebere Ibe vor einigen Wochen seine Zeichnung eines schwarzen Fötus in einem schwarzen Mutterleib online stellte, überschlugen sich die sozialen Medien. Tausende Nutzer lobten den Studenten aus Nigeria für den Versuch, medizinische Zeichnungen nicht auf Menschen mit weißer Hautfarbe zu beschränken. „Ein gesundes Baby mit brauner Haut im Körper einer gesunden Mutter mit brauner Haut zu sehen, fühlte sich an wie die Zelebrierung der Stärke schwarzer Frauen“, schrieb Candice Taylor Lucas, eine afroamerikanische Medizinprofessorin an der University of California in Irvine. Ihr sechs Jahre alter Sohn habe sich in Ibes Zeichnung sofort wiedererkannt.

          Jetzt hat Ibe es auch in ein Lehrbuch geschafft. Wie der Sender CNN am Donnerstag berichtete, erscheinen die medizinischen Illustrationen des Fünfundzwanzigjährigen künftig in der zweiten Ausgabe von „Mind the gap: A handbook of clinical signs in Black and Brown skin“ der St. George’s University of London. Ibe, der während des Corona-Lockdowns am Computer die ersten Zeichnungen fertigte, hatte schon bei der Veröffentlichung der „Black Pregnant Woman“ gefordert, in Lehrbüchern mehr dunkelhäutige Menschen abzubilden. „Die Bücher zeigen den Studenten, was sie später in der Praxis sehen werden. Der Mangel an Diversität bei den Abbildungen kann Folgen haben. Viele Erkrankungen sehen je nach Hautfarbe des Patienten unterschiedlich aus“, schrieb Ibe, der seit einigen Monaten an der Universität Kiew in der Ukraine Medizin studiert.

          Auch die 1945 gegründete Association of Medical Illustrators (AMI) macht immer wieder auf das Versäumnis aufmerksam. Da die meisten medizinischen Zeichner weiß seien, zeigten etwa drei von vier Abbildungen Menschen mit heller Haut. Mit der Kampagne #AMIdiversity versucht die Organisation jetzt, die Debatte über Hautfarben bei Illustrationen zu befeuern.

          Ibe zeichnet weiter

          Die Dermatologin Jenna Lester, die an der University of California an San Francisco zu Hautfarbe forscht, lobte Ibes Zeichnungen derweil als Weg, um Afroamerikanern und Latinos die Medizin näherzubringen. Die Coronakrise mit einem größeren Anteil von Krankenhausaufenthalten unter nicht-weißen Amerikanern habe gezeigt, dass sich viele Minoritäten weiterhin nicht gut aufgehoben fühlten. Wie Lester in einer Studie über Abbildungen von Hautveränderungen nach Infektionen mit SARS-CoV-2 festhielt, wurden die Hinweise auf Corona in den ersten Monaten der Pandemie fast ausschließlich auf weißer Haut fotografiert – obwohl Schwarze bei einem Bevölkerungsanteil von etwa 13 Prozent damals fast jeden dritten Infizierten ausmachten.

          Ibe zeichnet derweil weiter. Bei Twitter und Instagram veröffentlichte er in den vergangenen Wochen Abbildungen mit Lymphgefäßen der weiblichen Brust, Ekzemen auf der Haut schwarzer Kinder und Illustrationen der Pigmentstörung Vitiligo. Per Online-Petition sammelte der Nigerianer bislang mehr als 30.000 Dollar für seinen Studienaufenthalt in der Ukraine. Dass Ibes es bei seiner bekanntesten Zeichnung des schwarzen Fötus in einem schwarzen Mutterleib mit der Anatomie nicht so genau nahm, scheint in der Debatte über Hautfarbe und Medizin fast untergegangen zu sein. Kinder schwarzer Eltern sind im Mutterleib nicht schwarz, kommentierten einzelne Nutzer in den sozialen Medien. Wie Föten weißer oder asiatischer Eltern schimmere ihre Haut rötlich. Erst in den Wochen nach der Geburt nehme sie einen dunklen Ton an.

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