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Drogenbericht : Jugendliche konsumieren mehr Cannabis

Der Wirkstoffgehalt von Cannabis liegt heute etwa fünf Mal so hoch wie noch vor 30 Jahren, sagt die Drogenbeauftragte Marlene Mortler. Bild: dpa

Immer mehr Jugendliche nehmen Cannabis zu sich, geht aus dem aktuellen Bundesdrogenbericht hervor. Dafür ist der Konsum von zwei anderen Rauschmitteln zurückgegangen.

          Der Konsum von Zigaretten und Alkohol bei Jugendlichen und Heranwachsenden sinkt, aber der Konsum von Cannabis nimmt zu. Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, sagte bei der Präsentation ihres Jahresberichts in Berlin, der „interessengetriebenen Verharmlosung“ von Cannabis müssten endlich Fakten entgegengesetzt werden. Der wachsende Konsum sei „auch deshalb so problematisch, weil der Wirkstoffgehalt von Cannabis heute etwa fünf Mal so hoch liegt wie noch vor 30 Jahren“. Das habe gerade für jugendliche und heranwachsende Konsumenten „massiv“ wachsende gesundheitliche Folgen. Vor allem träten psychische Erkrankungen auf.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Nach Angaben der Drogenbeauftragten haben in Umfragen mehr als sechs Prozent der Erwachsenen angegeben, im Lauf der vorhergegangenen zwölf Monate mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben. Bei Jugendlichen (zwölf bis 17 Jahre) habe der Anteil mehr als sieben Prozent, bei jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) sogar 15 Prozent betragen. Mortler wandte sich gegen eine „vom Lifestyle getriebene Legalisierungsdebatte“ für Cannabis, die von Lobbygruppen und wirtschaftlich interessierter Seite gefördert werde.

          Als positiv wertete die Drogenbeauftragte die sinkenden Zahlen beim Alkoholkonsum von Jugendlichen und Heranwachsenden. Bei Jugendlichen habe sich die Zahl der Konsumenten binnen der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte halbiert. Die Zahl der Rauschgifttoten ist hingegen 2016 auf 1333 Fälle gestiegen und liegt damit so hoch wie zuletzt im Jahr 2009.

          Drei Millionen Kinder haben mindestens einen suchtkranken Elternteil

          Mortler gab an, im Mittelpunkt ihrer Arbeit hätten in den vergangenen Monaten die Suchtgefahren der digitalen Welt gestanden. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass digitale Anwendungen „eine Vielzahl gesundheitlicher Beeinträchtigungen“ hervorriefen, wenn es den Betreffenden an „Medienkompetenz“ mangele. Die Beauftragte wies hin auf Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, wonach rund sechs Prozent aller Jugendlichen „eine behandlungsbedürftige internetbezogene Störung“ aufwiesen, die man auch als „Internetabhängigkeit“ bezeichnen könne.

          Der Jahresbericht lenkt erstmals auch die Aufmerksamkeit auf die Lage der Kinder von Süchtigen. Drei Millionen Kindern haben demnach in Deutschland mindestens einen suchtkranken Elternteil, was in vielen Fällen nachteilige Auswirkungen auf ihre eigene Entwicklung hat. Mortler gab an, Stigmatisierung, Verunsicherung und die Notwendigkeit, viel zu früh selbst in die Rolle von Erwachsenen schlüpfen zu müssen, seien häufige Konsequenzen: „Wir wissen, dass ein erheblicher Teil der betroffenen Kinder aus diesen Gründen später selbst eine Suchterkrankung oder eine andere psychische Störung entwickelt.“

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