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Cannabis-Legalisierung : Vernebeltes Hirn

Ein Zug am Joint: Niemand scheint sich daran zu stören. Bild: REUTERS

Ich habe gekifft, wenn meine Kumpels gerade Cannabis hatten. Ständig hört man: Die Droge muss legalisiert werden. Sie sei ja auch nicht schlimmer als Alkohol. Geht’s noch?

          Wann ich den ersten Joint geraucht habe, weiß ich nicht mehr genau. Es wird mit sechzehn gewesen sein, die meisten meiner Freunde haben früher angefangen. Viele kifften. Vielleicht lag es am Internat oder am Kleinstadtleben. Kiffen war cool und umnebelte schön das Hirn. Ich weiß noch, wie ich einmal mit einem Freund im Auto saß und gerade dabei war, einen Joint zu drehen. Der Wagen rutschte bei Glatteis in den Graben. Ich drehte weiter, und wir rauchten erst einmal das Gras. Auch an eine Reise nach Dänemark erinnere ich mich noch. Wir versteckten die Drogen in Teedosen. Der Urlaub verlief dann so, wie The Toyes es singen: I smoke two joints in the morning / I smoke two joints at night / I smoke two joints in the afternoon / It makes me feel all right … I smoke two joints before I smoke two joints, / And then I smoke two more. Der Rest vom Urlaub? Nebel.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Viele, die ich kenne, haben früher gekifft. Die meisten ab und zu, manche regelmäßig. Ein paar kiffen noch heute. An die Droge ranzukommen ist kein Problem. Irgendjemand kennt irgendjemanden, der irgendjemanden kennt.

          Schätzungen zufolge konsumieren in Deutschland zwischen zwei und vier Millionen Menschen Cannabis. Drei Viertel von ihnen, haben Studien ergeben, nehmen die Droge mindestens einmal im Monat, die Hälfte sogar alle zwei Tage. 7,4 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren und 35 Prozent der Achtzehn- bis Fünfundzwanzigjährigen haben Cannabis zumindest mal probiert. Irgendwie ist ja auch nichts dabei. Reggae, Hippies, Friede, Liebe, Big Lebowski. Nicht schlecht für eine Droge, wenn sie so ein Image hat. In Frankfurt gibt es einen schicken Laden. „Sheeva – es werde grün“ steht draußen auf den Milchglasscheiben. Außerdem: „Grow & Head“. Vor der Tür hängen häufig junge Männer rum. Ihre Augen sind glasig. Dieser typische süße Duft hüllt sie ein. Im Laden gibt es neben Bongs, Papers und Pfeifen alles für den Eigenanbau. Von Büchern über Beleuchtungssets bis hin zu Digitalwaagen. Was nicht im Laden vorrätig ist, lässt sich online bestellen. Für die Plantage zu Hause. Alles ganz legal, solange die Droge selbst nicht verkauft wird.

          Der Krieg gegen die Drogen – gescheitert?

          Es gibt immer mehr solche Läden. Niemand scheint sich daran zu stören. Ganz im Gegenteil. Vor ungefähr einem Jahr war der Rapper Sido (super-intelligentes Drogenopfer) in der Fernsehsendung „Absolute Mehrheit“. Er diskutierte unter anderen mit Boris Palmer und Heinz Buschkowsky. Während der Sendung konnten die Zuschauer anrufen und ihren Favoriten wählen. Thema war die Legalisierung von Cannabis. Sido war natürlich dafür. Das brachte ihm die absolute Mehrheit bei den zumeist jungen Zuschauern. Allerdings: Sido ist nur Sido, ein ehemaliger Gangster-Rapper, der halt provozieren will.

          Im vergangenen Dezember haben aber auch mehr als hundert Strafrechtsprofessoren eine Resolution unterschrieben, in der sie fordern, das Betäubungsmittelgesetz zu überprüfen. Der Initiator der Resolution, Lorenz Böllinger, sagte in einem Interview: „Für Deutschland gehen konservative Schätzungen von etwa vier Millionen Cannabiskonsumenten aus. Das sind fast fünf Prozent der Bevölkerung, deren Verhalten vom Staat kriminalisiert wird – entgegen jeder Vernunft oder Empirie.“ In Berlin-Kreuzberg soll nach Wunsch der Grünen Deutschlands erster Coffee-Shop entstehen, in dem legal Haschisch verkauft werden dürfte. In Frankfurt sind Grüne ebenfalls für Cannabis-Verkaufsstände. Und bei den Linken heißt es: „Das Cannabis-Verbot in Deutschland ist längst überholt.“ Anderswo ist Cannabis schließlich erlaubt. Seit Januar etwa in Colorado.

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