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Cellulite : Die neue Beulenpest

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Kaum Forschung zur Cellulite

Männer hingegen sind ungerechterweise vor Orangenhaut gefeit: Ihr kräftigeres Bindegewebe verläuft parallel zur Haut und verschnürt auch größere Fettansammlungen in der Unterhaut zu glatten Paketen, deren Struktur von außen nicht zu erahnen ist. Nur wenn Männer sich aus medizinischen Gründen Östrogene zuführen, die das Bindegewebe elastischer werden lassen, können auch sie Cellulite bekommen.

Weil das Fett in der Unterhaut der Hauptgrund für die Dellen ist, zielen die meisten Therapieansätze darauf ab, die Fettmenge zu verringern. „Es gibt aber leider noch immer kaum kontrollierte Studien zur Wirksamkeit der zahlreichen Präparate und der sonstigen Behandlungsmethoden, die auf dem Markt sind“, sagt die Dermatologin Tatjana Pavicic von der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Weil die gesamte Dermatoästhetik eine Zeitlang in Verruf geraten war, hat sich die fundierte, qualitativ hochwertige Forschung bis Anfang der neunziger Jahre kaum mit Cellulite beschäftigt.“

Unzulängliche „Eminenz-basierte“ Studien

Um daran etwas zu ändern, gründeten die Münchner vor zwei Jahren eine Forschungsgruppe zum Thema Orangenhaut. Bislang mussten die Mediziner feststellen, dass es mehr „Eminenz-basierte“ als „Evidenz-basierte“ Verfahren und Substanzen gibt: „,Eminenz-basiert' nennen wir diejenigen Studien, bei denen ein angesehener Chirurg einfach gesagt hat: Ich sehe da eine Verbesserung des Hautbildes“, sagt Pavicic.

Notwendig wären objektive Methoden, zum Beispiel Ultraschall, um zu entscheiden, ob sich Hügel und Dellen auf den Schenkeln der Probandinnen wirklich verflacht haben, nachdem ein Produkt wochenlang aufgetragen wurde. „Die Studien müssten darüber hinaus am besten Placebo-kontrolliert sein, weil allein das Massieren der Haut schon etwas bringt“, sagt Pavicic. „Außerdem wären doppelblinde Untersuchungen wünschenswert, bei denen weder die Ärzte noch die Testpersonen wissen, wer zur Placebo- und wer zur Versuchsgruppe gehört.“

Koffein hilft tatsächlich

Die wenigen Studien, auf deren Ergebnis Ärzte und Patientinnen bislang zählen können, haben Pavicic und ihre Kollegen für eine Übersicht im „Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft“ zusammengestellt. Das Resultat: Koffein, eine äußerst verbreitete Zutat von Anti-Cellulite-Mitteln, lässt immerhin das Fett schmelzen und die Celluliteerscheinungen schwinden. Allerdings nur, wenn es in Liposomen verpackt ist, die es wie kleine Fähren durch die ansonsten für polare Stoffe undurchdringliche Haut ins Fettgewebe schleusen.

Außerdem muss die Koffein-Creme zweiprozentig sein: „Bei einer Konzentration von nur einem Prozent und beim Placebo-Vergleich zeigte sich keine Wirkung“, sagt Tatjana Pavicic. Mittlerweile gibt es mehrere Präparate auf dem Markt, die eine zweiprozentige Koffeinkonzentration in Liposomen bieten. Wer ein solches Produkt sucht, sollte sich an Apotheken wenden, die eine spezielle Hautberatung anbieten, empfiehlt Pavicic (im Internet unter dem Link „Apothekensuche“ auf www.hautapotheke.de). Dort gibt es auch Informationen über Mittel, die eine zweite evidenzbasierte Substanz enthalten: Retinol, das Vitamin A1. Retinol steigert die Kollagenbildung und stärkt so das Bindegewebe, das die Fettpolster in der Unterhaut dadurch besser im Zaum halten kann.

Manche Mittel sind gefährlich

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